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Ueber Häfen und Fahrten an der Küste Brasiliens,
sie den Kanal zwischen der Untiefe Lavandeira und der Küste und fahren auch
beim Kap St. Roque durch die Passage zwischen den Bänken und dem Lande.
Weiter südwärts halten sie sich ganz nahe am Lande und benutzen die See- und
Landbriese. Dabei wird gewendet, wenn vom Lande absegelnd die 15 m-(8 Faden-)
Linie erreicht ist, welche Grenze von einem Seeschiffe, das dem Lande zuliegt,
nicht überschritten wird.
Ich traf in Maciw zwei englische Schoner, welche beide in Ballast von
Ceard hierher gekommen waren. Nachdem sie zuerst zwei Etmale ununterbrochen
gekreuzt hatten, fanden sie sich noch immer in Sicht ihres Abgangsplatzes. Sie
hatten dabei am Abend unter der Küste gewendet und während der Nacht von
derselben abgesegelt und am folgenden Vormittage gewendet, um am Abend
wieder zur Küste zurück zu sein. Der landabwärts angetroffene Weststrom hatte
den Gewinn des Kreuzens aber wieder völlig aufgehoben. Das eine dieser beiden
Schiffe fand sich sogar am zweiten Abend 17 Sm westlich von Ceard, Hierauf
faßte der Kapitän den Entschlufßs, weiter seewärts und nördlich der Linie zu
gehen, wo man — im Monat August — südlichen Wind vorfand, mit dem ein
guter Fortschritt nach Osten erzielt wurde. Nach Verlauf von 14 Tagen, inner-
halb welcher man ostwärts bis zu der Roccas gesegelt war, wurde die Rhede
von Macdu erreicht.
Das andere Schiff änderte die Art des Kreuzens insofern, als es sich
während der Nacht unter kurzen Schlägen auf der Küstenbank hielt, dahin
trachtend, dafs es gegen 4 Uhr Morgens wieder unter dem Lande stand, Während
der Nacht wurde freilich wenig gewonnen, aber am Morgen konnte einige Stunden
mit der Landbriese ostwärts längs der Küste gesegelt werden, worauf dann um
Mittag gewendet und mit der Seebriese dem Lande zugestenert wurde, Dieses
Schiff erreichte Macdu in 6 Tagen, also mit 8 Tagen Zeitgewinn gegen seinen
Mitsegler. Die Entfernung von Ceard bis Macdu beträgt in runder Zahl 40 Sm.
Wir sind auf unseren drei Reisen immer früh am Morgen von der Rhede
von Macdwu abgesegelt und liefsen bis Mittag, auch wohl bis 2 Uhr Nachmittags
über denselben Bug (Steuerbordhalsen) weg liegen. Jetzt wurde gewendet und
gegen Abend die Küstenbank wieder erreicht an einer Stelle, von der aus Mangua
Secco etwa SSW peilte, was für den Tag einen Fortschritt von reichlich 20 Sm
ausmachte. Auf der ersten Reise segelten wir bei ziemlich südlichem Passat
einige Tage ununterbrochen nach Nordost und begannen dann erst zu kreuzen.
Die Strömung wurde Ende August zwischen 2° und 1° S-Br etwas nordöstlich
setzend gefunden, und da bald darauf der Passat östlich holte, so konnten wir,
südwärts steuernd, Fernando Noronha sichten und darauf raum weg so weit frei
von Pernambuco segeln, als wir wünschten. Letzterer Platz wurde am achten
Tage nach dem Abgange von Macdw passirt. Auf der zweiten Reise, gegen
Ende Dezember, kreuzten wir zwischen Lavandeira und Kap St. Roque und den
Roccas auf. Obwohl die Strömung beständig nach westnordwestlicher Richtung
setzte, konnten wir doch immer etwas gewinnen, besonders seitdem wir es so
einrichteten, dafs wir gegen Abend nach dem Lande wendeten und mit auf-
frischender, östlich holender Briese südlich steuerten, während wir über Tages
landabwärts standen. Bedeutend war die Aenderung der Windrichtung zwar
nicht, aber ein Schlagbug von 1 bis 2 Strich ist immerhin ein Vortheil beim
Kreuzen, Dieses Mal passirten wir Pernambuco am zehnten Tage unserer Reise.
Auf unserer letzten Reise — im Monat März 1890 — ankerten wir am
ersten Abend (den 7. d. M.) noch wieder auf der Küstenbank und kreuzten dann
mit kurzen Schlägen, die Bank nur unweit der Untiefe Lavandeira und während
der Nacht verlassend. Der Wind war immer recht E, so dafs wir auf Steuer-
bordhalsen, die Strömung in Rechnung gezogen, kaum einen Nordkurs gut machen
konnten. Somit hatten wir trotz der schweren Arbeit beim Kreuzen auf der
Küstenbank nur einen geringen Fortschritt zu verzeichnen. Am 8. März wurde
um 8 Uhr Morgens die Untiefe Urea Minoto passirt. Als die Untiefe Lavandeira
erst umsegelt war, konnten wir uns länger auf der Bank halten und leichter
durch das Loth orientiren. Leider aber holte der bis dahin östliche Wind immer
südlicher, was zur Folge hatte, dafs wir jetzt noch langsamer vorwärts kamen.
Soviel als möglich richteten wir es auch ferner danach ein, am Tage seewärts
and in der Nacht landwärts zu liegen. Auf diese Weise erreichten wir am
glften Tage der Reise ab Macdu-Rhede Pernambuco, wobei wir noch an den drei