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Aus dem Reiseberichte des deutschen Schoners „Sagtevland“.
Auf dem Ostufer der Lagune, also aufsegelnd an Steuerbordseite, befinden sich
vier Leuchtfeuer, sodafs die Schiffe, falls sie günstigen Wind und sichtiges
Wetter haben, auch zur Nachtzeit ihren Weg verfolgen können. Vor dem
nordwestlichen Arm der Lagune, auf dem die Weiterfahrt vor sich geht, liegt
bei der Landspitze Itapuan, auf welcher ein Leuchtfeuer unterhalten wird,
ebenfalls eine Sandbank, welche sehr hart ist. Durch dieselbe führt eine gut
ausgebakte und für kleinere Schiffe genügend tief ausgebaggerte Fahrrinne.
Von hier aus bis Porto Alegre ist das Fahrwasser sehr gewunden, in den
Krümmungen kommen Kurse von 0 über N bis nach W vor, und da aufserdem
auch noch mehrere flache Stellen zu passiren sind, so ist ein tüchtiger Lootse
unentbehrlich. Ohne einen solchen an Bord zu haben, wird man unfehlbar
festlaufen und dann durch das nothwendig werdende Leichtern des Schiffes
grofsen Zeitverlust erleiden.
Die Stadt Porto Alegre liegt auf dem Ostufer der Lagune, ungefähr der
Mündung des Flusses Jacuy gegenüber, der sich von Westen her unter einem
rechten Winkel in die Lagune ergiefst. Der geräumige und tiefe Hafen ge
währt einer grofsen Zahl von Schiffen Platz. Die Schiffe liegen hier, wegen
der Pamperos, vor zwei Bugankern, auf weichem, gut haltendem Ankergrund;
die von einem auswärtigen Hafen angekommenen bei der Zollabfertigungsstelle,
solche mit Ladung aus einheimischen Häfen innerhalb der Zollgrenze. Proviant
aller Art ist in reichlicher Menge vorhanden und daher zu billigem Preise er
hältlich. Ein Kielleichter bietet den Schiffen Gelegenheit, etwaige Reparaturen
unter Wasser ausführen zu lassen. Der Platz mufs in jeder Weise als ein an
genehmer für Schiffe bezeichnet werden; leider aber erfordert die Erreichung
desselben, wegen der geringen Tiefen des Fahrwassers, manchmal viel Zeit,
auch ist die Fahrt hierher für Segelschiffe weniger lohnend, seitdem vier
regelmäfsige Dampferlinien (zwei brasilianische und zwei englische), mit im
Ganzen 12 Dampfern, den Verkehr mit den Küstenplätzen aufgenommen und
die Frachten sehr gedrückt haben.
Auch für uns war in Porto Alegre keine annehmbare Fracht zu erlangen.
Ich entschlofs mich deshalb, eine Ladung von Pelotas nach Rio de Janeiro
anzunehmen. Die Reise von Porto Alegre nach Pelotas beanspruchte nur
29 Stunden.
Die Witterung war während unseres hiesigen Aufenthalts vom 17. Januar
bis zum 8. April 1888 stets warm, aber angenehm. Pamperos traten nur selten
auf und waren rnäfsig an Stärke und von kurzer Dauer. Der Wind war vor
herrschend von E bis NE, zeitweise mit der Stärke 7 wehend. Am Morgen
des 8, April 1 wurden wir mit einem Tiefgange von 1372 Palmen (3 m) bei
frischem NNE-Winde und hoher See aus ENE, über die Barre bugsirt und
standen dann auf B-B.-Halsen vom Lande ab.