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Full text: Annalen der Hydrographie und maritimen Meteorologie, 19 (1891)

Ueber Häfen und Fahrten an der Küste Brasiliens. 
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Schiffsseite schlägt, andererseits aber auch nahe genug liegt, dafs die Leute das 
Salz. über die Riegelung auf Deck werfen können, wobei namentlich die Masttaue 
wichtig sind. Hinten auf dem Leichter stehen 3 oder 4.Mann, die denselben 
vermittelst Holzstangen abschieben, wenn er zu nahe an das Schiff herandrängt, 
während der Leichterführer mit noch einem Manne vorne die Ankerkette bedient. 
Das Beladen des Schiffes auf der offenen Seerhede erfordert mithin eine Reihe 
von Vorsichtsmalsregeln, und man sollte die dazu erforderlichen Materialien in 
der angegebenen Weise von vornherein zur Hand haben. Bei gutem Aufpassen 
seitens der Leute des Leichters kommt es selten dazu, dafs dieser auf die Fender 
stöst, wenn auch gelegentlich recht nachdrückliche Stöfse nicht ausbleiben, da 
anter den Leichtern solche bis zu 75 Tonnen Tragfähigkeit sind. Wenn nur 
genügend Leichter vorhanden sind, geht das Beladen auch auf der Rhede sehr 
schnell. Wir haben zuweilen an einem Tage 100 bis 150 Tonnen Salz über- 
genommen, wobei aber zu bemerken ist, dafs dann auf beiden Seiten gleichzeitig 
gearbeitet wurde. Die Leichter kommen des Morgens früh mit der Landbriese 
ab, sind mitunter schon um 2 Uhr längsseits und beginnen mit dem Ueberwerfen 
des Salzes, um damit gegen Mittag oder mindestens gegen 4 Uhr Nachmittags, 
bevor die Seebriese eine grofse Stärke erlangt hat, fertig zu sein. 
II. Segelanweisung für die brasilianische Küste von Kap St. Roque bis Macäu. 
Zur Befahrung dieser Küste diente uns die britische Admiralitätskarte 
No. 888 „Rio Mossoro bis Kap St. Roque“, welche wir, soweit uns eine Gelegenheit 
zur Kontrole geboten wurde, richtig befunden haben. 
Das Land in der Nachbarschaft des Kap Roque ist schwer kenntlich, 
sobald es darauf ankommt, die einzelnen Spitzen auszumachen. Es finden sich 
hier viele weifslich-gelbe Sanddünen vor, die theils mit Gesträuch bewachsen 
sind und starkbewaldete Hügel in ihrem Hintergrunde haben. Die ausgedehnten 
Bänke und seichten Gründe, welche die Nordostspitze Brasiliens in der Umgebung 
von Kap St. Rogue umsäumen, verlieren zum Glück dadurch viel von ihrer 
Gefährlichkeit, dafs sich die grofse Küstenbank noch bedeutend weiter nach See 
erstreckt und besonders in den leicht anzulothenden Tiefen von 64 bis 22 m 
(35 bis 12 Faden) eine ganz allmähliche Steigung aufweist. 
Westlich vom Kap Roque, beim Kap Calcanhar und noch etwas weiter 
hin nach NW ist die Küste ganz rein, mit sehr gleichmäfsigen, über eine grofse 
Strecke verbreiteten Tiefen von 13 bis 18,5 m (7 bis 10 Faden); aber 25. bis 30 Sm 
im Westen von Kap Calcanhar erstreckt sich ein ausgedehntes Riff, Coroa 
Lavandeira genannt, 10 bis 11 Sm von der Küste ab, einen schmalen Kanal von 
'/a Sm Breite zwischen sich und dieser lassend, der vielfach von Küstenfahrern 
und anderen kleinen Segelschifen benutzt wird. Oestlich von der Nordspitze 
des Riffs Lavandeira liegt die Untiefe Cotia, auf welcher ebenso wie auf dem 
ersteren Brandung steht, besonders bei Niedrigwasser. 
Unweit Kap St. Roque tritt das Hochwasser bei Neu- und Vollmond um 
4* 30" ein. Die Untiefen Lavandeira und Cotia werden besonders den Schiffen 
dadurch gefährlich, daß 3 bezw. 4 Sm nördlich von ihnen bereits grofse Meeres- 
tiefen vorkommen und sie daher nicht angelothet werden können. Ferner muß 
ein tiefgehendes Schiff auch noch den Von Roon-Felsen, 5% Sm vor Lavandeira, 
vermeiden. Am Tage und bei klarer Luft sieht man: die Küste von aufserhalb 
aller dieser Untiefen, welche letzteren an der Brandung, die darauf steht, und 
der Farbe des sie umgebenden Wassers kenntlich sind. Eine Ausnahme hiervon 
macht indefs der Von Roon-Felsen. Die einzelnen Landspitzen vermag man 
selten zu unterscheiden, weil man zu weit von ihnen entfernt steht und die vor- 
handenen Beschreibungen derselben zu mangelhaft sind. Die ausgedehnten Santo 
Alberto-Hügel sind noch am weitesten auszumachen. Beim Näherkommen fallen 
denn auch hier wieder kahle, weifslich gelbe Sanddünen, von Buschwerk unter- 
brochen, in die Augen. Das einzige sichere Mittel zur Berichtigung der Besteck- 
rechnung bieten die Brandungen auf den vorliegenden Untiefen. Eine dieser 
Untiefen, Urca Conceigao, westlich von Lavandeira und weiter nach dem Lande 
zu, bekommt man nur beim Kreuzen in Sicht, während die Untiefen Oliveira und 
Minoto recht im Kurse der Schiffe zur Rhede von Macau liegen, ihre Brandung 
aber von oben auf eine große Entfernung zu sehen ist. Diese beiden Riffe
	        
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