Die Winde zu Keitum auf Sylt.
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Zunächst die Windrichtung betreffend, so ist dieselbe nach dem Muster
von Scho uw ausführlich darzustellen. Man hat alle Beobachtungen nach der
Zeit und nach der Windrichtung zu sondern. Aus diesen Tabellen ist dann
mit Leichtigkeit die Häufigkeit der einzelnen Windrichtungen abzuleiten, und
zwar ist die tägliche und die jährliche Periode der Häufigkeit zu geben. Auch
wenn von einem Orte nur dreimalige Beobachtungen pro Tag vorliegen, wird
es sich empfehlen, die jährliche Periode gesondert für die drei Termine abzu
leiten. Die tägliche Periode ändert sich erfahrungsgemäfs im Laufe des Jahres
nur langsam, so dafs es meistens gestattet erscheinen wird, mehrere Monate
zusammenzuziehen und die Periode beispielsweise nur für die Jahreszeiten dar
zustellen, es erleichtert das die Uebersicht sehr, darf aber natürlich nur ge
schehen, wenn man sich vorher versichert hat, dafs die zusammengefafsten
Monate nicht wesentlich von einander abweichen. Aus den schon von Scho uw
angegebenen Gründen ist die Periode, die jährliche wie die tägliche, nicht durch
die Anzahl der einzelnen Beobachtungen anzugeben, sondern dadurch, dafs man
zeigt, wie oft die einzelnen Windrichtungen unter 100 bezw. 1000 Beobachtungen
vertreten sind. Diese Beduktion ist so spät als möglich vorzunehmen, und es
ist immer die Gesammtzahl aller Beobachtungen hinzuzufügen, wenn diese sich
nicht von selbst versteht; denn nur dadurch wird es möglich, die ursprünglichen
Zahlen wieder herzustellen, was in dem Falle viel Arbeit erspart, dafs spätere
Beobachtungen an die bereits verarbeiteten angeschlossen werden sollen.
Die Windstärke wurde früher nach einer vier-, sechs- oder ackttheiligen,
in neuerer Zeit fast allgemein nach einer zwölftheiligen, der sogenannten Beaufort-
Skala geschätzt, so dafs 0 Windstille und 12 den schwersten Orkan bezeichnet.
Mit einer solchen Schätzung ist aber nothwendig eine gewisse Willkür, eine
Art persönlicher Gleichung verbunden, und dadurch wird die Vergleichbarkeit
der Ergebnisse aus den Beobachtungen verschiedener Stationen sehr beein
trächtigt. Es gilt als der Erfahrung entsprechend, dafs der Binnenlandbewohner
die Windstärke durchgehende etwas höher schätzt, als der Küstenbewohner.
Etwas besser steht es um die Angaben der registrirenden Anemometer, doch
sind auch hier mancherlei Umstände vorhanden, welche die Angaben ver
schiedener Instrumente ihrem absoluten Werthe nach schwer vergleichbar er
scheinen lassen. Die Aufzeichnungen derselben werden durch die Exposition
stark beeinflufst und werden nicht überall nach denselben Regeln reducirt ver
öffentlicht. Auch sind die Konstanten desselben Anemometers mit der Zeit
schwer kontrolirbaren Aenderungen unterworfen.
Nehmen wir indessen an, die von einer meteorologischen Station vor
liegenden Angaben seien unter sich homogen, so bietet sich die Frage dar, was
haben wir in dem arithmetischen Mittel aus der Windstärke? und was ist über
die Abweichungen von dem Mittelwerthe zu sagen? — Für die Windstärke giebt
es eine untere feste Grenze, nämlich 0, eine obere dagegen existirt nicht, nur
für die Beaufort-Skala ist eine solche, 12, willkürlich angegeben. Man wird
hieraus folgern können, dafs im Allgemeinen Abweichungen nach der Seite
„zu klein“, soweit sie überhaupt Vorkommen können, häufiger sind als gleich
grofse in der Richtung „zu grofs“, und dafs möglicherweise der Mittelwerth
selbst keineswegs die am häufigsten beobachtete Stärke ist. Es schien von
Interesse, diesen Punkt au den Beobachtungen zu prüfen, zumal sich in dieser
Hinsicht bei den anderen meteorologischen Elementen sehr charakteristische
Erscheinungen theils schon gezeigt haben, theils noch zeigen werden. Ich habe
daher aus den fünf Jahren 1879—80, 1883—85, für welche sowohl die Schätzungen
als auch die Anemometerregistrirungen in „Meteorologische Beobachtungen in
Deutschland“ für Keitum veröffentlicht sind, die Beobachtungen nach den Wind
stärken bezw. Geschwindigkeiten geordnet und gebe im ersten Theile der
folgenden Tabelle die Häufigkeit, mit welcher die einzelnen Stärkegrade der
Beaufort-Skala notirt worden sind, und im zweiten Theile die Häufigkeit der
verschiedenen Windgeschwindigkeiten (Meter per Sekunde) nach Gruppen von
je 1 m Umfang, so dafs die mit 0, 1, 2 . . . überschriebenen Kolonnen alle die
Registrirungen enthalten, welche zwischen 0,00 und 0,99, 1,00 und 1,99,2,00 und 2,99
etc., die Grenzen eingeschlossen, liegen; es sind also 0,495, 1,495, 2,495... die
den einzelnen Gruppen entsprechenden mittleren Windgeschwindigkeiten. Von
den Registrirungen sind nur die aus den den Beobachtungsterminen 8 a, 2 p, 8 p
Anu. d. Hydr. etc,, 189$ Heft II. 4.