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Full text: Annalen der Hydrographie und maritimen Meteorologie, 19 (1891)

LOS 
Ueber Häfen und Fahrten an der Küste Brasiliens. 
liegen auf der 36 m-(20 Faden-)Linie, doch ragen auf beiden bei Niedrigwasser 
Felsen bis zu einer Höhe von 6 bis 8 Fufßs über die Meeresoberfläche empor. 
In ihrer Nähe ist die Meeresfarbe noch ziemlich blau, während dieselbe nur 
etwas näher dem Lande schon ganz hellgrün wird. . 
Eine vorzügliche Landmarke und Führer längs der Küste ist der Hügel 
Mangua Secco. Derselbe steigt von allen Seiten gleichmälsig sanft an und bietet 
dem Auge zwischen den Peilungen SW und SO keine von einander verschiedenen 
Formen dar. Dabei ist er indels so niedrig, dafs man ihn anfangs nicht für einen 
Hügel hält, doch hebt er sich durch-die dunkele Bewaldung seiner Kuppe scharf 
vom Horizont ab, so dafs er schließlich doch gut auszumachen ist. Mit einem 
anderen kleinen Berge von der Form eines Zuckerhuts, der weiter südlich gelegen 
ist und bei klarem Wetter in blauer Ferne sichtbar wird, ist er nicht leicht 
zu verwechseln. 
Die Peilung „Mangua Secco SW“ führt genau am Westende der Untiefe 
Urca Minoto vorbei. Hat man den Hügel in die Peilung SWzS gebracht, so 
steuert man direkt auf ihn zu, bis die Wassertiefe noch 14,6 bis 12,8 m (8 bis 
7 Faden) beträgt, 
Indem jetzt ein nabezu Westkurs innegehalten wird, kommt bald die 
Landspitze Tubarao, eine zerrissene, theilweise bewachsene Dünenkette, in Sicht. 
Die Untiefe Tubarao mit 5,2 m (17 Ful) Tiefe bei Niedrigwasser bleibt dann 
nördlich von dem Schiffswege. Schon bevor noch die Spitze Tubarao passirt 
ist, entdeckt man die hohen kahlen Sanddünen, welche die Bai von Macdu im 
Westen begrenzen und in der Spitze Mel ihren Abschlufßs finden. Kitwas später 
kommen auch die Häuser der Lootsen in der Richtung nördlich von der Barre 
in Sicht. Je nachdem man nun den Flufs einzusegeln oder auf dem Ballast- 
oder Ladeplatz zu ankern beabsichtigt, wird man nach der schon gegebenen 
Anleitung zu handeln haben. 
Strömung ist nahe unter der ganzen Küstenstrecke wenig vorhanden, etwas 
Gezeitenstrom kommt zwar vor, doch selten von einer solchen Bedeutung, daß 
die Lage des Schiffes vor Anker durch dieselbe beeinflufst wird. Hat man die 
Untiefe Lavandeira während der Nacht passirt und am Morgen kein Land in 
Sicht, so muß man entschieden danach trachten, südlich zu kommen und, falls 
die Landbriese so weit abstehen sollte, lieber wenden und ostwärts segeln, bis 
die Seebriese durchkommt. Es könnte sonst geschehen, dafs das Schiff durch 
len Weststrom nördlich von der Küstenbank an seinem Bestimmungsorte vorbei 
getrieben würde. 
Wenn dann später Mangua Secco und die Spitze Mel in Sicht kommen, 
so wird die Verschiedenheit der Farbe und der Form dieser beiden Objekte eine 
Verwechselung mit einander ausschließen. 
Der Weststrom im Norden der Küstenbank erhält seine Nahrung aus dem 
Gebiet des Südostpassates. Ist der Passat andauernd frisch und beständig, so 
arlangen auch die Wassermassen eine gröfsere fortschreitende Bewegung nach 
Westen. Besonders ist dieses in den Monaten März bis September, wenn der 
Passat in der Nähe der brasilianischen Küste eine Südrichtung hat, der Fall. 
Die meteorologischen Verhältnisse zwischen dem Kap St. Roque und der 
Spitze Mel sind sehr einfacher Art. Der 20 bis 30 Sm aufserhalb der Küsten- 
bank wenig ändernde ESE-Wind entfaltet sich besonders in der Bucht oder auf 
lem Ladeplatz der Rhede von Macdu am Tage zu einer starken Seebriese, welche 
während der Nacht in einen frischen Landwind übergeht. Die Windänderung 
vollzieht sich in einer regelmäfsigen Drehung, ohne eine windstille Zwischenpause. 
Wenn einmal Windstille auftritt, so geschieht dieses mit Sonnenaufgang, indem 
ler bis SSE oder S herumgegangene Landwind eingelullt ist. Um 7*a.m. 
kommt dann schon wieder leichte Kühlte aus SSE bis SE durch, allmählich 
zuffrischend und östlich holend, so dafßs es um Mittag bereits stark aus E_weht 
and die Seebriese durchgekommen ist. Um 2 Uhr Nachmittags ist die Wind- 
richtung gewöhnlich ENE, über welchen Strich sie nordwärts selten hinauskommt, 
während die Stärke des Windes noch bis 4? p. m. zunimmt. In den Monaten 
November, Dezember und Januar tritt die Seebriese von 4 Uhr Nachmittags bis 
Sonnenuntergang stürmisch auf. Bis gegen 8 Uhr ändert sich die Windrichtung 
auf ESE, und nun erfolgt eine Abnahme der Windstärke bis zur leichten Briese 
aus SSE am Morgen.
	        
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