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Full text : Annalen der Hydrographie und maritimen Meteorologie, 18 (1890)

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Beiträge  zur  Navigimng  im  Schutzgebiete  der  MarschaU-  und  Gilbert-Inseln.

Atolls  (Charlotte-1.)  den  Grund  so  deutlich  sehen,  dafs  man,  obgleich  die
geringste  Tiefe  57s  m  betrug,  dieselbe  auf  nur  wenige  Decimeter  zu  schätzen
geneigt  war.  Der  Boden  bestand  zum  grofsen  Theil  aus  weifsem  festem  Sand.
Eine  kurze  Zeit  später  war  auf  7  bis  10  m  der  Grund  nicht  mehr  zu  erkennen,
das  Wasser  nahm  eine  hellgrüne  Färbung  an,  der  Grund  bestand  aus  thonigem
Korallensand,  durch  welchen  das  Wasser  getrübt  ward.
Bei  den  steil  abfallenden  Kiffen  oder  den  zerstreut  liegenden  gröfseren
oder  kleineren  Korallenblöcken  ist  das  Loth  von  sehr  geringem  oder  gar  keinem
Werthe.  Auch  die  Passagen  sind  oft  so  uneben,  dafs  die  gleichzeitigen  Lothungen
auf  beiden  Seiten  des  Schiffes  um  mehrere  Meter  differirten.
Bei  einem  grofsen  Theile  der  Inseln  der  Marschall  -  Gruppe  ist  das  Befahren ­
  der  Lagunen  verhältnifsmäfsig  einfach,  weil  der  Unterschied  zwischen
tiefem  und  flachem  Wasser  sehr  deutlich  erkennbar  ist.  Bei  einem  Theile  der
Gh'ffori-Inseln  liegen  die  Verhältnisse  insofern  viel  ungünstiger,  als  die  Farbenunterschiede ­
  hier  geringere  sind.
Die  zu  unterscheidenden  Farben  im  Wasser  sind  annähernd:  dunkelblau,
hellblau  oder  dunkelgrün,  hellgrün  und  gelb  bis  schwarz.
Die  bei  den  Farben  beobachteten  Tiefen  seitens  S.  M.  Knbt.  „  Wolf“,  die
jedoch  nur  einen  Anhalt  für  die  Durchsichtigkeit  des  Wassers  geben  sollen,
waren  ungefähr:
dunkelblau  über  35m,
hellblau  oder  dunkelgrün  15  bis  35  m,
hellgrün  1  bis  15  m,
gelb  meistens  die  bei  Niedrigwasser  trocken  fallenden  oder  bis  dicht
unter  die  Oberfläche  reichenden  Riffe,
schwarz  Korallenblöcke  sowohl  in  tiefem  wie  in  flachem  Wasser.
Ein  hoher  Standpunkt  des  Beobachters,  sowie  ein  eben  solcher  und
besonders  achterlicher  Standpunkt  der  Sonne  ist  am  günstigsten  für  die
Navigirung.
Des  Nachts  erkennt  man  vom  Topp  Riffe  bosser  als  von  Deck,  auch
kann  man  von  ersterem  aus  in  engen  Passagen  die  Versetzung  des  Schiffes
durch  Strom  bedeutend  sicherer  als  von  letzterem  beobachten.
Diejenigen  Schiffe,  welche  zunächst  Jaluit  anlaufen,  haben  hier  die  beste
Gelegenheit,  sich  über  die  einschlägigen  Verhältnisse  zu  informiren,  und  werden
auch  häufig  hier  einen  Lootsen  für  die  umliegenden  Inseln  erhalten  können.
Jedenfalls  versäume  kein  Schiff,  welches  in  der  Gruppe  fahren  soll  und  kein
geeignetes  Boot  besitzt,  zu  versuchen,  sich  in  Jaluit  mit  einem  Brandungsboote
zu  versehen;  letzteres  ist  nicht  nur  durchaus  nöthig  zum  Verkehr  mit  denjenigen
Inseln,  bei  welchen  man  keinen  Ankerplatz  findet,  sondern  es  kann  auch  in  den
Lagunen  eine  unangenehme  See  stehen,  welche  das  Landen  in  gewöhnlichen
Schifisbooten  unbequem  oder  gefahrvoll  macht.  Mitunter  wird  man  zwar  Gelegenheit ­
  haben,  mit  den  Booten  der  Händler  oder  mit  von  Eingeborenen  geruderten ­
  Kanoes  an  Land  zu  fahren,  diese  Gelegenheit  ist  aber  eine  sehr
unsichere.
Was  die  wiederholt  gefundene  Anmerkung  in  Karten  und  Segelanweisungen
der  Südsee  betrifft:  „Man  solle  die  gröfste  Vorsicht  walten  lassen,  da  erstero
noch  wenig  befahren  sei,  daher  man  leicht  auf  unbekannte  Inseln  und  Riffe
stofsen  könne“,  so  trifft  letzteres  auf  die  beschriebenen  Inselgebiete  wohl  nicht
zu,  denn  dieselben  werden  durch  Handelsschiffe  sowohl  wie  durch  die  Fahrzeuge
und  Kanoes  der  Eingeborenen  vielfach  durchkreuzt,  sind  daher  als  ganz  bekannt
anzusehen.  Dagegen  ist  die  Lage  der  Inseln,  sowohl  für  sich  wie  zu  einander,
häufig  mehrere  Seemeilen  falsch  angegeben.  Die  Angaben  in  der  Segelanweisung
von  Findlay  genügen  jedoch,  um  nach  denselben  die  Inseln  aufzufinden.
Die  Angaben  über  die  Formen  der  einzelnen  Inseln  und  Inselgruppen
sind  jedoch  fast  durchgängig  zu  ungenau,  um  sich  auf  Peilungen  verlassen  zu
können.
Auch  auf  Vertonungen  ist  wenig  Verlafs,  einerseits  weil  die  Inseln  und
Riffe  nur  selten  charakteristische  Merkmale  bieten,  andererseits  weil  die  Inseln
mehr  und  mehr  kultivirt,  das  heifst  mit  Kokos-Palmen  bepflanzt  werden,  so  dafs
sich  das  Aussehen  der  Inseln  mit  der  Zeit  ändert.  Häuser  und  Hütten  sind  zu
vergänglicher  Natur,  um  jederzeit  richtige  Merkmale  abzugeben.
            
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