1
Ueber Grund eisbildung.
Das Siggeis bildet sich in allen Tiefen, auf tiefem Wasser anscheinend
von der Oberfläche beginnend; denn hängt man einen Gegenstand, sei es Tau
oder Kette, senkrecht in das Wasser, so findet das Ansetzen an diesem immer
von oben nach unten zu statt. Auf flachem Wasser scheint es auch umgekehrt
der Fall zu sein,
Auf tiefem Wasser steigen die ganz kleinen Krystalle meistens einzeln
auf, an der Oberfläche angekommen, kleben dieselben sofort mit anderen zusammen
und bilden zuerst eine schwammige Masse, gefrieren dann fester zusammen und
schwimmen Anfangs in tellerförmigen Schollen, später in immer gröfser werdenden
Massen, welche, sowohl nach unten als nach den Seiten ansetzend, zu den be-
kannten Siggbergen anwachsen, welche, im tiefen Wasser gebildet, an den Ufern
and auf flacheren Stellen angekommen, stranden und sitzen bleiben. Im Winter
sind die ganzen Ufer mit diesen Bergen besäumt, und im Flusse selbst bilden
sie Oftmals eine vollständige Barriere und verursachen die Eisstopfungen. Ich
habe dieselben auf 20 bis 30 Fufs Wassertiefe auf Grund sitzend beobachtet, wo
dieselben dann noch 10 bis 15 Fuß hoch aus dem Wasser ragten, während der
horizontale Durchmesser derselben von 15 bis 20 Fuf betrug.
Man sagt, dafs wolkenloser Himmel am günstigsten für die Siggeisbildung
ist, doch scheint dies nicht immer der Fall zu sein. Bei Oberwasser, wenn das
Flufswasser gelb und schmutzig ist, siggt es nicht so leicht, als wenn das Wasser
rein und klar ist.
Zu den systematischen Beobachtungen wurden mir von der Direktion der
Seewarte bereitwilligst ein Luft- und ein Wasser-Minimumthermometer zur Ver-
fügung gestellt.
Das Luftthermometer wurde beim Hause in der von oben gedeckten, nach
allen Seiten offenen und nahe am Wasser gelegenen Laube in 1'/2 m Höhe über
dem Erdboden frei liegend angebracht; das Wasserthermometer beim Ponton der
Dampferbrücke zwischen den Pfählen auf 3!/2 m Wassertiefe bei mittlerem Wasser-
stande an einer Kette versenkt, doch so, dafs jes eben frei vom Grunde blieb;
um etwaige Leitungsübertragung zu verhindern, wurde ein 0,30 m langes Hanftau
zwischen Kette und Thermometer genommen.
Es wurden dann von beiden Instrumenten die niedrigsten Temperaturen
während der Nacht abgelesen und notirt. Die Schwierigkeiten beim Ablesen des
Wasserthermometers bei grofser Kälte wurden dadurch überwunden, dafs das
Instrument beim Herausholen sofort in angewärmtes Wasser gebracht wurde. In
der ersten Zeit wurde dasselbe Morgens abgelesen und Nachmittags eingestellt,
doch fand ich bald, dafs die Wassertemperatur am Tage fast immer stieg, worauf
ich dies Instrument stets um etwa 3'/s Uhr Nachmittags ablas und einstellte
und seit der Zeit auch die Temperatur des Wassers um 3'/2* p. m. notirte. Es
beziehen sich daher im Folgenden die Temperaturen, sowie die anderen Bemer-
kungen allgemein auf die Zeit von 3'/2 Uhr Nachmittags bis 3'a2 Uhr Nach-
mittags, und ist das Datum der Tag des Ablesens.
Der allgemeine Wettercharakter, Bewölkung u. s. w. wurde stets notirt,
um etwaige Schlüsse auf Strahlung des Himmels ziehen zu können.
Datum
1889
Nor. 30 |
Dez. 1
Luft-
temp.
Min.
Dt
— 3,0
— 5,0
LO
— 1,5
Wasser-
temperatur
1/oh
Mia. | 31
P- m.
on SC
—+—0,6
A 0,2
O1
Bemerkungen
Wind Abends still; später SE, steif; Morgens leichter NE.
Veränderliche Bewölkung.
Fast Windstille bei klarem Himmel; Morgens leicht wolkig.
Die Wassergräben waren mit Eis bedeckt, so dafs die
Kinder mit kleinen Schlitten und Schlittschuhen darauf
liefen. In der Elbe zwischen den Buhnen auf flachem
Wasser sehr wenig und ganz dünnes Oberflächeneis.
Leichter westlicher Wind; Himmel leicht bezogen; leicht
nebelig. In der Elbe zwischen den Buhnen auf flachem
Wasser etwas Oberflächeneis.
Westlicher Wind; leichter, sehr weifßs aussehender Nebel.
Am Ufer etwas Oberflächeneis.