Ueber die Datumsgrenze im Stillen Ocean.
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Ueber die Datumsgrenze im Stillen Ocean.
In einem Separatabdruck aus dem auf Befehl des K. u. K, österreichischen
Reichs-Kriegsministeriums, Marine-Sektion, verfafsten und demnächst erscheinen-
den Werkes „Die Schiffsstation der K. u. K. Kriegsmarine in Ostasien“ macht
der K. u. K. Fregatten-Kapitän d. R. Jerolim Freiherr von Benko auf
einen noch viel verbreiteten Irrthum bezüglich des Datums und der Datum-
grenze innerhalb der Inseln des Stillen Oceans aufmerksam. Die unter dem
Titel „Das Datum auf den Philippinen“ erschienene Abhandlung weist zunächst
für diese Inseln nach, dafs die in den neueren deutschen Konversationslexika
(von Meyer, Brockhaus, Pierer) verzeichnete Datumsgrenze, welche östlich
von. Neu- Seeland, Neu- Kaledonien, dem Bismarck-Archipel vorbeigehend mit
einer grofßsen Ausbuchtung nach Westen Celebes und Borneo an ihrer Westseite,
die übrigen Philippinen dagegen östlich läfst, und sich sodann östlich von
Formosa und den Japanischen Inseln nach der Behrings-Strafse wendet, nicht
mehr richtig ist, vielmehr seit Beginn des Jahres 1845 auf den Philippinen das-
selbe Datum geschrieben wird, wie auf Australien, dem benachbarten asiatischen
Kontinent und der ganzen alten Welt. Die Ursachen, dafs man bis zu diesem
Zeitpunkt thatsächlich auf den Philippinen das östliche Datum des weit entfernten
amerikanischen Kontinents zählte, sind historischer Natur. Aus der genannten
Broschüre entnehmen wir darüber das Folgende:
„Vorerst kommt in Betracht, daß Magelhaens, von Osten herkommend,
die Philippinen entdeckte. Es ist bekannt, dafs seine Gefährten, unter d’Elcanos
Führung die erste Weltumsegelung vollbringend, bei ihrer Rückkehr in die
Heimath auf das Höchste darüber bestürzt waren, dafs ihnen so zu sagen ein
Tag verloren gegangen war; die sorgfältig geführten Schiffstagebücher der
Expedition ließen keinem Zweifel darüber Raum, dafs sich nicht etwa durch
eine Nachlässigkeit ein Fehler in die Zeitrechnung eingeschlichen haben könne;
und dennoch stand die unleugbare Thatsache vor Aller Augen, dafs d’Elcano
mit einem anderen Tagesdatum an Bord ankam, als man es in der Heimath zählte.
„Von der Thatsache der Entdeckung der Philippinen von Osten her
wird nun vielfach die eigenthümliche Erscheinung abgeleitet, dafs man auf dieser
Inselgruppe nachmals jene Datumszählung annahm, welche wir kurz die „östliche“
nennen wollen. Doch ist dies hier entschieden unrichtig, da die Entdeckung
vorerst mit der Eroberung und Besiedelung nichts gemein hatte. Hingegen kam
Legaspi, der Eroberer und Kolonisator der Philippinen, ebenfalls aus Osten,
von dem spanischen Amerika; er brachte deshalb ebenfalls die östliche Datums-
zählung mit, und dieselbe wurde beibehalten,
„Der Grund für das Beibehalten des „östlichen Datums“ auf den Philippinen
war vorerst ein politischer, vielleicht besser gesagt staatsrechtlicher, während
später, auf lange Zeit hinaus, keine genügende Veranlassung dafür vorlag, die
einmal angenommene und eingelebte Datumsführung abzuändern, und dies umso-
mehr, als ja die Philippinen in ihrem äufseren Verkehre beinahe ausschliefslich
auf das spanische Amerika angewiesen und beschränkt waren. Schiffe, welche
zwischen Manila und Acapulco segelten, hatten es infolge der unrichtigen
Datumsführung der Philippinen nicht nothwendig, bei jeder Fahrt das Datum
unterwegs einmal abzuändern, und bei der Rückfahrt wieder eine Rückänderung
desselben eintreten zu lassen.
„Die fehlerhafte Art der Datumsführung auf den, Philippinen hatte also,
wie wir sehen, zur Zeit des innigen Verkehres zwischen dieser Inselgruppe und
dem westlichen spanischen Amerika eine praktische Seite. Die in frühester
Zeit malsgebende Seite der Frage war aber die staatsrechtliche, und es beruhte
diese auf den Bestimmungen der bekannten Bullen des Papstes Alexander VI.
vom 3. und 4. Mai 1493, welche Bullen die auf der östlichen Erdhälfte zu
entdeckenden heidnischen Länder den Portugiesen, jene auf der Westhälfte aber
den Spaniern zugesprochen hatten. Die Demarkationslinie, von welcher aus
nach Östen und Westen zu rechnen war, sollte „vom Nord- zum Südpol,
100 Leguas gegen Abend und Mittag aller sogenannten Azoren und Capverdischen
Inseln verlaufen.“ Der Vertrag von Tordesillas, am. 7. Juni 1494 zwischen
Spanien und Portugal geschlossen, im Jahre 1506 von dem Papste Julius IL
bestätigt, verlegte aber diese Linie 370 Leguas nach Westen von den Cap-