Vierteljahrs-Wetter-Rundschau der Deutschen Seewarte, Herbst 1886. 129
Auf der linken Hälfte der Karte wird unser Interesse von einem be-
deutenden, rein nordwärts wandernden Wirbel über der amerikanischen Ostküste
und dessen Randbildung über dem Ocean in Anspruch genommen, von letzterer
wesentlich wegen des raschen Umspringens des Windes, von dem ihre Fort-
pflanzung begleitet war und welches aus den folgenden Noten aus Schiffsjournalen
hervortritt: ;
Am 7. November. D. 31. Bis Ga heftiges Gewitter undSorkanartige Böen, — D. 69.
Nachts war das St. Elmsfeuer sichtbar. — D. 42 (42,1° N, 63,6° W). Um 4p schofs der Wind
während einer heftigen Regenböe aus von SSE 7 nach NW 8. Niedrigster Luftdr. == 749,2 mm. —
S, 104 (34° N, 38° W). Um 8p war während eines Gewitters das St. Elmsfeuer sichtbar. —
S. 50 (39° N, 63° W). Wind um 4p SSE 10, um 8p W9 und um 12p NW9. Um 8 p niedrigster
Luftdr. = 753,1 mm. — 8. 99 (32° N, 17° W). Um 1!/2a lief der Wind um von W6 nach N6.
Um 4a Luftdr, == 759,5 mm.
Am 8..November. S. 40. Um Ola, m. Wind SSE 11, um 21/2 plötzlich für etwa 20 Mi-
nuten gänzliche Windstille, darauf Wind W 6, der sich allmählich nach NE veränderte. ‘ Um 4a
Luftdr, = 753,5 mm. — D, 33. Um 8 p Luftdr. = 742,5 mm und Wind NW 9. — S. 50 (39° N,
61° W). Wind um 4a NW 8, um 10a NE3, um 12a W5, um 12p W6.
Am 9. November. S. 40. Um 2'/@za schofs der Wind aus von SE 5 nach NNW 10. Es
wehte für kurze Zeit orkanartig. — S. 38, Um 2a Wind SSW 2, um 4a WNW 3. Starker Regen.
S.50 (39° N, 58° W). Wind um 2a W 8 und um 4a N10. Luftdr. zur letzteren Zeit = 754,3 mm,
: Am 10. November. SS. 35 (45° N, 50° W)., Um 4p nahezu Windstille, um 6p Wind
NW 7, starker Regen,
Vom 13. an finden wir insofern normalere Verhältnisse, als das Druck-
maximum auf dem Ocean sich nach etwa 33° N. verschoben und eine von West
nach Ost gestreckte Form angenommen hat. Immerhin liegt noch Westeuropa
und nunmehr auch Osteuropa fast ganz im Gebiete niedrigen Luftdruckes, erst
zum Schluß des Zeitabschnittes vom 13. bis 19. November wird Spanien
von hohem Luftdruck eingenommen. Auf der amerikanischen Seite sehen wir
einige lange Cyklonenbahnen nordostwärts sich erstrecken, noch ausgebildeter ist
dieses aber der Fall in dem, mehr Bemerkenswerthes darbietenden, letzten
Zeitabschnitt des Vierteljahrs, den wir vom 20, bis 30. rechnen müssen,
wenn auch die beiden letzten Tage bereits einen abweichenden Charakter
tragen. Namentlich ist unter diesen Bahnen eine von Texas bis Nowaja Semlja
reichende bemerkenswerth. Dieser lange. Weg wurde von dem Wirbelcentrum
in 8 Tagen mit der ziemlich gleichförmigen grofsen Geschwindigkeit von 1000
bis 1900 Kilometern per Tag zurückgelegt.
Das Hochdruckgebiet, welches sich am Schluls des vorigen Zeitabschnittes
über Spanien eingestellt hatte, entwickelte sich und verschob sich nun nach
Nordfrankreich und England. Nach Westen hin führte von diesem Maximum
meistens nur eine schmale Brücke hohen .Druckes über den Ocean. Die
Temperatur war indessen dabei nur in Südeuropa unter dem Normalwerth, in
Deutschland lag sie bis zu 7° darüber und in Haparanda stieg sie sogar, beim
Vorübergange von Wirbelcentren am 22. und 24. November, auf 10 bis 12°
über normal.
In diesem Zeitabschnitt stellte sich auch die für’ den November. so
charakteristische Erscheinung der Depressionen bei Madeira zweimal ein. Die
erste kam, wie so oft, von NNW und wurde fast stationär, war jedoch nur
schwach. Die zweite, stärkere,. scheint rasch vom Mittelmeere, also aus ENE,
herangezogen zu sein, doch reichen die Beobachtungen der sicheren Feststellung
dieses Punktes nicht aus. Wie es bei diesen Depressionen oft der Fall zu sein
scheint, wurden auch wasserhosenartige Erscheinungen beobachtet. So berichtet
Segelschiff 140 vom 28. aus 32° N und 19° W: Um 4p ging ein heftiger
Wirbelwind über das Schiff hin; das Wasser war dabei weils von Gischt und
Schaum; Blitzen, Wind ESE9, Barometer 748,0.
Werfen wir zum Schluß .einen Rückblick auf das Vierteljahr, indem
wir namentlich die Karten der mittleren Monatsisobaren ins Auge fassen, welche
den synoptischen Karten. für den Nordatlantischen Ocean etc. beigegeben sind.
Im September war die mittlere Druckvertheilung eine ziemlich normale,
nur war das Monatsmittel des Druckes an der Nordostgrenze von Europa —
auf dem: russischen Eismeere und am Ural — erheblich (2 bis 7 mm) unter dem
vieljährigen Durchschnitt. Das Monatsmittel der Temperatur war in Nord-
amerika meist über dem Normalwerth, in Europa ziemlich normal, weil die