Aus dem Reiseberichte S. M. Knbt. „Hyäne“.
schwächsten wär derselbe bei Neumond, zu welcher Zeit der Fluthwechsel am
gröfßsten war und 2,5 m betrug.
Die beste Landungsstelle ist an der Ostseite des östlich von Pyramid
Rock gelegenen Felsenriffes. Auch hier ist mitunter nicht unbedeutende Brandung.
Da der Strand an der genannten Stelle zum Theil steinig ist, so empfiehlt es
sich, beim ersten Landen einen Eingeborenen als Führer mitzunehmen. In den
Monaten März bis Mai soll die Brandung besonders stark sein. In dieser Zeit
kommen auch Stürme. vor. Während der Anwesenheit des Kanonenbootes war
die Witterung erquickend. Die Temperatur verhältnifsmäfsig kühl, die Luft
trocken und stets frische Briese vorhanden. Nach den am Örte eingezogenen
Erkundigungen kommt Fieber nur sehr selten vor. Die Eingeborenen leiden
jedoch viel an Hautkrankheiten, welche indefs lediglich ihrer grofsen Unreinlich-
keit zuzuschreiben sind. Zur Verpflegung der Mannschaft sind Schweine, Fische,
Ananas und Bananen stets zu beschaffen, aufserdem kann man Hühner und
Eier in genügender Anzahl erhalten. Geld ist unter den Eingeborenen unbe-
kannt; die besten Tauschartikel sind Rum, Tabak, alte Kleider, Nähnadeln,
Zwirn, Handwerkzeug u. s. w. Der Strand eignet sich in unmittelbarer Nähe
der Landestelle vorzüglich zur Abhaltung von Gewehrschiefsübungen, da gute
Deckung vorhanden und die Witterungsverhältnisse günstige sind. ;
Insel Prinzefs. Beim KEinlaufen in die San Antonio-Bucht‘!) auf der
Insel Prinze/s wurde W*%AN auf die Spitze Forte gesteuert, welche durch ein
auf derselben stehendes kleines weißes Haus, leicht zu erkennen ist. In der
Peilung „Fort Demonio in SzO0“ wurde auf 8,55 m Wasser geankert. Auf dem
genannten Kurse wurde nicht unter 8 m gelothet; die in der Br. Adm.-Karte 386
(VI: 161) angegebene Santa Anna Chapel ist nicht mehr vorhanden. Proviant
war nicht zu beschaffen; es soll jedoch möglich sein, bei längerem Aufenthalte
von den benachbarten Gütern Rindvieh, Schafe, Schweine ete. und auch Gemüse
zu bekommen. ;
Insel Fernando Po. Das Gouverneursgebäude zu Santa Isabell ?),
welches sich durch einen Flaggenmast kennzeichnet, liegt über der Jakobsleiter,
also nordöstlicher, wie in der Br, Adm.-Karte 623 (VI: 155) angegeben ist
(vgl. 394 a. „Nachr. f. Seef.“ 1891). Das in der Karte verzeichnete britische
Konsulatsgebäude ist nicht mehr vorhanden. Bei der Ansteuerung von Westen
markirt sich zunächst das weiße Dach des Hafenschiffes. Der Kurs SO auf
den Flaggenmast des Gouvernementsgebäudes führt gut frei von den vor der
Bucht liegenden Bänken. ;
Auf der Reise von Fernando Fo nach Kamerun hatte das Kanonenboot
eine Stromversetzung von 1,1 Sm die Stunde nach S 29° 0.
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Bericht des Kapt. 0. Tack über die von ihm mit der deutschen
Bark „Paul Rickmers‘‘ im Monat Juli 1890 ausgeführte
Durchsegelung der Torres-Strafse.
(Mittheilung von der Deutschen Seewarte.) "
Am Mittage des 20. Juli 1890 standen wir auf 9° 34’ S-Br in 145° 35‘ O-Lg
und steuerten von hier einen nordwestlichen Kurs, bis wir am Abend um 6 Uhr
nach unserer Besteckrechnung, welche so sorgfältig als möglich geführt wurde,
7 Sm nördlich des Breitenparallels von Bramble Cay standen und eine Tiefe
von 110m (60 Fad.) über Korallen und Sand lotheten. Wir verfolgten von nun
an einen Westkurs, bis uns eine gelothete Tiefe von 70m (38 Fad.) über
Schlickgrund die Gewifheit gab, dafs der Strom das Schiff nordwestlich versetzt
hatte. Es wurde daher jetzt nach SWzW gesteuert, worauf um 5* 15” a, m.
den 21. Juli Bramble Cay als schmaler, weilser Streifen von der Bramraa aus
in SWzS auf einem Abstande von 12 Sm gesichtet wurde. Die Bake auf dem-
selben entdeckten wir erst um 8% 45°” a. m. von der Bramraa in einer Ent-
ı) „Africa Pilot“, Part II 1884, Seite 47 ff,
2) a. a. O. Seite 42.