Zwei merkwürdige Nachtgewitter im Sommer 1890,
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stehen und sind zumeist Vorläufer unserer grofsartigsten Gewitter. Dies ist
besonders der Fall, wenn sie sehr schnell von Südosten oder Süden ziehen,
während kleine Wolken etwas unterhalb ihrer aus NE oder E dahinfliegen. Unter
diesen Umständen kann ein einziges, wenn auch noch so kleines Bruchstück der
Wolken dieses Typus, bei. sonst klarem Himmel und vielleicht hohem oder
steigendem Barometerstande, zuweilen den aufmerksamen Beobachter befähigen,
Gewitter mit einem Erfolge vorauszusagen, welcher diejenigen, die sein Geheim-
nifßs nicht kennen, in Erstaunen setzt. Zuweilen verschwinden diese Wolken
vor dem Auftreten eines Gewitters; dasselbe findet dann im Laufe des Tages
statt und wird von dem schon beschriebenen Cumulus-Typus gebildet.“
Nach Cl. Ley tritt diese Wolke besonders häufig an Sommerabenden nach
Sonnenuntergang auf, wobei ihre Unterfläche in zahllosen welligen Fältchen sich
zeigt, durch welche hier und da die leuchtenden Seiten ihrer cumulusartigen
Thürmchen hervorscheinen, Bald beginnt das Wetterleuchten, und nach wenigen
Stunden ist ein mächtiges Gewitter heraufgezogen, das ebenso reich an Blitzen,
als arm an Blitzschäden ist, im Gegensatz zu den tiefer ziehenden Gewitter-
schauern.
Dafs diese Wolkenform trotz solcher höchst charakteristischen Züge noch
fast gar keine Beachtung gefunden hat, dürfte, aufser an ihrem unschuldigen Aus-
sehen, doch wohl an ihrer Seltenheit liegen. In Allem, was Wolken betrifft, ist
es so schwierig, das, was man sieht, mit dem, was ein anderer Beobachter ge-
sehen hat, zu identificiren, dafs nur öftere Wiederholung darin Sicherheit giebt.
Schreiber dieses hat nur viermal in den letzten Jahren mit Zuversicht die eben
beschriebene Wolkenart erkannt und mit Interesse das darauf folgende Wetter
verfolgt. Das Zutreffen der von Cl. Ley angegebenen Prognose war in der
That ein überraschendes, denn alle Mal trat eine Reihe von Stunden danach ein
großes Gewitter ein. Von zwei dieser Beobachtungen, die ich in Hamburg
machte, kann ich das Datum nicht mehr angeben. Am 7. August 1885, gegen
6" p. m., sah ich diese Wolkenart in Nürnberg, von der Höhe der Burg aus;
nach einem kräftigen Regen am Morgen war der Tag schön gewesen. Abends
von 93/4 Uhr an starke Donnerschläge und darauf längere Zeit strömender Regen.
Nürnberg lag zu dieser Zeit nicht am SW-, sondern am NO-Rande einer Anti-
cyklone, welche aus SW heranrückte, und an der Rückseite einer jener typischen
Furchen niederen Druckes (sogenanute „Gewittersäcke‘“), welche so oft im SE-
Quadranten einer Depression im Sommer sich zeigen und unsere vornehmlichsten
Gewitterbringer sind. Das betreffende barometrische Minimum lag zur Zeit auf
der Nordsee.
Als ich am Morgen des
15. Juli 1890 auf dem Dampfer
von Elsfleth nach Vegesack fuhr,
Gelen mir um 10* a. m. wiederum
zolche Wölkchen an dem sonst
nur wenig bewölkten Himmel auf.
Die vorhergehenden Tage hatten
eine trockene Pause in den unauf-
hörlichen Regen dieses Sommers
gebildet, ohne erhebliche Wärme-
grade zu erreichen. Der Wind
war aus Süden, die Wolken zogen
aus westlicher Richtung. Ich ent-
warf, kurz vor Vegesack, die neben-
stehende Skizze von denselben
und nahm mir vor, auf das nach-
folgende Wetter zu achten, Der
Himmel wurde bald darauf für
einige Zeit ganz klar, und es
folgte ein sehr warmer Tag,
dessen drückende Schwüle in
Bremen kaum gemildert wurde,
als von 2 p. m. an die Sonne durch einen von West aufziehenden hohen Wolken-
schirm verdeckt wurde, unter dem bald kühn geformte Cumulo-Nimbus-Massen
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