Zur Geschieht« der Meteorologie.
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Das erste aller meteorologischen Instrumente ist die Windfahne; dieselbe
reicht noch weit bis ins Alterthum zurück. Das älteste uns bekannte zur Be
obachtung der Windrichtung dienende Monument, der „Thurm der Winde“ zu
Athen, ist in seinen wesentlichsten Theilen noch jetzt erhalten; derselbe ist
etwa 100 v. Chr. von Andronicus Cyrrbestes erbaut; die Windfahne besteht
aus einem über dem Dache angebrachten Triton, der, sich nach dem Winde
drehend, mit einem Stabe auf die betreffende, unterhalb des Architravs an
gebrachte Inschrift eines der 8Hauptwiude zeigt. Die jetzige Eiutheilung der Wind
rose in 16 resp. 32 Theile und Bezeichnung der Himmelsrichtungen ist erst
nach der Einführung des Kompasses gebräuchlich geworden. Wenn Seneca
meint, dafs man in den ältesten Zeiten die Himmelsrichtungen nicht unter
schieden habe, so hatten doch zu Homer’s und Hesiod’s Zeiten (8. u. 9. Jahr
hundert v. Chr.) die 4 Hauptwinde bereits Namen und waren ihrem Charakter
nach bekannt. Wenig später treten bei den Griechen zu den 4 Hauptwinden
noch 4 Nebenwinde; Aristoteles erwähnt die Achttheilung der Windrose als
etwas längst Bekanntes. Gleichzeitig tritt aber auch eine Zwölftheilung auf,
indem jeder der Hauptwinde 2 Nebenwinde erhält. Später bei den Römern
finden wir beide Theilungen, sowohl die in 8 als die in 12 Striche neben ein
ander gebräuchlich; allmählich verschaffte sich jedoch die letztere allgemeinere
Geltung. Zu Karls des Grofsen Zeiten treten neben den lateiuischen Namen
zuerst deutsche auf, die sich im Wesentlichen bei fast allen europäischen
Nationen eingebürgert und bis auf den heutigen Tag erhalten haben. Des be
sonderen Interesses wegen, welches diese Namen haben dürften, lassen wir die
selben hier folgen:
Lateinisch.
Deutsch zur Zeit Karls des Grofsen.
Jetzt.
Subsolanus
Ostroni
Ost
Euims
Ostsundroni
Ostsüdost
Euroauster
Sundoströni
Südost
Auster
Sundroni
Süd
Austroafricus
Sundwestroni
Südsüdwest
Africus
Westsundroni
Süd west
Zephyrus
Westroni
West
Corus
Westnordroni
Westnordwest
Circius
Nordwestroni
Nordwest
Septentrio
N ordroni
Nord
Aquilo
Nordostroni
Nordnordost
Vulturnus
Ostnordroni
Nord o st
Erst bedeutend später als die Beobachtung der Windrichtung erfolgte
die Messung der Windstärke. Das erste Anemometer, ein Pendelanemometer,
ähnlich wie das moderne von Wild, ist vom Physiker Robert Hooke Ende
des 17. Jahrhundert (1667) erfunden; er mifst die Windstärke durch den Winkel
ausschlag einer dem Winde senkrecht entgegenstehenden Tafel. Früher als der
Windmesser war das Hygrometer bekannt; Mitte des 15. Jahrhunderts schlägt
der Kardinal Nicolaus de Cusa, der in der Nähe von Trier geboren, vor,
den Feuchtigkeitsgehalt der Luft durch die Gewichts-Zu- resp. Abnahme einer
Quantität trockener Wolle zu messen. Ungefähr gleichzeitig erwähnte
Lionardo da Vinci ein ähnliches Absorptionshygrometer. In der Mitte des
16. Jahrhunderts finden wir bei Mizauld die ersten Notizen über den Einflufs
der Luftfeuchtigkeit auf die Darmsaiten musikalischer Instrumente; um diese
Zeit entstanden wahrscheinlich die „Wettermännchen“ und „Wetterweibchen“.
Zu Anfang des 17. Jahrhunderts wurde wilder Hafer vielfach als hygroskopische
Substanz verwerthet. Die Konstruktion des ersten Kondensationshygrometers
(mostra umidaria genannt) wird dem Grofsherzog Ferdinand II. von Toscana
zugeschrieben. Sein Instrument bestand aus einem kegelförmigen Gefäfs an
dessen untere Oeffnung sich ein konischer Glastrichter anschlofs, dessen Spitze
nach unten gekehrt war. Wurde das Gefäfs mit Schnee oder Eis gefüllt, so
kondensirte sich der Wasserdampf der Luft an dem stark abgekühlten Glas
trichter und flofs allmählich als tropfbares Wasser in ein darunter gestelltes
graduirtes Mefsglas ab.