Ueber Häfen und Fahrten an der Küste Brasiliens.
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Während unserer dreimaligen Anwesenheit auf der Rhede von Macdu, in
einer Zeit zwischen den Monaten August und März, hat das Schiff fast nie anders
als mit dem Kopf nach ONO bis SSO vor Anker gelegen: Der Seegang wurde
des Nachmittags, besonders zur Springzeit, manchmal ‚sehr unangenehm, : weil um
diese Zeit das Hochwasser zwischen 4 und 6 Uhr- auftritt, wodurch die Bänke
unweit der Spitze Tubarao überfluthet werden und höhere Wellen über. sich hin-
weg nach dem Ankerplatz rollen lassen. ;
Hierdurch wird häufig ein Brechen der Ankerkeiten veranlafst, welches
aber hauptsächlich, abgesehen von fehlerhaften Ketten, seine‘ Ursache darin hat;
dafs nicht genügend Kette ausgesteckt oder der zweite Anker nicht rechtzeitig
fallen gelassen worden war. . Während unserer ersten Anwesenheit hier im August
trat die Seebriese nur ziemlich mäfsig auf, aber mit 82m (45 Faden) Kette auf
einem Anker aus ruckte es manchmal ziemlich stark am Spill, was bei‘ einer
Kettenlänge von 110 m (60 Faden) nicht mehr geschah, Auf der zweiten Reise;
im November und Dezember, lagen wir zuerst hinter einem Anker mit 137m
(75 Faden), und nachdem wir unsern Ballast gelöscht hatten, hinter zwei Ankern
und je 137 bezw. 110m (75 und 60 Faden) Kette. Dabei hatten weder das
Spill noch das-Ankergeschirr irgend welche Anstrengungen Zu erleiden; obgleich
es zuweilen stark wehte und eine kurze kabbelige See aufkam. ;
Der Grund hält hier sehr gut; man mufs daher beim‘ Ankerhieven vor-
sichtig sein und sollte dieses nur am Morgen, wenn die Briese am flauesten und
der Seegang am geringsten‘ ist, vornehmen. Dann hat man. Gelegenheit, die
Kette recht schnell auf und nieder zu bekommen und den Anker aus dem Grunde
zu brechen, ohne Spill und Kette zu sehr zu belasten. ;
. Im: März und April sollen häufig Regenböen auftreten. Während der
letzten beiden Jahre herrschte jedoch in Nordbrasilien grofse Dürre, und auch
wir haben Anfang März keinen Regen gehabt, sondern nur unbedeutende Gewitter-
wolken in weiter Ferne‘ über ;das Land hinwegziehen sehen und zuweilen am
Abend im Süden und Südwesten Wetterleuchten beobächtet. :.;
Oestlich ‚von der Landspitze Tubarao, woselbst wir wegen des Löschens
des Ballastes mehrere Tage’ vor Anker lagen, ist die Aenderung der Windrichtung
während eines Etmals nicht so: bedeutend wie auf der Rhede von Macdu, indem
sie sich- nur zwischen den Kompafsstrichen EzN und SEzS bewegt. Im Osten
des Riffs Lavandeira über Kap St. Rogue hinaus und bis zu den Roccas haben
wir beim Kreuzen die Windverhältnisse derart getroffen, daß am Tage abflauender;
südlich 'holender und gegen Abend auffrischender östlich holender Wind wehte.
Allgemein. war der SE-Passat im letzten Jahre (1889/90) flau, und im ganzen
Gebiet desselben bis zu den Abrolhos beobachteten wir häufig ein nachmittägliches
Abflauen und eine abendliche Stärkezunahme, begleitet von einem Oestlicherholen
des Windes, sowohl von NE als auch von SE bis nach E, Man kann diesen Vor-
gang als einen Solarwind auffassen, dadurch hervorgerufen, dafs am Nachmittage
und gegen Abend die Westseite, hier die Küste von Brasilien, mehr erwärmt ist, als
der Öcean im Osten. Ueber Brasilien findet dann eine Auflockerung und infolge
dessen ein vermehrter Zufluls der Luft vom Ocean her statt, bis Brasilien gegen
Morgen Abkühlung erfahren hat.‘ Ganz dicht am Lande sind die Verhältnisse
freilich andere als in einem weiteren Abstande von demselben.‘ Hier treten;
veranlafst ‘durch lokale Ursachen, täglich Seewinde und auch wohl am Abend
Landwinde auf,‘ deren Wirkung aber einige Seemeilen weit auf See nicht mehr
verspürt wird.
Aus der Verschiedenheit der Windsysteme in der Nähe der Küste,
westlich und östlich von‘ dem Riff Lavandeira, ergeben sich für diese beiden
Strecken ganz von einander abweichende Segelanweisungen für das Aufkreuzen
gegen den Passat. Auf der Rhede von Macdw vor Anker liegend, kann man
vielfach Küstenfahrer beobachten, welche von westlichen Häfen, Ceard, Aracati
und Mossoro, aufkreuzen.
Jeden Nachmittag oder Abend, wenn sie der Küste nahe kommen, wird
geänkert und dann am folgenden Morgen um 2 oder 3 Uhr mit der Landbriese
weiter gearbeitet, wobei sie sich höchstens bis zur Aufsenkante der Küstenbank
vom Lande entfernen. Dort wird gewendet, um‘ mit der Seebriese nach dem
nächsten Ankerplatz unter der Küste zu segeln. Auf diese Weise machen sie
einen ganz sicheren täglichen Fortschritt von 20 bis 30 Sm. Später benutzen
Ann. d. Hydr. otc., 1891, Heft III.