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Full text: Annalen der Hydrographie und maritimen Meteorologie, 18 (1890)

Zur Geschieht« der Meteorologie. 
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Das erste aller meteorologischen Instrumente ist die Windfahne; dieselbe 
reicht noch weit bis ins Alterthum zurück. Das älteste uns bekannte zur Be 
obachtung der Windrichtung dienende Monument, der „Thurm der Winde“ zu 
Athen, ist in seinen wesentlichsten Theilen noch jetzt erhalten; derselbe ist 
etwa 100 v. Chr. von Andronicus Cyrrbestes erbaut; die Windfahne besteht 
aus einem über dem Dache angebrachten Triton, der, sich nach dem Winde 
drehend, mit einem Stabe auf die betreffende, unterhalb des Architravs an 
gebrachte Inschrift eines der 8Hauptwiude zeigt. Die jetzige Eiutheilung der Wind 
rose in 16 resp. 32 Theile und Bezeichnung der Himmelsrichtungen ist erst 
nach der Einführung des Kompasses gebräuchlich geworden. Wenn Seneca 
meint, dafs man in den ältesten Zeiten die Himmelsrichtungen nicht unter 
schieden habe, so hatten doch zu Homer’s und Hesiod’s Zeiten (8. u. 9. Jahr 
hundert v. Chr.) die 4 Hauptwinde bereits Namen und waren ihrem Charakter 
nach bekannt. Wenig später treten bei den Griechen zu den 4 Hauptwinden 
noch 4 Nebenwinde; Aristoteles erwähnt die Achttheilung der Windrose als 
etwas längst Bekanntes. Gleichzeitig tritt aber auch eine Zwölftheilung auf, 
indem jeder der Hauptwinde 2 Nebenwinde erhält. Später bei den Römern 
finden wir beide Theilungen, sowohl die in 8 als die in 12 Striche neben ein 
ander gebräuchlich; allmählich verschaffte sich jedoch die letztere allgemeinere 
Geltung. Zu Karls des Grofsen Zeiten treten neben den lateiuischen Namen 
zuerst deutsche auf, die sich im Wesentlichen bei fast allen europäischen 
Nationen eingebürgert und bis auf den heutigen Tag erhalten haben. Des be 
sonderen Interesses wegen, welches diese Namen haben dürften, lassen wir die 
selben hier folgen: 
Lateinisch. 
Deutsch zur Zeit Karls des Grofsen. 
Jetzt. 
Subsolanus 
Ostroni 
Ost 
Euims 
Ostsundroni 
Ostsüdost 
Euroauster 
Sundoströni 
Südost 
Auster 
Sundroni 
Süd 
Austroafricus 
Sundwestroni 
Südsüdwest 
Africus 
Westsundroni 
Süd west 
Zephyrus 
Westroni 
West 
Corus 
Westnordroni 
Westnordwest 
Circius 
Nordwestroni 
Nordwest 
Septentrio 
N ordroni 
Nord 
Aquilo 
Nordostroni 
Nordnordost 
Vulturnus 
Ostnordroni 
Nord o st 
Erst bedeutend später als die Beobachtung der Windrichtung erfolgte 
die Messung der Windstärke. Das erste Anemometer, ein Pendelanemometer, 
ähnlich wie das moderne von Wild, ist vom Physiker Robert Hooke Ende 
des 17. Jahrhundert (1667) erfunden; er mifst die Windstärke durch den Winkel 
ausschlag einer dem Winde senkrecht entgegenstehenden Tafel. Früher als der 
Windmesser war das Hygrometer bekannt; Mitte des 15. Jahrhunderts schlägt 
der Kardinal Nicolaus de Cusa, der in der Nähe von Trier geboren, vor, 
den Feuchtigkeitsgehalt der Luft durch die Gewichts-Zu- resp. Abnahme einer 
Quantität trockener Wolle zu messen. Ungefähr gleichzeitig erwähnte 
Lionardo da Vinci ein ähnliches Absorptionshygrometer. In der Mitte des 
16. Jahrhunderts finden wir bei Mizauld die ersten Notizen über den Einflufs 
der Luftfeuchtigkeit auf die Darmsaiten musikalischer Instrumente; um diese 
Zeit entstanden wahrscheinlich die „Wettermännchen“ und „Wetterweibchen“. 
Zu Anfang des 17. Jahrhunderts wurde wilder Hafer vielfach als hygroskopische 
Substanz verwerthet. Die Konstruktion des ersten Kondensationshygrometers 
(mostra umidaria genannt) wird dem Grofsherzog Ferdinand II. von Toscana 
zugeschrieben. Sein Instrument bestand aus einem kegelförmigen Gefäfs an 
dessen untere Oeffnung sich ein konischer Glastrichter anschlofs, dessen Spitze 
nach unten gekehrt war. Wurde das Gefäfs mit Schnee oder Eis gefüllt, so 
kondensirte sich der Wasserdampf der Luft an dem stark abgekühlten Glas 
trichter und flofs allmählich als tropfbares Wasser in ein darunter gestelltes 
graduirtes Mefsglas ab.
	        
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