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Full text: Annalen der Hydrographie und maritimen Meteorologie, 19 (1891)

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Literarisches. 
jer russischen Ströme, über den Termin der Weinernte und die Häufigkeit kalter 
Winter. Mit Benutzung dieses Materials liefsen sich unsere Klimaschwankungen 
mit einiger Sicherheit bis etwa 1400, an der Hand der Häufigkeit kalter Winter 
sogar bis zum Jahre 1000, zurückverfolgen. Wir zählten seit 1020 25 volle 
Schwankungen und berechneten hieraus die mittlere Länge derselben zu 
34,8 40,7 Jahren. In den letzten beiden Jahrhunderten erscheinen als Centren 
von kalten und feuchten Perioden die Jahre 1700, 1740, 1780, 1815, 1850 und 
1880, als Centren von warmen und trockenen Perioden die Jahre 1720, 1760, 
1795, 1830 und 1860. 
„Ich habe versucht, ein Bild der Klimaschwankungen zu entwerfen, 
welche unser Erdball in den letzten Jahrhunderten erlebte. Wie die Räder 
eines Uhrwerkes greifen die verschiedenen meteorologischen Elemente dabei in 
einander ein. Wir sehen die Räder sich drehen und den Zeiger in bestimmtem 
Rhythmus sich bewegen; allein die treibende Kraft der Feder ist uns verborgen. 
Nur die Wirkung derselben vermögen wir zu erkennen und hieraus auf die 
gewaltige Größe der Kraft zu schliefsen. Sie hebt den Spiegel der Seen, der 
Flüsse, ja selbst der Meere, sie stöfst die Gletscher vor und beschleunigt die 
Reife der Pflanzen. Tief greift sie ein in das menschliche Leben, indem sie 
Verkehr, Landwirthschaft und Gesundheit deutlich beeinflufst und sogar in den 
Theorien und wissenschaftlichen Anschauungen sich wiederspiegelt.’) Allein 
sie selbst, die Ursache der Klimaschwankungen, kennen wir nicht.“ 
„Nicht besser steht es um die Theorie der weit gewaltigeren und über 
viele Jahrtausende sich erstreckenden Klimaschwankungen, welche uns die 
Geologie in der Diluvialzeit kennen gelehrt hat. Sie sind ihrem Wesen nach 
durchaus den Klimaschwankungen von heute ähnlich; wir haben versucht, auf 
Grund dieser Aehnlichkeit den Schleier, der über den klimatischen Verhältnissen 
ler Kiszeiten und der Interglacialzeit liegt, etwas zu lüften. Allein auch hier 
sehen wir nur die Wirkung, während die Ursache uns verborgen ist. Das 
Gleiche gilt von den in mehreren Jahrhunderten sich vollziehenden Klima- 
schwankungen mittlerer Dauer, die wir oben sowohl in der Diluvialzeit als auch 
in der historischen Zeit mehr ahnen als kennen lernten.“ 
Im Vorstehenden konnten nur einige Hauptzüge aus dem umfangreichen 
Werke angeführt werden, welche genügen mögen, die Wichtigkeit des Gegen- 
standes und dessen interessante Behandlung erkennen zu lassen. Für eingehendere 
Darlegungen und namentlich numerische Resultate aus dem höchst umfangreichen 
Beobachtungsmaterial, das der Verfasser verwendet hat, muß auf das Werk 
selbst verwiesen werden. Mit demselben hat das schöne Unternehmen des Herrn 
Prof. Penck, welches bereits in einem früheren Bande eine grofse Untersuchung 
desselben Verfassers über den Salzachgletscher der Eiszeit brachte, der Kette 
von wichtigen Monographien, aus der die „Geographischen Abhandlungen“ 
bestehen, ein neues werthvolles Glied beigefügt, 
W. Köppen. 
Ergebnisse der Internationalen Marine-Konferenz zu Washington 
and ihre Bedeutung für Deutschlands Seewesen, Eine kritische Studie 
von Georg Wislicenus, Kapitänlieutenant a. D. Mit 3 Abbildungen. Leipzig, 
F. A. Brockhaus, 1891. Die unter dem vorstehenden Titel erschienene 
Broschüre beschäftigt sich nach einer kurzen Einleitung über Veranlassung, 
Zusammensetzung und Aufgaben der im vorigen Winter zu Washington abge- 
haltenen Marine-Konferenz in erster Reihe und fast ausschliefslich mit dem 
Hauptgegenstand der Konferenzverhandlungen, den Regeln zur Verhütung eines 
Zusammenstofses von Schiffen auf See. Die in der Konferenz zum Beschlufs 
arhobenen Vorschläge werden den jetzt bestehenden Verordnungen gegenüber- 
yestellt; es schliefst sich daran an der Hand der Verhandlungen und auf Grund 
Jer Protokolle eine kurze Besprechung der einzelnen Artikel unter Hervorhebung 
der neuen, von den bisherigen abweichenden Bestimmungen, der Gründe, welche 
1) Der Verfasser spielt hier auf den von ihm auf S. 289 geführten Nachweis an, dafs die 
Behauptungen, der Regenfall nehme infolge der Entwaldung ab, grofsentheils in die 'Frocken- 
aerioden und die Jahre darauf fallen, in und nach den nassen Perioden aber die entgegengesetzte 
Ansicht überwiegend vertreten wurde oder den lokalen Wiederbewaldungen die Zunahme der Nieder- 
schläge zugeschrieben wurde.
	        
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