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Zwei merkwürdige Nachtgewitter im Sommer 1890.
sich heranwälzten. Erst nachdem um 5'/,* p. m. die ersten Donnerschläge und
gegen 6: der erste kräftige Regenschauer sich eingestellt hatten, sank die Tem-
peratur in Bremen merklich,
Auch dieses Gewitter irat nicht bei der von Cl. Ley geschilderten
Wetterlage am SW-Rande einer Anticyklone ein, sondern bei der für Gewitter
gewöhnlichen, nämlich im Zusammenhange mit einer Ausbuchtung am Rande
einer Depression, und zwar in diesem Falle an deren Südrande; das Gewitter
begann, nachdem die Mittellinie jener Ausbuchtung eben über den Beobach-
tungsort hinweggeschritten war.
Die Grenze der Wolkenscheibe war am 15. Juli 1890 um 2" p. m. etwa
bis zur Linie Eckernförde—Cuxhaven— Kaiserslautern gelangt; östlich und süd-
östlich davon herrschte allgemein noch heiterer Himmel bis nach Ungarn und
Russland hinein.
Da die Wolkendecke keine ununterbrochene war, so beleuchtete in Bremen,
woselbst ich diesen Nachmittag verbrachte, die Sonne durch die Lücken bald
kühne Cumulus-Gipfel, bald niedrige Wolkenfetzen, die beide auf dunklem Hinter-
grunde höchst wirksam hervortraten, HEine Reihe von leichten Regenschauern
zog daselbst nacheinander über den Ort, bis um 7" 55” ein von Westen sich
heranwälzender, wie schwarzer Rauch aussehender Wolkenwulst das Nahen eines
stärkeren Phänomens anmeldete. Dasselbe brachte auf der Kisenbahnstrecke
zwischen Bremen und Vegesack von 8% 0” bis 820” p.m. schweren Regen, ohne
viel Wind, in Bremen hingegen nur einen leichten Schauer. Die Gewitter
schienen damit vorüber zu sein, nur fernes Blitzen begann bald wieder. Da
kamen in Vegesack um 9" 7" bis 9" 10° Abends vier ganz kurze, schufsähnliche
Donnerschläge, deren erster fast unmittelbar dem Blitz folgte — derselbe hatte
in Aumund bei Vegesack eingeschlagen — während die folgenden drei aus rasch
zunehmender Entfernung kamen. Mit mehrfachen längeren Unterbrechungen
folgten darauf schwächere Donnerschläge bis nach Mitternacht und Blitze (in
Bremen) bis gegen 2 Uhr Nachts.
In Altenwerder bei Hamburg wurde von Herrn Kapt. Meier, Assistent
der Seewarte, der erste Donner schon um 6* 37” p. m. notirt, und begann um
jb 28” Regen, welcher mit Unterbrechungen bis 2 Uhr Nachts andauerte, Der
erste Theil des Gewitters scheint sehr rasch ostwärts gezogen zu sein, da um
8b 45” in Wismar, um 9p in Darsserort Gewitter im NW und um 10p in
Swinemünde Wetterleuchten im NW eintrat; in Glückstadt begann das Gewitter
um 7%, in Travemünde um 8p. Es hat sich also mit einer durchschnittlichen
Geschwindigkeit von etwa 21m per Sekunde (1'/a km in der Minute) fortgepflanzt,
wenn man die Fortpflanzung als der Linie Bremen—Swinemünde parallel an-
nehmen darf. Die Angaben über das Ende des Gewitters oder der Reihe von
Gewittern werden, da dasselbe in die Nacht fiel, nur theilweise genau sein. Es
liegen die Angaben vor: Bremerhaven 12% p. m., Hamburg zwischen 1'/a und
2% a, m., Travemünde 3% a. m., Rostock 3'j* a. m., Darsserort 1% a. m. und
Swinemünde 21/2 a. m.
In Hamburg-Altenwerder zogen die beiden ersten Theile des Gewitters
gröfstentheils nördlich von der Station vorbei, dieser nur wenig Regen gebend.
Um 10'/3 Uhr kam ein dritter Theil herangezogen, der recht über die Station
wegging; es folgte Schlag auf Schlag, und um 11" p.m. war der ganze Himmel
ein Feuermeer; Regen gofs in Strömen; !) Wind mallend, bald still, bald frisch.
Um 12° zog ein fernerer Theil, gröfstentheils eben südlich von der Station vor-
bei, und um 1'/2 a am 16. kam erst der letzte Theil vorüber. Wenn auch diese
Theile deutlich erkennbar waren, so blitzte und donnerte es doch von 6'2p
bis 2a ununterbrochen, nur mit mehr oder weniger grofser Heftigkeit.
In Hamburg-Eimsbüttel schlug es bei dem heftigsten Theile des Gewitters,
ungefähr um 11 Uhr, an drei Stellen ein, doch ohne zu zünden; der stärkste
dieser Schläge traf eine auf dem hohen Eckhaus vom Schulweg und Eppendorfer-
wege aufgesetzte Fahnenstange, zertrümmerte diese und warf grofse Splitter der-
selben etwa 20m weit über die Strafse, ohne im Uebrigen erhebliche Spuren
zu hinterlassen. Dieser Theil des Gewitters trat hier ganz ähnlich auf, wie in
Der Regenmesser auf der Seewarte ergab von 8a bis 8p 0,0, von 8p bis 8a 12,2 mm.