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Full text: Annalen der Hydrographie und maritimen Meteorologie, 19 (1891)

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Ueber Grund eisbildung. 
Das Siggeis bildet sich in allen Tiefen, auf tiefem Wasser anscheinend 
von der Oberfläche beginnend; denn hängt man einen Gegenstand, sei es Tau 
oder Kette, senkrecht in das Wasser, so findet das Ansetzen an diesem immer 
von oben nach unten zu statt. Auf flachem Wasser scheint es auch umgekehrt 
der Fall zu sein, 
Auf tiefem Wasser steigen die ganz kleinen Krystalle meistens einzeln 
auf, an der Oberfläche angekommen, kleben dieselben sofort mit anderen zusammen 
und bilden zuerst eine schwammige Masse, gefrieren dann fester zusammen und 
schwimmen Anfangs in tellerförmigen Schollen, später in immer gröfser werdenden 
Massen, welche, sowohl nach unten als nach den Seiten ansetzend, zu den be- 
kannten Siggbergen anwachsen, welche, im tiefen Wasser gebildet, an den Ufern 
and auf flacheren Stellen angekommen, stranden und sitzen bleiben. Im Winter 
sind die ganzen Ufer mit diesen Bergen besäumt, und im Flusse selbst bilden 
sie Oftmals eine vollständige Barriere und verursachen die Eisstopfungen. Ich 
habe dieselben auf 20 bis 30 Fufs Wassertiefe auf Grund sitzend beobachtet, wo 
dieselben dann noch 10 bis 15 Fuß hoch aus dem Wasser ragten, während der 
horizontale Durchmesser derselben von 15 bis 20 Fuf betrug. 
Man sagt, dafs wolkenloser Himmel am günstigsten für die Siggeisbildung 
ist, doch scheint dies nicht immer der Fall zu sein. Bei Oberwasser, wenn das 
Flufswasser gelb und schmutzig ist, siggt es nicht so leicht, als wenn das Wasser 
rein und klar ist. 
Zu den systematischen Beobachtungen wurden mir von der Direktion der 
Seewarte bereitwilligst ein Luft- und ein Wasser-Minimumthermometer zur Ver- 
fügung gestellt. 
Das Luftthermometer wurde beim Hause in der von oben gedeckten, nach 
allen Seiten offenen und nahe am Wasser gelegenen Laube in 1'/2 m Höhe über 
dem Erdboden frei liegend angebracht; das Wasserthermometer beim Ponton der 
Dampferbrücke zwischen den Pfählen auf 3!/2 m Wassertiefe bei mittlerem Wasser- 
stande an einer Kette versenkt, doch so, dafs jes eben frei vom Grunde blieb; 
um etwaige Leitungsübertragung zu verhindern, wurde ein 0,30 m langes Hanftau 
zwischen Kette und Thermometer genommen. 
Es wurden dann von beiden Instrumenten die niedrigsten Temperaturen 
während der Nacht abgelesen und notirt. Die Schwierigkeiten beim Ablesen des 
Wasserthermometers bei grofser Kälte wurden dadurch überwunden, dafs das 
Instrument beim Herausholen sofort in angewärmtes Wasser gebracht wurde. In 
der ersten Zeit wurde dasselbe Morgens abgelesen und Nachmittags eingestellt, 
doch fand ich bald, dafs die Wassertemperatur am Tage fast immer stieg, worauf 
ich dies Instrument stets um etwa 3'/s Uhr Nachmittags ablas und einstellte 
und seit der Zeit auch die Temperatur des Wassers um 3'/2* p. m. notirte. Es 
beziehen sich daher im Folgenden die Temperaturen, sowie die anderen Bemer- 
kungen allgemein auf die Zeit von 3'/2 Uhr Nachmittags bis 3'a2 Uhr Nach- 
mittags, und ist das Datum der Tag des Ablesens. 
Der allgemeine Wettercharakter, Bewölkung u. s. w. wurde stets notirt, 
um etwaige Schlüsse auf Strahlung des Himmels ziehen zu können. 
Datum 
1889 
Nor. 30 | 
Dez. 1 
Luft- 
temp. 
Min. 
Dt 
— 3,0 
— 5,0 
LO 
— 1,5 
Wasser- 
temperatur 
1/oh 
Mia. | 31 
P- m. 
on SC 
—+—0,6 
A 0,2 
O1 
Bemerkungen 
Wind Abends still; später SE, steif; Morgens leichter NE. 
Veränderliche Bewölkung. 
Fast Windstille bei klarem Himmel; Morgens leicht wolkig. 
Die Wassergräben waren mit Eis bedeckt, so dafs die 
Kinder mit kleinen Schlitten und Schlittschuhen darauf 
liefen. In der Elbe zwischen den Buhnen auf flachem 
Wasser sehr wenig und ganz dünnes Oberflächeneis. 
Leichter westlicher Wind; Himmel leicht bezogen; leicht 
nebelig. In der Elbe zwischen den Buhnen auf flachem 
Wasser etwas Oberflächeneis. 
Westlicher Wind; leichter, sehr weifßs aussehender Nebel. 
Am Ufer etwas Oberflächeneis.
	        
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