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Veber Häfen und Fahrien an der Küste Brasiliens,
solche gesetzlich festgestellt ist, habe ich nicht in Erfahrung bringen können,
Ueberall wurde mir auf meine Beschwerde die Antwort: „Kapitän, es läfst sich
nichts dagegen machen.‘
Auf einen Umstand, der eine grofse Sorglosigkeit seitens der Kaufmann-
schaft darlegt, möchte ich noch aufmerksam machen. Es versendet beispielsweise
ein Haus in Norwegen irgend eine Waare via Hamburg an eine Firma in einer
Stadt im Innern Brasiliens auf Durchkonnossement bis Santos. Das von dem
norwegischen Dampfer ausgestellte Konnossement kommt zwar vor der Waare und
dasjenige des Hamburger Dampfers gleichzeitig mit derselben in Santos an. Bevor
aber letzteres in die Hände des im Inlande wohnenden Empfängers der Waaren
und von diesem zurück in den Besitz seines Agenten in Santos gelangt, hat der
Dampfer schon längst diesen Platz wieder verlassen, und die Sachen liegen in
einem Hulk, aus dem sie erst nach geraumer Zeit zur Entlöschung gelangen
können, weil nichtdispachirte Waaren vom Dampfer nicht gelandet werden dürfen.
Der Empfänger im Inlande hat somit unnützer Weise lange zu warten, bevor er
in den Besitz des Seinigen kommt.
Nun habe ich noch Einiges über die Ablieferungen von Salzladungen in
Santos zu berichten, und da ich selber zwei solche Ladungen hierher gebracht
habe, weifßs ich genau, wie es dabei zugeht. Das Salz wird in Zwanzigliterkasten
an Deck des Schiffes von Leuten des Stauers, der ein Angestellter des Em-
pfängers ist, gemessen. Nach Usance soll die erste Schaufel Salz voll und
wuchtig in das Malsgefäfs hineingeworfen und dann dasselbe langsam aufgefüllt
werden. Allein die Leute stofsen beim Auffüllen beständig an dasselbe, wodurch
dieses in eine schüttelnde Bewegung versetzt und das Salz fest zusammen-
gerüttelt wird. Dagegen läßt sich weder mit bösen noch guten Worten, weder
mit Spenden von Getränken noch Gratifikationen etwas anfangen, und ich bin zu
der Einsicht gekommen, die Leute ruhig gewähren zu lassen und mein gutes Geld
nicht an sie wegzuwerfen. Ein anderer Uebelstand ist folgender: Die Kaufleute
entlehnen. die Melskasten gegen eine Gebühr von 10 Milreis per Stück und Schiff
vom Stadthause, woselbst sie geaicht werden und zu vermiethen sind, Die
Aichung ist jedoch vorgenommen, als die Kasten neu waren. Durch den fort-
währenden Gebrauch wird die innere Wand der Kasten aber immer dünner,
indem das scharfe Salz das Holz angreift und die Messer den Bodensatz häufig
mit ihren Schaufeln abkratzen, während die mit Kupfer beschlagene obere Kante
nicht abnutzt und der Inhalt der Kasten demzufolge stets ein gröfserer wird,
so dafs derselbe bei einigen, die ich gemessen, anstatt 20, 21'/2 Liter betrug.
Dieses bedeutet einen Verlust von 7'/2°% auf die Ladung Salz. Ich Kefs mir
daher auch sofort neue Mefskasten aus hartem Holz für Rechnung des Schiffes
anfertigen, dieselben auf dem Stadthause aichen und habe mit denselben meine
Ladung abgeliefert, was auch durchaus nicht von dem Empfänger beanstandet wurde,
Das von Europa nach Santos verschiffte Salz kommt meistens aus dem
Mittelmeere, besonders von Cagliari und Torrevieja, Es ist sehr schwer und
wiegt bis zu 46 kg per Alqueira von 40 Litern Inhalt. Die Frachtsätze
sind gewöhnlich für die Tonne von 1100 Litern festgesetzt, wobei mancher
Kapitän eine grofse Enttäuschung erfährt, indem er der Meinung ist, dafs 1100
Liter von diesem Salz eine Tonne wiegen, während sie nach Obigem ein Gewicht
von 1265 kg haben, also in runder Zahl 1'/4 Tonnen betragen. Hiermit
dürfte indefs die Grenze einer ungünstigen Ablieferung erreicht sein, denn es
kommt auch vielfach vor, dafs Schiffe mit 1'/s Tonne per 1100 Liter ein-
genommenen Salzes ausgelöscht sind. Dagegen ist das Cadix-Salz viel feiner
und leichter, so dafs es in Rio de Janeiro, nach den dortigen Usancen gemessen,
oft nur 99 kg per 100 Liter wiegt und 1100 Liter manchmal sogar kann eine
volle Tonne an Gewicht halten.