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Ueber Häfen und Fahrten an der Küste Brasiliens.
Springzeit jedoch nahezu trocken, und ist erst, nachdem die Fluth eine Stunde
gedauert hat, wieder passirbar. Eine Gefahr für die Boote ist indefs nicht vor-
handen, da der Grund von aufserhalb ganz allmählich ansteigt und die See sich
verläuft, bevor sie die flachste Stelle erreicht. Auch tritt das Niedrigwasser zur
Springzeit gegen Mittag ein, zu einer Tageszeit, wenn die Seebriese und der
Seegang noch von keiner Bedeutung sind, Um mit dem Boote ans Land zu
fahren, thut man am besten, um Mittag odef eine Stunde früher das Schiff zu
verlassen, denn dann trifft das Boot mit der einsetzenden Seebriese vor der Fluls-
mündung ein und kann unter Segel meistens über einem Bug die Stadt erreichen.
Am Nachmittage oder am Abend ist es nur mit großen Segelbooten möglich,
gegen den oft stürmischen Seewind an Bord zu kommen. Deshalb wird erst
gegen Mitternacht oder früh am folgenden Morgen die Stadt wieder verlassen.
Schiffe, welche an der Stadt laden, dürfen zur Neumondspringzeit bis zu
einem Tiefgange von 3,2 m (10'/ Fuls), zur Vollmondspringzeit bis zu einem
solchen von 3,0 m (10 Fuß engl.) laden, um die Hülfe eines Lootsen in Anspruch
nehmen zu können. Dieser bringt das Schiff an dem dem eigentlichen Abgange
vorhergehenden Nachmitiage bis innerhalb der Westbarre, woselbst es während
der Nacht vor Anker liegt und bei Niedrigwasser flott bleibt. Um 5 Uhr am
iolgenden Morgen wird dann der Anker wieder gelichtet und etwa um 6 Uhr
mit der Landbriese die Barre passirt. Der Kurs verändert sich in dem in kurzen
Abständen bebakten und mit einigen schwarzen Bojen belegten Fahrwasser von
N bis W. Mit dem „J. F. Pust“ haben wir stets auf der Rhede den Rest der
Ladung einnehmen müssen, doch bin ich einmal mit einem deutschen Schooner
ausgehend die Barre passirt, gleichzeitig mit noch sechs anderen Schiffen. Dieses
yeschah zur Neumondspringzeit, als ein Tiefgang des Schiffes von 3,2 m (10% Fuf)
arlaubt war. Wir fanden bei fortwährendem Lothen nur auf einer kurzen
Strecke 3,5 m (11 Fufs), sonst überall 3,7 bis 4,0 m (12 bis 13 Fuls), sowohl
innerhalb als auch aufserhalb der flachsten Stelle der Barre, Der Seegang
bestand nur in einer leichten Kabbelung, welche auf die Tiefenverhältnisse einen
kaum merklichen Einflufs hatte. In einigen der vergangenen Jahre sollen auf
ler Barre von Macdu wiederholt Unglücksfälle vorgekommen und auf der Rhede
Schiffe durch die grofsen Leichter leckgestofsen und später verloren oder
kondemnirt sein. Jetzt haben die Lootsen die strenge Order vom Hafenmeister,
die Schiffe nicht mit einem zu grofsen Tiefgange auszubringen, unter Androhung
von Patententziehung und einem Jahre Gefängnifshaft, wenn sie ein Schiff auf
der Barre festsetzen. Diese Verfügung hat den Erfolg gehabt, dafs in den letzten
Jahren hier kein Schiff verloren gegangen jst. Während unserer Anwesenheit
hier im Dezember 1889 passirte es jedoch, dafs ein norwegischer Dreimastschooner
durch die schlechte Führung eines Lootsen auf der Barre an Grund gerieth,
indem derselbe, einem voransegelnden Schiffe folgend, zu nahe um eine Bank
herumbog, während 20 bis 30 Faden seitwärts die Wassertiefe etwa einen Fuls
mehr betrug. Durch sofortiges Löschen eines Leichters Salz und Ausbringung
mehrerer Anker gelang es am nächsten Morgen, das Schiff wieder auf flottes
Wasser und unbeschädigt nach der Rhede zu bringen. Hierbei halfen sämmtliche
Lootsen mit ihren großen Booten, ohne dafs dem Schiffe Kosten daraus erwuchsen,
während dem Leichter nur die gewöhnliche Fracht von der Stadt bis zur Rhede
zu zahlen war.
Die Schiffe liegen im Flusse vor der Stadt mit zwei Ankern vertäut. Da
der Wasserstand ein geringer ist, so kommen sie, wenn sie zum Ausgehen
beladen sind, bei Niedrigwasser auf den Grund und aus ihrer richtigen Belastung.
Bis jetzt ist hierdurch indels noch kein Schaden entstanden, weil der Boden
jedenfalls eben und nicht allzu hart sein wird. Man hat bei der Vertäuung
besonders darauf zu achten, dafs die beiden Anker möglichst weit von einander
stehen, damit diese nicht dem Schiffsboden Schaden zufügen können, wenn der
Wasserstand niedrig und das Schiff tiefer beladen ist.
An der Stadtseite des Flusses bietet sich die Gelegenheit, das Schiff zum
Zweck des Reinigens des Bodens, oder um kleine Reparaturen an demselben
auszuführen, zu banken. Einige Zimmerleute sind im Örte und arbeiten gegen
einen Tagelohn von 4 Milreis. Werg, Pech und Theer sind in kleinen Mengen
käuflich, ebenso auch Bolzen, Nägel, altes Kupfer und eiserne Knie von
kondemnirten und abgewrackten Schiffen. Schmiedearbeiten werden ausgeführt