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Full text: Annalen der Hydrographie und maritimen Meteorologie, 19 (1891)

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Von Australien nach der Westküste von Nordamerika und zurück. 
westliche und 15,6 Tagen für die östliche Route, und ist deshalb keine Ver- 
anlassung vorhanden, den weiten Umweg nach der Ostseite des Paumotu-Archipels 
zu machen. 
Auf der nördlichen Halbkugel gehen die Veränderungen im System der 
herrscheuden Winde hauptsächlich auf dem östlichen Theile des Stillen Oceans 
vor sich. Die Zone verhältnifsmäfsig niedrigen Luftdrucks, welche das Gebiet 
des Nordost- und des Südostpassats von einander scheidet und den Aequatorial- 
Kalmengürtel bildet, erweitert sich hier nämlich im Sommer des Nordens zu 
einer ausgedehnten Depression, deren Minimum über den mexikanischen Küsten- 
gewässern liegt. Dieser steht ein westlich von der kalifornischen Küste gelegenes 
weit ausgedehntes Gebiet hohen Luftdruckes gegenüber. Infolge dieser Druck- 
vertheilung ist der Nordostpassat im Osten von 120° W-Lg in dieser Jahreszeit 
fast vollständig aufgehoben, und auch weiter westlich herrschen für das Weiter- 
kommen nach Norden ziemlich ungünstige Verhältnisse. Das Gebiet des eigent- 
lichen Südostpassats, d. h. des aus einer Richtung östlich von Süd wehenden 
Windes, erstreckt sich in den Monaten Juni bis Oktober bis nach 6° oder 7° N-Br. 
Hier dreht sich der Wind durch Süd. nach SSW und SW und steht aus letzterem 
Quadranten, in unmittelbarer Fortsetzung des Südostwindes, als ziemlich beständige 
Briese noch ungefähr 4° weiter nach Norden durch. Von SW dreht sich der 
Wind meistens noch weiter durch West nach NW und Nord, aus welchen Rich- 
tungen er dann als leichte, mallende, oft von Windstillen unterbrochene Briese 
den Schiffen noch längeren Aufenthalt bereitet, bevor sie in 13° bis 14° N-Br 
das Nordostpassatgebiet erreichen. 
Der Nordostpassat hat infolge des Vorhandenseins des Luftdruckmaximums 
westlich von der kalifornischen Küste im nördlichen Sommer auf der Ostseite 
des Pacifik eine sehr nördliche Richtung, eine erheblich schralere als auf der 
Mitte des Oceans, so dafs die Schiffe, welche sein Gebiet auf der Ostroute bei 
dem Winde durchsegeln, einen viel westlicheren Kurs einhalten und einen viel 
längeren Weg zurückzulegen haben, als die auf der Westroute. Sie werden von 
10° bis 30° N-Br um durchschnittlich 11,2° nach Westen gedrängt und benöthigen 
für diese Strecke 14,1 Tage, während die Schiffe auf der Westroute den Parallel 
von 30° Nord nur 4° westlicher als den von 10° und nach einer Durchschnitts- 
fahrt von nur 9 Tagen erreichen, 
Sehr langwierig ist die Reise auf der Ostroute im Sommer auf der aller- 
letzten Strecke, von 30° N-Br bis zum Bestimmungsplatze. Die Schiffe befinden 
sich, wenn sie das Passatgebiet in ungefähr 32° N-Br verlassen, meistens an der 
Ostseite des erwähnten Luftdruckmaximums und treffen infolge dessen jenseits 
der Passatgrenze vorwiegend leichte nördliche und nordnordwestliche Winde, 
gegen welche sie bis zur Breite des Bestimmungsortes aufzukreuzen haben. An 
der Küste ist der Wind in dieser Jahreszeit aus derselben Nord- bis Nordwest- 
richtung fast ununterbrochen herrschend, und ist es deshalb bedenklich, sich der 
Küste im Süden des Hafens zu nähern; das Aufkreuzen mufs vielmehr in einem 
beträchtlichen Abstande vom Lande geschehen, was einen ferneren Umweg ver- 
ursacht. Auch die Schiffe auf der Westroute machen im Sommer, obschon sie 
an der Westseite des Maximums aus dem Passat herauskommen und den Wind 
dementsprechend meistens durch Ost südlich holend finden, auf der letzten Strecke 
des Weges nur einen unbefriedigenden Fortgang — 86 Sm im Etimal gegen 78 Sm 
auf der östlichen Route; doch hat dieses hauptsächlich seinen Grund darin, dafs 
sie hier ihre Route nicht nördlich genug nehmen, um an der Nordseite des aus- 
gedehnten Hochdruckgebietes zu bleiben und so die Stillen und Mallungen 
desselben zu vermeiden, was in diesem Falle, da ziemlich viel Ostlänge abzu- 
segeln ist, keinen grofsen Umweg bedingen würde. 
Es ergiebt sich also, daß auch in Anbetracht der in nördlicher Breite 
herrschenden Windverhältnisse für Reisen, welche im Winter des Südens an- 
getreten werden, die im Westen des Paumotu-Archipels durch die Passate nach 
Norden führende Route erheblich mehr Vortheil verspricht als die Route im 
Osten der Inseln. Für die 950 Sm, die auf der letzteren mehr zurückzulegen 
sind, wird keinenfalls in günstigeren Winden eine Entschädigung geboten. 
Anders liegen die Verhältnisse auf nördlicher Breite für die Schiffe, welche 
Australien im südlichen Sommerhalbjahr verlassen, also in den Winter- und 
Frühlingsmonaten des Nordens den Aequator überschreiten. Der meistens sehr
	        
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