Ueber Häfen und Fahrten an der Küste Brasiliens.
nu
{0
Bericht des Kapt. F. Niejahr von der deutschen Bark „J. F. Pust“
über Häfen und Fahrten an der Küste Brasiliens.
“Mittheilung von der Deutschen Seewarte.)
I. Macäu, Salzverschiffungsplatz in Nordbrasilien. *)
Die Stadt Macau liegt auf 5° 7‘ S-Br und 36° 37‘ W-Lg, in der Provinz
Rio Grande do Norte, 3 bis 4 Sm von der Mündung und 6 bis 7 Sm von der
Barre des Flusses Amargoso oder Assu.
Ausgedehnte Salinen, dicht an der Stadt beginnend, erstrecken sich über
15 km landeinwärts und werden durch den sogenannten Salinenkanal, einen
Nebenflufßs des Assw, zur Springfluth mit Seewasser gespeist. Auch dient dieser
Kanal dazu, das Salz in Kanoes oder Leichterfahrzeugen an Bord der Seeschiffe
im Hafen und auf der Rhede zu bringen, Beim Uebernehmen wird das Salz von
den Leichterleuten auf Deck geworfen, Angestellte des Abladers schaufeln es in
Messkasten und die Schiffsleute schütten es aus diesen in den Raum des Schiffes;
somit erwachsen dem Schiffe durch das Einnehmen der Ladung keinerlei Kosten.
Die Salzausfuhr hat in Macdw während der letzten Jahre, seitdem die
brasilianische Regierung einen Eingangszoll von 10 Reis pro Liter auf fremdes
Salz gelegt, hat bedeutende Dimensionen angenommen, so dafs hier jetzt jährlich
außer den einheimischen Küstenfahrern etwa 100 fremde Schiffe verkehren.
Europäische Konsulate sind indels noch nicht vorhanden; als Dolmetscher dienen
einige frühere Matrosen. Ein genauer Bericht über diesen Ort, sowie eine
Beschreibung der hydrographischen und meteorologischen Verhältnisse der Küsten-
strecke zwischen Kap Rogue und der Rhede von Macau dürfte erwünscht sein.
In Macdu sind keine Staats- sondern nur Provinzialzollbeamte angestellt,
weshalb eine direkte Einfuhr fremder Waaren ausgeschlossen ist, während Schiffe,
die von ausländischen Häfen hierher kommen, um Salz zu laden, unbehindert
einlaufen dürfen. Die Kapitäne der auf der Rhede ankernden Schiffe können
sofort an das Land fahren, da ein behördlicher Besuch nicht an Bord kommt.
Ein Gesundheitsamt ist nicht vorhanden; beim Abgang des Schiffes wird der
Gesundheitspafßs von der Polizeibehörde ausgefertigt.
Schiffe, deren Tiefgang eine Einsegelung des Flusses über die Barre
gestattet, thun wohl daran, rechtzeitig die Lootsenfagge zu zeigen. Die Flufs-
lootsen haben ihren Wohnsitz am Strande, 2 Sm nördlich von der Stadt. Ihre
mit rothen Ziegeln gedeckten Häuser fallen bei der Ansegelung bald ins Auge.
Es sind im Ganzen 6 oder 8 Lootsen vorhanden. Einer von diesen versieht den
Dienst eines Oberlootsen, ein anderer den. des Hafenmeisters, weshalb diese
beiden viel in der Stadt anwesend sein müssen.
Der Flufs hat eine Ost- und eine Westbarre. Erstere reicht bis dicht an
das Land, an einer Stelle nicht weit von den Lootsenhäusern. Sie wird haupt-
sächlich von Leichterfahrzeugen und auch wohl eingehend von solchen Schiffen,
die nicht über 1,8 m (6 Fufs) tiefgehen, benutzt. Man segelt hier, das Wrack
einer norwegischen Bark an Backbord lassend, zuerst auf eine Bake zu, welche
die Form eines Kreuzes ohne Kopf (T) hat und dicht an Steuerbord bleibt.
Weiter führt der Kurs mehr oder weniger gerade auf die im Süden in
Sicht kommende hohe weiße Düne, wo an der Backbord-, Landseite, Besen- oder
Buschbaken das Fahrwasser kennzeichnen. Nun steuert man parallel zur Küste,
bis man die Mündung des Flusses offen hat, in welche man danu schnell, unter
einem mehr als rechten Winkel einzubiegen hat. Von hier bis zur Stadt ist die
Kursrichtung 0SO. Dieses Fahrwasser dient auch meistens den Booten der auf
der Rhede ankernden Schiffe als Passage. Mit Niedrigwasser. läuft dasselbe zur
} Siehe diese Annalen, Jahrgang .1890, S. 49 ff.