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Beiträge zur Navigimng im Schutzgebiete der MarschaU- und Gilbert-Inseln.
Atolls (Charlotte-1.) den Grund so deutlich sehen, dafs man, obgleich die
geringste Tiefe 57s m betrug, dieselbe auf nur wenige Decimeter zu schätzen
geneigt war. Der Boden bestand zum grofsen Theil aus weifsem festem Sand.
Eine kurze Zeit später war auf 7 bis 10 m der Grund nicht mehr zu erkennen,
das Wasser nahm eine hellgrüne Färbung an, der Grund bestand aus thonigem
Korallensand, durch welchen das Wasser getrübt ward.
Bei den steil abfallenden Kiffen oder den zerstreut liegenden gröfseren
oder kleineren Korallenblöcken ist das Loth von sehr geringem oder gar keinem
Werthe. Auch die Passagen sind oft so uneben, dafs die gleichzeitigen Lothungen
auf beiden Seiten des Schiffes um mehrere Meter differirten.
Bei einem grofsen Theile der Inseln der Marschall - Gruppe ist das Be
fahren der Lagunen verhältnifsmäfsig einfach, weil der Unterschied zwischen
tiefem und flachem Wasser sehr deutlich erkennbar ist. Bei einem Theile der
Gh'ffori-Inseln liegen die Verhältnisse insofern viel ungünstiger, als die Farben
unterschiede hier geringere sind.
Die zu unterscheidenden Farben im Wasser sind annähernd: dunkelblau,
hellblau oder dunkelgrün, hellgrün und gelb bis schwarz.
Die bei den Farben beobachteten Tiefen seitens S. M. Knbt. „ Wolf“, die
jedoch nur einen Anhalt für die Durchsichtigkeit des Wassers geben sollen,
waren ungefähr:
dunkelblau über 35m,
hellblau oder dunkelgrün 15 bis 35 m,
hellgrün 1 bis 15 m,
gelb meistens die bei Niedrigwasser trocken fallenden oder bis dicht
unter die Oberfläche reichenden Riffe,
schwarz Korallenblöcke sowohl in tiefem wie in flachem Wasser.
Ein hoher Standpunkt des Beobachters, sowie ein eben solcher und
besonders achterlicher Standpunkt der Sonne ist am günstigsten für die
Navigirung.
Des Nachts erkennt man vom Topp Riffe bosser als von Deck, auch
kann man von ersterem aus in engen Passagen die Versetzung des Schiffes
durch Strom bedeutend sicherer als von letzterem beobachten.
Diejenigen Schiffe, welche zunächst Jaluit anlaufen, haben hier die beste
Gelegenheit, sich über die einschlägigen Verhältnisse zu informiren, und werden
auch häufig hier einen Lootsen für die umliegenden Inseln erhalten können.
Jedenfalls versäume kein Schiff, welches in der Gruppe fahren soll und kein
geeignetes Boot besitzt, zu versuchen, sich in Jaluit mit einem Brandungsboote
zu versehen; letzteres ist nicht nur durchaus nöthig zum Verkehr mit denjenigen
Inseln, bei welchen man keinen Ankerplatz findet, sondern es kann auch in den
Lagunen eine unangenehme See stehen, welche das Landen in gewöhnlichen
Schifisbooten unbequem oder gefahrvoll macht. Mitunter wird man zwar Ge
legenheit haben, mit den Booten der Händler oder mit von Eingeborenen ge
ruderten Kanoes an Land zu fahren, diese Gelegenheit ist aber eine sehr
unsichere.
Was die wiederholt gefundene Anmerkung in Karten und Segelanweisungen
der Südsee betrifft: „Man solle die gröfste Vorsicht walten lassen, da erstero
noch wenig befahren sei, daher man leicht auf unbekannte Inseln und Riffe
stofsen könne“, so trifft letzteres auf die beschriebenen Inselgebiete wohl nicht
zu, denn dieselben werden durch Handelsschiffe sowohl wie durch die Fahrzeuge
und Kanoes der Eingeborenen vielfach durchkreuzt, sind daher als ganz bekannt
anzusehen. Dagegen ist die Lage der Inseln, sowohl für sich wie zu einander,
häufig mehrere Seemeilen falsch angegeben. Die Angaben in der Segelanweisung
von Findlay genügen jedoch, um nach denselben die Inseln aufzufinden.
Die Angaben über die Formen der einzelnen Inseln und Inselgruppen
sind jedoch fast durchgängig zu ungenau, um sich auf Peilungen verlassen zu
können.
Auch auf Vertonungen ist wenig Verlafs, einerseits weil die Inseln und
Riffe nur selten charakteristische Merkmale bieten, andererseits weil die Inseln
mehr und mehr kultivirt, das heifst mit Kokos-Palmen bepflanzt werden, so dafs
sich das Aussehen der Inseln mit der Zeit ändert. Häuser und Hütten sind zu
vergänglicher Natur, um jederzeit richtige Merkmale abzugeben.