accessibility__skip_menu__jump_to_main

Full text: Annalen der Hydrographie und maritimen Meteorologie, 19 (1891)

126 
Vierteljahrs-Wetter-Rundschau der Deutschen Seewarte, Herbst 1886. 
europa lag, war dasselbe, welches bis zum 14. noch auf dem Ocean gelegen 
hatte, während das früher über Deutschland gelegene nun nach dem Kaspischen 
Meere fortgezogen war. Das Maximum auf dem Ocean war nach dem 16. dem- 
entsprechend auch ein neues, von Amerika gekommenes. Die Depressionen 
dazwischen waren für die Jahreszeit und den Ört ungewöhnlich entwickelt. So 
berichtet das Schiff 85 aus 40° N und 17° W vom 15. September: Wind um 
Mitternacht ESE 3, um 6a NNW3, um 10a SSW 10, um 4p S11, und um 
12 p S9; um 4a niedrigster Luftdruck, 749,6 mm. Es lielsen sich viele Land- 
vögel auf dem Schiffe nieder. 
Im Zeitabschnitt vom 20. bis 24. September sehen wir einen 
mächtigen cyklonalen Wirbel in der Gegend von Labrador, an seiner Südostseite 
eine Anticyklone (Hochdruckgebiet) bei den Azoren und an seiner Südwestseite 
eine zweite über den atlantischen Staaten der Union. Alle drei verschieben sich 
zum folgenden Zeitabschnitt vom 25. bis 29. September nach Ost und 
Nordost, allein diese Verschiebung geht stofsweise und unter beträchtlichen 
Aenderungen der Energie vor sich. Kin deutlicher Absatz in dieser Umwandlung 
ist am 24.—25, gegeben einerseits in der bedeutenden zeitweisen Abschwächung 
der Depression bei ihrem Uebergange über Südgrönland und den Kisstrom, 
andererseits in der Durchbrechung der Region hohen Luftdrucks durch ein 
tropisches Wirbelcentrum und die darauf folgende Verpflanzung der Osthälfte der 
ersteren nach SW-Europa. Jene tropische Cyklone war zwar nur unbedeutend, 
allein sie verursachte doch schon am Nachmittag des 21. auf D. 62 in 23° N, 
53° W orkanartige Regenböen aus SE mit Blitz und Donner und im Laufe des 
25. September auf vielen Schiffen schlechtes Wetter, wie folgende Auszüge zeigen: 
25, Sept. S. 20 (38° N, 58° W) um 8p Wind NW 11. — S. 17 (40° N, 54° W) harte 
Regenböen, sahen zwei Wasserhosen; von 12 a bis 8 p Stärke 10, Richtung NE—SE -ENE—N—WzS. 
— D.44 (46° N, 44° W) um 81/2 p niedrigster Luftdr., 749,0, später drehte der stürmische Wind von 
NE nach N, heftige Regenböen, — S. 37 (44° N, 39° W) um 2a 856, um 4a WSW 7, um 12 a SSW 9, 
ım 10p SSW11 und um 12p WNW 3; um 10p niedrigster Luftdr., 741,0. — S, 52 (43° N. 
379 W) um 8 S8, Bar. 749,0: um 10p SSW 10. 
Am 28, scheint sie in einem vom St. Lorenz - Golf kommenden Wirbel 
aufgegangen zu sein, der sich am Rande der grofsen nördlichen Depression rasch 
fortpflanzte. Die letztere selbst entwickelte sich am 27. und 28., als ihr Centrum 
zwischen Island und den Faröern passirte, zu einem mächtigen Phänomen, das 
auch an der deutschen Küste, besonders durch die Ausbildung eines Theil- 
minimums in Schweden, stürmische Winde veranlafste. 
Gleichzeitig entwickelte jedoch die grofse Depression auch an ihrem SW- 
Rande im Laufe des 28. und 29. ein Theilminimum auf dem Meere südlich von 
Island, auf dem Raume zwischen dem Hauptminimum und dem vom St. Lorenz- 
Golf gekommenen. Am Morgen des 30. liegt an dieser Stelle ein tiefes Minimum, 
während das bisherige Hauptminimum in Ausfüllung begriffen ist. Auf der Karte 
haben wir die Anschauung zum Ausdruck gebracht, dafs jener intensive Wirbel 
sich aus schwachen Anfängen nördlich von 55° N ausgebildet hat. Die vor- 
liegenden Schiffsbeobachtungen lassen sich indessen auch mit der Auffassung ver- 
ainigen, daß er aus dem vom St. Lorenz-Golf kommenden sich entwickelt habe, 
welcher sich dann im Laufe des 29. bereits nach NEzN bewegt haben müfste 
und diese Richtung bis zum 1. Oktober eingehalten hätte. 
S. 18 (44° N, 30° W)., Um 0a SW 6, um 4a SW 9; um 8a läuft der Wind um von SW 
nach NNW, von 9a bis 12a wehte es orkanartig: um 6p N10, um 12p N8. — 8. 10 (44° N, 
27° W). Um 0a W5, um 4a SW8, um 12a W 9, um 4p WNW 10, um Sp WNW 8, um 12 p 
NNW 8; niedrigster Luftdr. um 8 a, 753,4. — S. 53 (46° N, 25° W). Um 3p niedrigster Luftdr., 
740,8, Wind SW 12, für ca 1/2 Stunde voller Orkan; um 12p W8. — S, 51 (49° N, 26° W). Un 
\0a ENEB8, um 12a S8, um 2pN9, um 8p N10, um 12p NW 11; um 21/2 p niedrigster Luft- 
iruck, 739,3. — S. 43 (50° N, 24° W). Um 4p S7, um 6p ENE2, um 8 p NNEN11, um 12 p 
N 12; um 6 p niedrigster Luftdr., 737,3. 
Es vollzog sich also der Eintritt orkanartigen nördlichen Windes in 44° N, 
30° W schon am Morgen, in 50° N, 24° W erst am Abend, 
Das rasche Verschwinden des alten Hauptminimums und die gleich darauf 
folgende Entwickelung eines neuen, noch weiter nach SW gelegenen Theil- 
minimums waren wohl die Ursachen dafür, dafs die am 30. mächtig entwickelte
	        
Waiting...

Note to user

Dear user,

In response to current developments in the web technology used by the Goobi viewer, the software no longer supports your browser.

Please use one of the following browsers to display this page correctly.

Thank you.