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Full text: Annalen der Hydrographie und maritimen Meteorologie, 18 (1890)

Die Winde zu Keitum auf Sylt. 
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Zunächst die Windrichtung betreffend, so ist dieselbe nach dem Muster 
von Scho uw ausführlich darzustellen. Man hat alle Beobachtungen nach der 
Zeit und nach der Windrichtung zu sondern. Aus diesen Tabellen ist dann 
mit Leichtigkeit die Häufigkeit der einzelnen Windrichtungen abzuleiten, und 
zwar ist die tägliche und die jährliche Periode der Häufigkeit zu geben. Auch 
wenn von einem Orte nur dreimalige Beobachtungen pro Tag vorliegen, wird 
es sich empfehlen, die jährliche Periode gesondert für die drei Termine abzu 
leiten. Die tägliche Periode ändert sich erfahrungsgemäfs im Laufe des Jahres 
nur langsam, so dafs es meistens gestattet erscheinen wird, mehrere Monate 
zusammenzuziehen und die Periode beispielsweise nur für die Jahreszeiten dar 
zustellen, es erleichtert das die Uebersicht sehr, darf aber natürlich nur ge 
schehen, wenn man sich vorher versichert hat, dafs die zusammengefafsten 
Monate nicht wesentlich von einander abweichen. Aus den schon von Scho uw 
angegebenen Gründen ist die Periode, die jährliche wie die tägliche, nicht durch 
die Anzahl der einzelnen Beobachtungen anzugeben, sondern dadurch, dafs man 
zeigt, wie oft die einzelnen Windrichtungen unter 100 bezw. 1000 Beobachtungen 
vertreten sind. Diese Beduktion ist so spät als möglich vorzunehmen, und es 
ist immer die Gesammtzahl aller Beobachtungen hinzuzufügen, wenn diese sich 
nicht von selbst versteht; denn nur dadurch wird es möglich, die ursprünglichen 
Zahlen wieder herzustellen, was in dem Falle viel Arbeit erspart, dafs spätere 
Beobachtungen an die bereits verarbeiteten angeschlossen werden sollen. 
Die Windstärke wurde früher nach einer vier-, sechs- oder ackttheiligen, 
in neuerer Zeit fast allgemein nach einer zwölftheiligen, der sogenannten Beaufort- 
Skala geschätzt, so dafs 0 Windstille und 12 den schwersten Orkan bezeichnet. 
Mit einer solchen Schätzung ist aber nothwendig eine gewisse Willkür, eine 
Art persönlicher Gleichung verbunden, und dadurch wird die Vergleichbarkeit 
der Ergebnisse aus den Beobachtungen verschiedener Stationen sehr beein 
trächtigt. Es gilt als der Erfahrung entsprechend, dafs der Binnenlandbewohner 
die Windstärke durchgehende etwas höher schätzt, als der Küstenbewohner. 
Etwas besser steht es um die Angaben der registrirenden Anemometer, doch 
sind auch hier mancherlei Umstände vorhanden, welche die Angaben ver 
schiedener Instrumente ihrem absoluten Werthe nach schwer vergleichbar er 
scheinen lassen. Die Aufzeichnungen derselben werden durch die Exposition 
stark beeinflufst und werden nicht überall nach denselben Regeln reducirt ver 
öffentlicht. Auch sind die Konstanten desselben Anemometers mit der Zeit 
schwer kontrolirbaren Aenderungen unterworfen. 
Nehmen wir indessen an, die von einer meteorologischen Station vor 
liegenden Angaben seien unter sich homogen, so bietet sich die Frage dar, was 
haben wir in dem arithmetischen Mittel aus der Windstärke? und was ist über 
die Abweichungen von dem Mittelwerthe zu sagen? — Für die Windstärke giebt 
es eine untere feste Grenze, nämlich 0, eine obere dagegen existirt nicht, nur 
für die Beaufort-Skala ist eine solche, 12, willkürlich angegeben. Man wird 
hieraus folgern können, dafs im Allgemeinen Abweichungen nach der Seite 
„zu klein“, soweit sie überhaupt Vorkommen können, häufiger sind als gleich 
grofse in der Richtung „zu grofs“, und dafs möglicherweise der Mittelwerth 
selbst keineswegs die am häufigsten beobachtete Stärke ist. Es schien von 
Interesse, diesen Punkt au den Beobachtungen zu prüfen, zumal sich in dieser 
Hinsicht bei den anderen meteorologischen Elementen sehr charakteristische 
Erscheinungen theils schon gezeigt haben, theils noch zeigen werden. Ich habe 
daher aus den fünf Jahren 1879—80, 1883—85, für welche sowohl die Schätzungen 
als auch die Anemometerregistrirungen in „Meteorologische Beobachtungen in 
Deutschland“ für Keitum veröffentlicht sind, die Beobachtungen nach den Wind 
stärken bezw. Geschwindigkeiten geordnet und gebe im ersten Theile der 
folgenden Tabelle die Häufigkeit, mit welcher die einzelnen Stärkegrade der 
Beaufort-Skala notirt worden sind, und im zweiten Theile die Häufigkeit der 
verschiedenen Windgeschwindigkeiten (Meter per Sekunde) nach Gruppen von 
je 1 m Umfang, so dafs die mit 0, 1, 2 . . . überschriebenen Kolonnen alle die 
Registrirungen enthalten, welche zwischen 0,00 und 0,99, 1,00 und 1,99,2,00 und 2,99 
etc., die Grenzen eingeschlossen, liegen; es sind also 0,495, 1,495, 2,495... die 
den einzelnen Gruppen entsprechenden mittleren Windgeschwindigkeiten. Von 
den Registrirungen sind nur die aus den den Beobachtungsterminen 8 a, 2 p, 8 p 
Anu. d. Hydr. etc,, 189$ Heft II. 4.
	        
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