Ueber Häfen und Fahrten an der Küste Brasiliens.
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jetzten Tagen einen bedeutenden Strom nach NW und NNW zu verzeichnen
hatten. Letzteres war wohl eine Folge des Ueberganges des Küstenwindes von
der Nord- zur Südrichtung. Südlich vom Kap Augustin bis Maceio trafen wir
den Wind so südlich, dafs wir kaum von der hier westlich biegenden Küste frei
segeln konnten, was doch sonst nur höchst selten vorkommt.
Ich lasse nun die von uns auf den Reisen zwischen Macdu und Pernambuco
beobachteten Meeresströmungen folgen: ;
1889 August 26., in 3° 27' S-Br und 35° 38‘ W-Le
27., „ 1° 40 34° 23°
28., „ 0° 40' 38° 25
29., „ 1° 47 33° 22
30., „ 1° 55 32° 832
31, „ 4° Y 32° 41°
1., „ 6° 29 32° 28
2. „ 8° 39 32° 39
N65° W 12
N36° W 14
725°0 12
NI1I6°O 7
W27°W 4
‚34° W 14
3 11° W 10
Ss 12
Sm
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PA
1889 Dezbr.
a3
19., in 3° 46
20., „ 2° 20
21., „1° 32
22, „ 3° 1
23, „ 3° 41
MM, 4° 27
25, „ 4° 29
26,, „ 5° 19
27., „ 6° 28
38. } 7° 36'
Q.Br und
35° 834' W-Lg
34° 839
33° 44
34° 32
34° 41
34° 38
34° 12
34° 19
24° 15
34° 301
N 72° W
N85°W .
N68° W 16
W 1“
N73°W 1
NS81°W 1
N57°W 1
W
N45°W
S 72° W
in
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Sm
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97
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Stunden.
1890 März 10., in 4° 37 S-Br und 35° 33'
„. S50° W 24
in 2 Tagen und 4
30° 23 W-Lg S 80° W 13
35° 19% , S84°W 9 ,
34° 56° „ NI16°W *
34° 48 „, WW * m
M4° 33 „ N1M4°W ' ,
54° 41 „ N47°W »
in 48 Stunden.
18, „ 7°54 „24 34°46 „ N20°W- 15 Sm.
Sm
Stunden.
Sm
_
Wie man sieht, sind die angeführten Strömungen nur sehr mäfsiger Stärke,
entsprechend dem flauen Südostpassat.
Sollte ich vielleicht später diese Reisen wieder machen müssen, so werde ich
stets zuerst versuchen, Lavandeira-Riff zu umkreuzen und dann, auf der Küstenbank
mich haltend, beim Kap St. Roque vorbeizukommen bestrebt sein. Von hier an
hat man nicht mehr ganz so gerade gegen den Wind zu arbeiten und trifft auch
nicht mehr so grofßsen Gegenstrom, als zwischen Lavandeira und den Roccas
and kommt infolgedessen rascher vorwärts als nördlich vom Kap St. Rogue,
Träfe ich jedoch in der ersten Zeit ausgiebigen Landwind oder südliche Passat-
richtung, so würde ich solche Gelegenheiten ausnutzen, um nach Norden zu
gelangen und dort aufzukreuzen, wo man einen günstigen oder minder ungünstigen
Strom antrifft, wie wir es vom 27. bis 30. August auf unserer ersten Reise
machten. Immerhin wird man noch südlich vom Aequatorialstrom ein Gebiet
finden, wo der Südostpassat südlich holt und zum Südwestmonsum umbiegt; es
zei denn, dafs man schon so weit westlich versetzt ist, dals man keinen SW-
Monsun vorfindet, vielmehr durch die Aequatorialstillen direkt in den Nordostpassat
gelangt, in welchem Falle die Weiterreise auf der Route der von Europa oder
Nordamerika kommenden Schiffe gemacht werden muß. Es sind schon Reisen
von Macdu nach Rio de Janeiro von 100 Tagen Dauer vorgekommen, viel
häufiger noch Schiffe nach einer ein- bis zweimonatlichen Abwesenheit unverrichteter