Vierteljahrs-Wetter-Rundschau der Deutschen Seewarte, Herbst 1886. 157
der Elbe aus in See gegangen war, in 6 Tagen zur Nordspitze Schottlands
segelte. . Im offenen Ocean trafen die beiden zuerst erwähnten Schiffe anfänglich
recht ungünstige Verhältnisse an. Die Tiefdruckgebiete, welche im ersten Drittel
des September südlich von Island auftraten, bewirkten stürmische Südwestwinde,
deren Gebiet sich von Nordschottland bis zur Kanalmündung ausdehnte, Am
9. September erreichten diese Winde bei beiden Schiffen die Stärke eines vollen
Sturmes, der von einem an Bord des „Olbers“ abgelesenen niedrigsten Luftdruck
von 731,5mm begleitet war. . Infolge dieser Gegenwinde konnte nur in lang-
samer Weise nach Westen hin vorgerückt werden. Am 13. September Mittags
war „Hermanns“ Schiffsort 504° N-Br in 17,2° W-Lg und der von „Olbers“
57,7° N-Br in 15° W-Lg geworden. Nach diesem Tage. wurden die Verhältnisse
etwas günstigere. Jenes Tiefdruckgebiet, dessen kurze, zur Kanalmündung ge-
richtete Bahn die Karte XXXII zeigt, wie auch die Lage des weit nach Norden
verschobenen Hochdruckgebietes derselben Karte, schufen günstige Winde, bei
denen sich ein rascherer Fortschritt erzielen lief. Von langer Dauer waren
diese Verhältnisse indessen nicht; nach kurzer Zeit herrschten wieder westliche
Winde vor, bei denen man die Reise nur in langsamer Weise fördern konnte.
„Hermann“, das südlicher stehende Schiff, befand sich damals in der Südhälfte
des inmitten des Oceans sich nach Osten bewegenden, auf Karte XXXIIl dar-
gestellten Tiefdruckgebietes, während „Olbers‘““ gleichzeitig so weit nördlich
stand, dafs die zu jener Erscheinung gehörenden Ostwinde ihn nicht mehr er-
reichten. Dagegen wurde dieses Schiff durch westliche Winde zurückgehalten,
die durch Tiefdruckgebiete geschaffen wurden, welche in höherer Breite auf-
traten und sich dort nach Nordosten bewegten. Infolge dessen nahmen die
Reisen beider Schiffe bis 50° W-Lg hin nur einen sehr langsamen Verlauf.
Günstiger als sie trafen es die beiden anderen Mitsegler, und vor Allem war
dies bei „Andromeda“ der Fall. Als sich dieses Schiff am 14. September in der
Nähe der Aufsengründe des Kanals befand, kamen mit dem Herannahen jenes
Tiefdruckgebietes, dessen kurze, nach Westen und Norden gerichtete, in der
Nähe von 40° N-Br verlaufende Bahn auf Karte XXXII dargestellt ist, dort
kräftige Ostwinde durch. Bis nach „Shakspere“ erstreckten sich diese nicht;
doch waren die von letzterem Schiffe beobachteten Winde derart veränderlich
in ihrer Richtung, daß sich auch bei ihnen ein befriedigender Fortgang nach
Westen erzielen ließ, Westlich von 50° W-Lg wurden alle vier Mitsegler
häufiger von Ostwinden begünstigt, die zum Theil hervorgerufen wurden durch
jenes Tiefdruckgebiet, dessen südlich vom Golfstrom verlaufende Bahn sich vom
5. bis zum 13. Oktober auf Karte XXXIV verfolgen läfst. Am 8, Oktober
Mittags befand sich „Hermann“ in 41,6° N-Br und 59,7° W-Lg, „Olbers“ in
41° N-Br ‚und 61° W-Lg, „Andromeda‘“ in 405° N-Br und 64,8° W-Lg und
„Shakspere“ in 441° N-Br und 51° W-Lg. Den Hafen von New-York er-
reichten „Hermann“ am 14. Oktober, „Olbers“ am 13. Oktober, „Andromeda“
am 12. Oktober. und „Shakspere‘““ am 17. Oktober.
Im September traten aufserdem noch fünf von den in der Liste ange-
führten Schiffen Reisen vom Kanal nach den Vereinigten Staaten an. Es waren
dies: „Victoria“, „Ariadne“, „Wilhelm“, „Deutschland“ und „George Washington“,
Dieselben überschritten den Ocean auf Reisen von sehr verschiedener Dauer.
Denn während „Deutschland“ in 30 Tagen die rascheste Fahrt vollendete, ge-
brauchte ‚, Victoria“ dazu mit 61 Tagen die längste Zeit. Diese ungewöhnlich
lange Dauer wurde verursacht durch die Wahl der Passatroute, auf welcher,
besonders in ihrem östlichen Theile, bedeutende Verzögerungen stattfanden.
Die ersten Tage der Reise waren in sehr günstiger Weise verlaufen. Alle Schiffe
verließen den Kanal bei frischem Ostwinde, hervorgerufen durch jenes Tief-
druckgebiet, welches laut Karte XXXIII vom 22, bis 23, September über den
Busen von Biscaya nach Südosten zog. Am ersteren Tage, als der Mittelpunkt
dieser Erscheinung südlich von den Schiffen passirte, nahm die Stärke des Ost-
windes bis zum heftigen Sturme zu. ‚, Victoria“ schlug dann gleich einen süd-
licheren Kurs ein, so daß sie, als der günstige Wind am 23. September endete,
schon etwa 4 Breitengrade südlicher stand als ihre Mitsegler. Während der
übrigen Tage im September wurden alle Schiffe durch heftige Westwinde zurück-
gehalten. Am 29. September nahmen diese Winde bis zum heftigen Sturme zu,
„Ariadne‘“, „Wilhelm“ und „Deutschland“, die unweit 50° N-Br in 24° W-Lg