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Full text: Annalen der Hydrographie und maritimen Meteorologie, 19 (1891)

Ueber die Datumsgrenze im Stillen Ocean. 
Ei] 
Ueber die Datumsgrenze im Stillen Ocean. 
In einem Separatabdruck aus dem auf Befehl des K. u. K, österreichischen 
Reichs-Kriegsministeriums, Marine-Sektion, verfafsten und demnächst erscheinen- 
den Werkes „Die Schiffsstation der K. u. K. Kriegsmarine in Ostasien“ macht 
der K. u. K. Fregatten-Kapitän d. R. Jerolim Freiherr von Benko auf 
einen noch viel verbreiteten Irrthum bezüglich des Datums und der Datum- 
grenze innerhalb der Inseln des Stillen Oceans aufmerksam. Die unter dem 
Titel „Das Datum auf den Philippinen“ erschienene Abhandlung weist zunächst 
für diese Inseln nach, dafs die in den neueren deutschen Konversationslexika 
(von Meyer, Brockhaus, Pierer) verzeichnete Datumsgrenze, welche östlich 
von. Neu- Seeland, Neu- Kaledonien, dem Bismarck-Archipel vorbeigehend mit 
einer grofßsen Ausbuchtung nach Westen Celebes und Borneo an ihrer Westseite, 
die übrigen Philippinen dagegen östlich läfst, und sich sodann östlich von 
Formosa und den Japanischen Inseln nach der Behrings-Strafse wendet, nicht 
mehr richtig ist, vielmehr seit Beginn des Jahres 1845 auf den Philippinen das- 
selbe Datum geschrieben wird, wie auf Australien, dem benachbarten asiatischen 
Kontinent und der ganzen alten Welt. Die Ursachen, dafs man bis zu diesem 
Zeitpunkt thatsächlich auf den Philippinen das östliche Datum des weit entfernten 
amerikanischen Kontinents zählte, sind historischer Natur. Aus der genannten 
Broschüre entnehmen wir darüber das Folgende: 
„Vorerst kommt in Betracht, daß Magelhaens, von Osten herkommend, 
die Philippinen entdeckte. Es ist bekannt, dafs seine Gefährten, unter d’Elcanos 
Führung die erste Weltumsegelung vollbringend, bei ihrer Rückkehr in die 
Heimath auf das Höchste darüber bestürzt waren, dafs ihnen so zu sagen ein 
Tag verloren gegangen war; die sorgfältig geführten Schiffstagebücher der 
Expedition ließen keinem Zweifel darüber Raum, dafs sich nicht etwa durch 
eine Nachlässigkeit ein Fehler in die Zeitrechnung eingeschlichen haben könne; 
und dennoch stand die unleugbare Thatsache vor Aller Augen, dafs d’Elcano 
mit einem anderen Tagesdatum an Bord ankam, als man es in der Heimath zählte. 
„Von der Thatsache der Entdeckung der Philippinen von Osten her 
wird nun vielfach die eigenthümliche Erscheinung abgeleitet, dafs man auf dieser 
Inselgruppe nachmals jene Datumszählung annahm, welche wir kurz die „östliche“ 
nennen wollen. Doch ist dies hier entschieden unrichtig, da die Entdeckung 
vorerst mit der Eroberung und Besiedelung nichts gemein hatte. Hingegen kam 
Legaspi, der Eroberer und Kolonisator der Philippinen, ebenfalls aus Osten, 
von dem spanischen Amerika; er brachte deshalb ebenfalls die östliche Datums- 
zählung mit, und dieselbe wurde beibehalten, 
„Der Grund für das Beibehalten des „östlichen Datums“ auf den Philippinen 
war vorerst ein politischer, vielleicht besser gesagt staatsrechtlicher, während 
später, auf lange Zeit hinaus, keine genügende Veranlassung dafür vorlag, die 
einmal angenommene und eingelebte Datumsführung abzuändern, und dies umso- 
mehr, als ja die Philippinen in ihrem äufseren Verkehre beinahe ausschliefslich 
auf das spanische Amerika angewiesen und beschränkt waren. Schiffe, welche 
zwischen Manila und Acapulco segelten, hatten es infolge der unrichtigen 
Datumsführung der Philippinen nicht nothwendig, bei jeder Fahrt das Datum 
unterwegs einmal abzuändern, und bei der Rückfahrt wieder eine Rückänderung 
desselben eintreten zu lassen. 
„Die fehlerhafte Art der Datumsführung auf den, Philippinen hatte also, 
wie wir sehen, zur Zeit des innigen Verkehres zwischen dieser Inselgruppe und 
dem westlichen spanischen Amerika eine praktische Seite. Die in frühester 
Zeit malsgebende Seite der Frage war aber die staatsrechtliche, und es beruhte 
diese auf den Bestimmungen der bekannten Bullen des Papstes Alexander VI. 
vom 3. und 4. Mai 1493, welche Bullen die auf der östlichen Erdhälfte zu 
entdeckenden heidnischen Länder den Portugiesen, jene auf der Westhälfte aber 
den Spaniern zugesprochen hatten. Die Demarkationslinie, von welcher aus 
nach Östen und Westen zu rechnen war, sollte „vom Nord- zum Südpol, 
100 Leguas gegen Abend und Mittag aller sogenannten Azoren und Capverdischen 
Inseln verlaufen.“ Der Vertrag von Tordesillas, am. 7. Juni 1494 zwischen 
Spanien und Portugal geschlossen, im Jahre 1506 von dem Papste Julius IL 
bestätigt, verlegte aber diese Linie 370 Leguas nach Westen von den Cap-
	        
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