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Full text: Annalen der Hydrographie und maritimen Meteorologie, 18 (1890)

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Die Winde zu Keitum auf Sylt. 
dürfen wir wohl von anderer Seite erhoffen. Ich habe die Anemometerauf- 
zeichnungen von Keitum im Wesentlichen nach den in vorstehender Einleitung 
entwickelten Gesichtspunkten in möglichstem Anschlufs an die genannte Unter 
suchung Hann’s bearbeitet und lasse im Folgenden den ersten Theil der dabei 
gewonnenen Resultate folgen. 
Die Behandlung der stürmischen Winde und ihre Beziehung zu den 
barometrischen Depressionen denke ich demnächst in einer zweiten Mittheilung 
folgen zu lassen. 
Zunächst habe ich die Häufigkeit der Winde für die einzelnen Monate 
und die meteorologischen Jahreszeiten bestimmt, und zwar, den Anemometer- 
registrirnngen entsprechend, für die 1 Gtheilige Windrose. Nach der Formel 
N _ N _l_ NNW + NNE 
wurden dann die Häufigkeit der Hauptrichtungen abgeleitet und so Tabelle 1 
erhalten, in welcher die Zahlen angeben, wie viele von 100 Beobachtungen 
durchgehende auf die einzelnen Richtungen fallen. 
Tabelle I. 
Häufigkeit der Winde zu Keitum. 
5 Jahre. Procente. 
N 
NE 
E 
SE 
S 
SW 
W 
NW 
C 
Januar 
7,1 
11,9 
13,7 
14,0 
8,2 
15,6 
17,0 
11,9 
0,6 
Februar 
4,0 
7,8 
11,4 
15,7 
13,0 
24,7 
17,9 
4,7 
0,8 
März 
10,5 
11,7 
13,9 
15,7 
6,8 
10,9 
16,5 
13,4 
0,5 
April 
10,5 
18,0 
19,4 
16,3 
5,3 
7,8 
12,3 
10,2 
0,4 
Mai 
13,0 
8,6 
9,0 
6,0 
4,5 
15,4 
24.2 
19,0 
0,3 
Juni 
13,4 
7,8 
8,3 
5,7 
3,0 
13,9 
21,4 
26,4 
0,1 
Juli 
10,8 
3,4 
5,1 
6,9 
5,8 
18,0 
26,2 
22,1 
1,9 
August 
14,4 
6,4 
9,5 
8,4 
5,1 
10,4 
21,0 
23,8 
1,1 
September 
5,5 
5,2 
12,2 
10,3 
7,4 
19,7 
21,5 
17,9 
0,3 
Oktober 
13,5 
9,8 
6,0 
8,7 
9,0 
12,4 
19,9 
20,1 
0,6 
November 
11,3 
9,7 
8,6 
12,5 
13,3 
19,0 
15,7 
9,5 
0,3 
Dezember 
8,6 
8,7 
5,8 
5,1 
6,5 
19,4 
28,2 
16,6 
1,2 
Winter 
6,6 
9,5 
10,3 
11A 
9,2 
19,8 
21,1 
11,2 
0,9 
Frühling 
11,3 
12,7 
14,0 
12,6 
5,5 
11,4 
17,7 
14,2 
0,4 
Sommer 
12,9 
5,9 
7,6 
7,0 
4,6 
14,1 
22,8 
24,1 
1,0 
Herbst 
10,1 
8,3 
9,0 
10,5 
9,9 
17,0 
19,0 
15,8 
0,4 
Wie man sieht, herrschen mit Ausnahme von April das ganze Jahr hin 
durch die W-, NW- und SW-Winde vor, relativ häufig sind auch die gerade 
entgegengesetzten Winde aus E und SE. Sehr selten wird dagegen reiner 
Südwind beobachtet, auch N und NE treten selten auf. In der jährlichen 
Periode erreichen die Winde aus NE bis S in der kälteren Hälfte des Jahres 
die gröfste Häufigkeit, SW nimmt eine mittlere Stellung ein, und W, NW und N 
wehen am häufigsten in der wärmeren Zeit des Jahres. 
Die jährliche Periode der Windgeschwindigkeit ohne Rücksicht 
auf die Richtung ist in Tabelle 2 gegeben. Diese Werthe sind aus den in 
„Meteorologische Beobachtungen in Deutschland“ mitgetheilten monatlichen 
Stundenmitteln abgeleitet. 
Hiernach scheint auch an der Nordsee die jährliche Periode eine doppelte 
zu sein. Ein Hauptmaximum fällt auf den Februar und ein zweites Maximum 
auf den Oktober, die zugehörigen Minima treten im August und Januar auf. 
Das Februar-Maximum verhält sich zum August-Minimum wie 1,38 zu 1. Dieses 
Verhältnis ist aber noch keineswegs sehr sicher, denn die mittlere Geschwindig 
keit ist im August sehr veränderlich, sie wird in dieser Hinsicht nur durch die 
des Januar übertroffen. Es wird also der Werth der Minima noch ziemlich 
unsicher sein.
	        
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