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Full text: Annalen der Hydrographie und maritimen Meteorologie, 19 (1891)

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Veber Häfen und Fahrien an der Küste Brasiliens, 
solche gesetzlich festgestellt ist, habe ich nicht in Erfahrung bringen können, 
Ueberall wurde mir auf meine Beschwerde die Antwort: „Kapitän, es läfst sich 
nichts dagegen machen.‘ 
Auf einen Umstand, der eine grofse Sorglosigkeit seitens der Kaufmann- 
schaft darlegt, möchte ich noch aufmerksam machen. Es versendet beispielsweise 
ein Haus in Norwegen irgend eine Waare via Hamburg an eine Firma in einer 
Stadt im Innern Brasiliens auf Durchkonnossement bis Santos. Das von dem 
norwegischen Dampfer ausgestellte Konnossement kommt zwar vor der Waare und 
dasjenige des Hamburger Dampfers gleichzeitig mit derselben in Santos an. Bevor 
aber letzteres in die Hände des im Inlande wohnenden Empfängers der Waaren 
und von diesem zurück in den Besitz seines Agenten in Santos gelangt, hat der 
Dampfer schon längst diesen Platz wieder verlassen, und die Sachen liegen in 
einem Hulk, aus dem sie erst nach geraumer Zeit zur Entlöschung gelangen 
können, weil nichtdispachirte Waaren vom Dampfer nicht gelandet werden dürfen. 
Der Empfänger im Inlande hat somit unnützer Weise lange zu warten, bevor er 
in den Besitz des Seinigen kommt. 
Nun habe ich noch Einiges über die Ablieferungen von Salzladungen in 
Santos zu berichten, und da ich selber zwei solche Ladungen hierher gebracht 
habe, weifßs ich genau, wie es dabei zugeht. Das Salz wird in Zwanzigliterkasten 
an Deck des Schiffes von Leuten des Stauers, der ein Angestellter des Em- 
pfängers ist, gemessen. Nach Usance soll die erste Schaufel Salz voll und 
wuchtig in das Malsgefäfs hineingeworfen und dann dasselbe langsam aufgefüllt 
werden. Allein die Leute stofsen beim Auffüllen beständig an dasselbe, wodurch 
dieses in eine schüttelnde Bewegung versetzt und das Salz fest zusammen- 
gerüttelt wird. Dagegen läßt sich weder mit bösen noch guten Worten, weder 
mit Spenden von Getränken noch Gratifikationen etwas anfangen, und ich bin zu 
der Einsicht gekommen, die Leute ruhig gewähren zu lassen und mein gutes Geld 
nicht an sie wegzuwerfen. Ein anderer Uebelstand ist folgender: Die Kaufleute 
entlehnen. die Melskasten gegen eine Gebühr von 10 Milreis per Stück und Schiff 
vom Stadthause, woselbst sie geaicht werden und zu vermiethen sind, Die 
Aichung ist jedoch vorgenommen, als die Kasten neu waren. Durch den fort- 
währenden Gebrauch wird die innere Wand der Kasten aber immer dünner, 
indem das scharfe Salz das Holz angreift und die Messer den Bodensatz häufig 
mit ihren Schaufeln abkratzen, während die mit Kupfer beschlagene obere Kante 
nicht abnutzt und der Inhalt der Kasten demzufolge stets ein gröfserer wird, 
so dafs derselbe bei einigen, die ich gemessen, anstatt 20, 21'/2 Liter betrug. 
Dieses bedeutet einen Verlust von 7'/2°% auf die Ladung Salz. Ich Kefs mir 
daher auch sofort neue Mefskasten aus hartem Holz für Rechnung des Schiffes 
anfertigen, dieselben auf dem Stadthause aichen und habe mit denselben meine 
Ladung abgeliefert, was auch durchaus nicht von dem Empfänger beanstandet wurde, 
Das von Europa nach Santos verschiffte Salz kommt meistens aus dem 
Mittelmeere, besonders von Cagliari und Torrevieja, Es ist sehr schwer und 
wiegt bis zu 46 kg per Alqueira von 40 Litern Inhalt. Die Frachtsätze 
sind gewöhnlich für die Tonne von 1100 Litern festgesetzt, wobei mancher 
Kapitän eine grofse Enttäuschung erfährt, indem er der Meinung ist, dafs 1100 
Liter von diesem Salz eine Tonne wiegen, während sie nach Obigem ein Gewicht 
von 1265 kg haben, also in runder Zahl 1'/4 Tonnen betragen. Hiermit 
dürfte indefs die Grenze einer ungünstigen Ablieferung erreicht sein, denn es 
kommt auch vielfach vor, dafs Schiffe mit 1'/s Tonne per 1100 Liter ein- 
genommenen Salzes ausgelöscht sind. Dagegen ist das Cadix-Salz viel feiner 
und leichter, so dafs es in Rio de Janeiro, nach den dortigen Usancen gemessen, 
oft nur 99 kg per 100 Liter wiegt und 1100 Liter manchmal sogar kann eine 
volle Tonne an Gewicht halten.
	        
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