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Aus dem Reiseberichte S. M. Kubt. „Hyäne*
Hydrographische Bemerkungen über die Lopez-Bucht
und die Inseln San Thome, Anno Bom, Prinzefs und Fernando Po.
Westküste von Afrika.
(Nach dem Berichte des Kommandanten S. M. Knbt. „Hyäne“, Kapt.-Lieut. Plachte.)
Lopez-Bucht. Bei der Ansteuerung der Lopez-Bucht*) sind die einzelnen
Huken, besonders Kap Lopez und Spitze Alongubuna, sowie die Einläufe des
Lopez- und Yumbe-Flusses, schon aus grofser Entfernung leicht auszumachen.
Die Prince-Bank-Tonne (eine rothe spitze Tonne mit weißem Streifen und Ball)
wurde auf 5Sm gesichtet und auf 1Sm Abstand passirt. Auf 10 Sm wurde
das weiße Dach der Woermann’schen Faktorei gesichtet, welche 7,6 Sm
Sz0%/40 von dem Nordende des Kaps Lopez und 2,5 Sm S'/2W von der Spitze
Alongubuna in 0° 42‘ S-Br und 8° 48 O-Lg liegt. Die Tonne der Talisman-Bank
lag nicht aus oder war untergeschnitten (vgl. „Nachr. f. Seef.“, 1889 No. 1976
and 1891 No. 400). Nach dem südlich der Zalisman-Bank befindlichen Anker-
platz gelangt man, wenn man den Thurm der Woermann’schen Faktorei in
SWzW!/.W hält. Hierbei ist jedoch auf den Strom zu achten, welcher nach
NW setzt. Das Kanonenboot ankerte in folgenden Peilungen: „Spitze Alongu-
buna in NY2W“ und „Thurm der Faktorei in SWzW“; der Ankergrund war
gut. Näher an die Küste zu gehen, ist wegen der zwar selten, aber dann mit
grofser Stärke auf Land wehenden Tornados nicht anzurathen.
Während der Anwesenheit des Kanonenbootes war stets frische Briese,
trockene Luft und geringer Strom, und ist die Rhede zu Bootsexercitien be-
sonders geeignet, Nach Angabe der Angestellten der Faktorei soll das Klima
während des ganzen Jahres gut sein. Die nähere Umgebung der Ortschaft ist
sehr jagdreich, und kommen namentlich Büffel, wilde Schweine und mehrere
Arten von Wasservögeln, wie Gänse, Enten und Reiher in grofser Menge vor.
Die Bucht ist reich an schmackhaften Fischen, welche leicht mit Netzen zu
fangen sind.
Auf der Reise von der Lopez-Bucht nach San Thom6€ hatte S. M. Knbt.
„Hydäne‘“ in 29 Stunden 21,2 Sm Stromversetzung nach N 12° O0. Diese That-
zache steht in Uebereinstimmung mit der in der Br. Adm.-Karte 2202A (VII: 2)
eingezeichneten Stromrichtung, während nach der Stromkarte der Seewarte
B. VI. 45, Tafel 4, SO-Strom erwartet werden mulfste.
Insel San Thom& (St. Thomas). Zum Ansteuern der Anna de Chaves-
Bucht ?) auf San Thome sind als Peilobjekte besonders geeignet: /hla das Cabras
and Postillon Cap-Inseln, ferner das Gefängnifs (grofses gelbes Gebäude), Fort
Sebastian und das Hospital. Die Lage der Stadt ist in der Br. Adm.-Karte 386
(VI: 161) nicht richtig eingetragen; die ganze Stadt liegt in Wirklichkeit süd-
licher, als dort angegeben ist. Ungefähr an der Stelle, an welcher in der Karte
„Custom house“ steht, befindet sich der Kirchhof, während das Gouvernements-
gebäude und die Kirche etwa 3 bis 4 Kabllg. östlicher liegen, als die Karte
angiebt. Man gelangt auf den Ankerplatz, indem man mit NWzW-Kurs auf
die Häuser des Hospitals hält, wobei gut auf den Strom zu achten ist, der
rechtwinkelig zur Kurslinie nach NO setzt. Es wurden auf diesem Kurse his
zum Ankerplatze in NNO von Fort Sebastian nicht unter 8m gelothet, wobei
die Tiefen ganz gleichmäfsig abnahmen.
Auf der Reise von San Thome nach Anno Bom hatte das Kanonenhoot
N28°W 0,7 Sm die Stunde Stromversetzung und auf der Rückreise N 39° W
0,4 Sm die Stunde.
Insel Anno Bom. Beim Ansteuern der Rhede von Anno Bom*®) wurde
starke Stromversetzung gefunden, so dafs, um in der beabsichtigten Peilung auf
den Ankerplatz zu kommen, 1'/» Strich abgehalten werden mulfste. Während
der Anwesenheit des Kanonenbootes, vom 6. bis 16. Dezember 1890, wurde der
Strom stets nach NW setzend beobachtet, 0,5 bis 1,7 Sm die Stunde. Am
‘) „Africa Pilot“, Part
?) a. a. O. Seite 60 ff.
3) a a. OÖ. Seite 66 ff.
II 1884, Seite 33 ff.