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Zwei merkwürdige Nachtgewitter im Sommer 1890.
charakteristischen Aenderungen der Windstärke auf, weshalb ich mich damit
begnüge, die Zeiten etwas gröfßserer Stärke im Anemogramm von Hamburg durch
atwas dickeren Zug der Linie der Richtungen — wie sie sich durch die alsdann
eintretenden Schwankungen der Windfahne auch in der Wirklichkeit markiren,
hervorzuheben: es erstrecken sich diese gröfseren Stärken über einen grofsen
Theil der Zeit von 11a bis 3p und später über kürzere Zeiten zwischen 9 und
10'% p und bei 11 p.
Während dieses Gewitters sind von Herrn Friedrich Roth in Buxtehude
sehr interessante Versuche mit zweifarbigen drehenden Scheiben angestellt worden,
um die Dauer der Blitze festzustellen. Deren Ergebnisse erscheinen demnächst
in der „Meteorologischen Zeitschrift“ !); wir müssen uns hier mit diesem Hinweis
begnügen.
Dagegen führen wir den Lesern dieser Annalen auf Tafel 2 in Lichtdruck
zwei sehr schöne in und bei Hamburg während dieses Gewitters von Liebhabern
aufgenommene Blitzphotographien vor und fügen noch eine dritte, einen Monat
später hier gewonnene Blitzphotographie hinzu.”)
Figur 1 wurde um 12'% Uhr in dieser Nacht von Herrn Gustav Becker
von Duwe’s Pavillon in Teufelsbrück bei Hamburg aus aufgenommen und gütigst
der Seewarte eingesandt. Das grofse Wasser, in welchem sich der Blitz spiegelt,
ist die Elbe; der schwarze vertikale Strich eine Flaggenstange, von der auch
mehrere parallele schwache Spiegelbilder zu erkennen sind. Ein Ast des grofsen
Blitzes geht hinter der kleinen Wolke vorüber und verliert sich in Verästelungen,
anscheinend ohne den Boden zu erreichen; der Hauptstrahl geht, wie es scheint,
durch die Wolke selbst, an ihrem vorderen Rande, da er in ihrem Bereiche
schmäler und zum Theil verschleiert sich zeigt.
Figur 2 und 3 sind von Herrn C, Sasse vom Fenster des Hauses Feld-
strafse 47 in Hamburg aufgenommen, und zwar Fig. 2 (rechts) gegen 10 Uhr am
15. Juli, Fig. 3 (links) bald nach 9 Uhr am 18. August, und uns gütigst ebenfalls
zur Verfügung gestellt. Das Bündel von Blitzen auf Fig. 2 mufßs mindestens nahezu
gleichzeitig gewesen sein, da Herr Sasse den Apparat so schnell als möglich nach
Erblicken des Blitzes geschlossen hat. Auf beiden Bildern fallen gewisse Aehnlich-
keiten der gleichzeitigen Blitze unter einander — übereinstimmende Krümmungen
— auf, welche ihre nähere oder entferntere Ursache in den Luftströmungen der
betreffenden Schichten haben dürften. Ferner zeigen alle drei Bilder dasselbe
feine Faserwerk mit nach unten spitz auslaufenden Zweigen, dem Wurzelwerk
einer Pflanze auffallend ähnlich. Auf Fig. 3 sieht man auch die drei Haupt-
strahlen mit spitzen Enden in den vom leichten Nordostwinde auf die Elbe
getriebenen Rauch- und Dunstmassen Hamburgs verschwinden, vielleicht nicht
sowohl fürs Auge, als für den photographischen Apparat, durch Absorption der
Strahlen kürzerer Wellenlänge. Der Ausblick ist auf diesem, wie auch auf den
beiden anderen Bildern, nach Süden; deutlich sind als weilse Punkte die elektri-
schen Lichter von Ludwig’s Koncerthaus jenseits des Heiliggeistfeldes und
einige Strafsenlaternen erkennbar; sehr schön ist auch die Beleuchtung der Unter-
flächen der Wolken durch den Blitz auf diesem Bilde, welche uns in dieser
Weise noch nicht auf Blitzphotographien vorgekommen ist; es hängt dies wohl
damit zusammen, dals das Gewitter nicht über Hamburg selbst sich erstreckte,
sondern südlich davon lag; auf Fig. 2 haben die Blitze mehr als die doppelte
Länge, und in der That folgte diesen der Donner sofort. Die Winkelgröfsen
dieser Blitze kann man nach den Dimensionen der Gebäude auf Fig. 3 annähernd
berechnen,
Der 18.—19. August, an welchem dieses dritte Blitzbild gewonnen wurde,
war einer der merkwürdigsten Gewittertage dieses gewitterreichen Sommers in
Hamburg. Ein erstes Gewitter zog zwischen 31/2 und 4'/3* p. m. nördlich von
hier langsam vorüber, bei leichtem Wind aus Süd bis Ost, ohne uns Regen zu
bringen. Darauf erschienen aus SW mächtige Cumulus-Massen, die, während sie
südöstlich von Hamburg vorüberzogen, einen selten grofsartigen Anblick boten,
i) Sind inzwischen im Dezemberheft, Seite 463, erschienen. W. K.
2) Die drei Bilder der Tafel 2 stehen zwar an Schärfe und Klarheit den Originalen weit
nach, lassen aber doch bei aufmerksamem Betrachten alle wesentlichen Angaben derselben erkennen,
W. K.