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Full text: Annalen der Hydrographie und maritimen Meteorologie, 19 (1891)

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Ueber Häfen und Fahrten an der Küste Brasiliens. 
Springzeit jedoch nahezu trocken, und ist erst, nachdem die Fluth eine Stunde 
gedauert hat, wieder passirbar. Eine Gefahr für die Boote ist indefs nicht vor- 
handen, da der Grund von aufserhalb ganz allmählich ansteigt und die See sich 
verläuft, bevor sie die flachste Stelle erreicht. Auch tritt das Niedrigwasser zur 
Springzeit gegen Mittag ein, zu einer Tageszeit, wenn die Seebriese und der 
Seegang noch von keiner Bedeutung sind, Um mit dem Boote ans Land zu 
fahren, thut man am besten, um Mittag odef eine Stunde früher das Schiff zu 
verlassen, denn dann trifft das Boot mit der einsetzenden Seebriese vor der Fluls- 
mündung ein und kann unter Segel meistens über einem Bug die Stadt erreichen. 
Am Nachmittage oder am Abend ist es nur mit großen Segelbooten möglich, 
gegen den oft stürmischen Seewind an Bord zu kommen. Deshalb wird erst 
gegen Mitternacht oder früh am folgenden Morgen die Stadt wieder verlassen. 
Schiffe, welche an der Stadt laden, dürfen zur Neumondspringzeit bis zu 
einem Tiefgange von 3,2 m (10'/ Fuls), zur Vollmondspringzeit bis zu einem 
solchen von 3,0 m (10 Fuß engl.) laden, um die Hülfe eines Lootsen in Anspruch 
nehmen zu können. Dieser bringt das Schiff an dem dem eigentlichen Abgange 
vorhergehenden Nachmitiage bis innerhalb der Westbarre, woselbst es während 
der Nacht vor Anker liegt und bei Niedrigwasser flott bleibt. Um 5 Uhr am 
iolgenden Morgen wird dann der Anker wieder gelichtet und etwa um 6 Uhr 
mit der Landbriese die Barre passirt. Der Kurs verändert sich in dem in kurzen 
Abständen bebakten und mit einigen schwarzen Bojen belegten Fahrwasser von 
N bis W. Mit dem „J. F. Pust“ haben wir stets auf der Rhede den Rest der 
Ladung einnehmen müssen, doch bin ich einmal mit einem deutschen Schooner 
ausgehend die Barre passirt, gleichzeitig mit noch sechs anderen Schiffen. Dieses 
yeschah zur Neumondspringzeit, als ein Tiefgang des Schiffes von 3,2 m (10% Fuf) 
arlaubt war. Wir fanden bei fortwährendem Lothen nur auf einer kurzen 
Strecke 3,5 m (11 Fufs), sonst überall 3,7 bis 4,0 m (12 bis 13 Fuls), sowohl 
innerhalb als auch aufserhalb der flachsten Stelle der Barre, Der Seegang 
bestand nur in einer leichten Kabbelung, welche auf die Tiefenverhältnisse einen 
kaum merklichen Einflufs hatte. In einigen der vergangenen Jahre sollen auf 
ler Barre von Macdu wiederholt Unglücksfälle vorgekommen und auf der Rhede 
Schiffe durch die grofsen Leichter leckgestofsen und später verloren oder 
kondemnirt sein. Jetzt haben die Lootsen die strenge Order vom Hafenmeister, 
die Schiffe nicht mit einem zu grofsen Tiefgange auszubringen, unter Androhung 
von Patententziehung und einem Jahre Gefängnifshaft, wenn sie ein Schiff auf 
der Barre festsetzen. Diese Verfügung hat den Erfolg gehabt, dafs in den letzten 
Jahren hier kein Schiff verloren gegangen jst. Während unserer Anwesenheit 
hier im Dezember 1889 passirte es jedoch, dafs ein norwegischer Dreimastschooner 
durch die schlechte Führung eines Lootsen auf der Barre an Grund gerieth, 
indem derselbe, einem voransegelnden Schiffe folgend, zu nahe um eine Bank 
herumbog, während 20 bis 30 Faden seitwärts die Wassertiefe etwa einen Fuls 
mehr betrug. Durch sofortiges Löschen eines Leichters Salz und Ausbringung 
mehrerer Anker gelang es am nächsten Morgen, das Schiff wieder auf flottes 
Wasser und unbeschädigt nach der Rhede zu bringen. Hierbei halfen sämmtliche 
Lootsen mit ihren großen Booten, ohne dafs dem Schiffe Kosten daraus erwuchsen, 
während dem Leichter nur die gewöhnliche Fracht von der Stadt bis zur Rhede 
zu zahlen war. 
Die Schiffe liegen im Flusse vor der Stadt mit zwei Ankern vertäut. Da 
der Wasserstand ein geringer ist, so kommen sie, wenn sie zum Ausgehen 
beladen sind, bei Niedrigwasser auf den Grund und aus ihrer richtigen Belastung. 
Bis jetzt ist hierdurch indels noch kein Schaden entstanden, weil der Boden 
jedenfalls eben und nicht allzu hart sein wird. Man hat bei der Vertäuung 
besonders darauf zu achten, dafs die beiden Anker möglichst weit von einander 
stehen, damit diese nicht dem Schiffsboden Schaden zufügen können, wenn der 
Wasserstand niedrig und das Schiff tiefer beladen ist. 
An der Stadtseite des Flusses bietet sich die Gelegenheit, das Schiff zum 
Zweck des Reinigens des Bodens, oder um kleine Reparaturen an demselben 
auszuführen, zu banken. Einige Zimmerleute sind im Örte und arbeiten gegen 
einen Tagelohn von 4 Milreis. Werg, Pech und Theer sind in kleinen Mengen 
käuflich, ebenso auch Bolzen, Nägel, altes Kupfer und eiserne Knie von 
kondemnirten und abgewrackten Schiffen. Schmiedearbeiten werden ausgeführt
	        
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