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Full text: Annalen der Hydrographie und maritimen Meteorologie, 18 (1890)

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Di<? Winde zn Keitum auf Sylt. 
richtungen abzuleiten. Die Berücksichtigung der Geschwindigkeit geschieht in 
der Weise, dafs man die Wege berechnet, welche die verschiedenen Wände in 
derselben Zeit zurücklegen. Diese Windwege sind durch die Summen der 
Geschwindigkeiten direkt gegeben, wenn diese in Kilometern pro Stunde vor 
liegen; ist die Geschwindigkeit aber durch Meter pro Sekunde definirt, so hat 
man die Metersummen sämmtlich mit 8600 zu multiplicireu, um die wahren 
Wändwege in Metern zu erhalten; da aber hierdurch der Gang der Zahlen nicht 
geändert wird, so kann man diese Multiplikation auch unterlassen. — Dividirt 
man alsdann den Weg jedes Windes durch seine Häufigkeit zu der betreffenden 
Stunde, so erhält man die tägliche Periode der mittleren Geschwindigkeit für 
die einzelnen Windrichtungen. 
Sehr zu empfehlen ist hierneben eine gesonderte Untersuchung der starken 
und stürmischen Winde. Zu den starken Winden sind die mit 10 m per Sek. 
und mehr, zu den stürmischen die mit 15 m per Sek. und mehr zu rechnen. 
Im Allgemeinen ist eine solche Untersuchung nach denselben Gesichtspunkten 
durchzuführen, wie die der Winde überhaupt, von einigen Besonderheiten, so 
namentlich von der Beziehung der stürmischen Winde zu den barometrischen 
Depressionen, wird im zweiten Theile dieser Abhandlung die Rede sein. 
Die Frage, in welchem Yerhältnifs die Stärkegrade der Beaufort-Skala 
zur absoluten Windgeschwindigkeit stehen, ist wiederholt Gegenstand der Unter 
suchung gewesen; die Resultate aber, zu denen man gelangt ist, weichen sehr 
von einander ab (vgl. Köppen, „Quat. Journ. of the R. Meteor. Soc.“, Vol. XI, 
1885, „Met. Zeitschr.“, 3, S. 230, 1886). Die Abweichungen haben ihren Grund 
zum Theil in der unvermeidlichen Willkür bei der Schätzung, zum Theil beruhen 
sie auf verschiedenartiger Berechnung der Anemometeraufzeiehnungen und der 
Verschiedenheit der Instrumente, zum Theil endlich erklären sie sich auch wohl 
aus einem systematischen Fehler bei der Vergleichung der Schätzung mit der 
Messung, der darin beruht, dafs man bei dieser Vergleichung die Anemometer 
angaben nach der Gröfse der Schätzungen ordnete, während man, wie Köppen 
(„Met. Zeitschr.“, 5, S. 239, 1888) gezeigt hat, gerade umgekehrt verfahren 
mufs. Die Windgeschwindigkeiten, wie sie den Anemometeraufzeichnungen ent 
nommen werden, sind Integralwerthe bestimmter Zeitabschnitte, sie liegen also 
zwischen den extremen Werthen der Geschwindigkeit während jener Zeit 
abschnitte. Die geschätzten hohen Momentanwerthe entsprechen dagegen zu 
meist der gröfsten Geschwindigkeit innerhalb jener Zeit. Wenn man also jene 
Integralwerthe nach den geschätzten Momentanwerthen ordnet, so werden ihre 
Differenzen zu klein ausfallen, und die Werthe aller Stufen werden dem Mittel 
angenähert. „Umgekehrt aber darf man das Mittel vieler zufällig heraus 
gegriffener Momentbeobachtungen als eine richtige Probe (Muster) der betreffen 
den Stunden ansehen, welche nach ihrem Windwege charakterisirt sind, und 
erhält man also aus einer Anordnung nach Anemometerangaben ein einwurfs 
freies Resultat. Will man die den ganzen Graden der Schätzungsskala ent 
sprechenden Windgeschwindigkeiten kennen lernen, so mufs man sie aus den 
gewonnenen Mittelwerthen durch Interpolation ableiten.“ 
Nach dieser strengeren Methode sind bisher erst wenige Reduktionen 
vorgenommen, und es ist daher dringend zu rathen, wo das nöthige Material 
dazu vorliegt, das Aequivalent der Schätzungsskala zu berechnen. In den 
Publikationen der Seewarte beziehen sich die für dio Stunden des Tages an 
gegebenen Geschwindigkeiten auf die soeben abgelaufene Stunde, ich habe daher 
bei der Vergleichung der Schätzungen um 8 a, 2 p, 8 p nicht die für diese 
Stunden angegebenen Geschwindigkeiten benutzt, sondern die Mittelwerthe 
8+9 ,2+3 
~2 Und ~T 
Diese Mittelwerthe wurden mit den ihnen zugehörigen 
Schätzungen in Gruppen von je 1 m per Sek. Umfang geordnet, die erste 
Gruppe umfafste alle Werthe von 0,0 bis 0,9, die zweite alle Werthe von 1,0 
bis 1,9 u. s. f. Das Mittel aus allen in einer solchen Gruppe enthaltenen Wind 
stärken entspricht alsdann der mittleren Geschwindigkeit eben dieser Gruppe; 
diese mittleren Geschwindigkeiten sind aber 0,45, 1,45 ... So ist die folgende 
Tabelle erhalten, in welcher zwischen Windgeschwindigkeit (Meter per Sek.) 
und Windstärke noch die Anzahl der Beobachtungen der betreffenden Gruppe 
eingefügt ist.
	        
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