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Aus dem Reiseberichte des deutschen Schoners „Sagterland“.
Barre berührte das Schiff einmal den Grund, als es gegen die ziemlich hohe
Dünung anluven raufste und dabei zu stampfen begann.
Auf der von mir benutzten Karte der britischen Admiralität, No. 528,
„Maranham to Pernambuco“, liegt die Mündung des Fahrwassers auf der Barre
von Macdu auf 5° 4,5' S-Br und 36° 41,5' W-Lg. Soweit ich nach dieser Karte
navigirte, habe ich dieselbe als ziemlich zuverlässig befunden.
IV. Reise von Macäu nach Rio Grande do Snl und Porto Alegre.
Die starke Seebriese, welche während meines Aufenthalts in Macdu fast
immer stürmisch war und am Tage meines Reiseantritts, am 17. Dezember 1887,
gleichfalls mit grofser Kraft einsetzte, liefs es mir nicht rathsam erscheinen,
nahe der Küste und innerhalb der vorlagernden Bänke aufzuarbeiten. Ich
entschlofs mich vielmehr, vom Lande abzustehen, in der Erwartung, dort
besseres Wetter vorzufinden. Allein auch hier wehte der Wind so frisch, dafs
bei dem starken Seegang die leichten Segel nicht geführt und nicht aufgekreuzt
werden konnte. Dazu setzte die Strömung, obgleich sie unregelmäfsig in Stärke und
Richtung war, immer westwärts. Am sechsten Tage der Reise war unser Schiffsort
auf 2° S-Br und 34° 50' W-Lg, und wir hatten somit während der Zeit etwa 220 Sm
nach NOzN zurückgelegt. Nachdem ich eingesehen hatte, dafs auf diese Weise
nicht vorwärts zu kommen sei, entschlofs ich mich, wieder nach der Küste zu
wenden, die wir denn auch, nachdem wir 9 Tage in See gewesen, an derselben
Stelle, wo wir sie verlassen hatten, wieder anliefen. Zunächst kreuzten wir
nun mit kleinen Segeln unter der Küste und der Lavandeira-Badk auf, wobei
wir uns am Tage sehr nahe, während der Nacht entfernter hielten. Das Wetter
war hier reichlich so gut, als in einem weiteren Abstande von der Küste, und
vor allen Dingen die See viel ruhiger, sobald man Deckung hinter einem Riff
oder einer Bank hatte.
Natürlich mufs man beim Aufkreuzen hier unter Land scharf auf das
Loth und die Farbe der Meeresoberfläche achten und aufserdem eine möglichst
genaue Loggerechnung führen. Die Klippen „Cabefo do Oliveira“ ragen einige
Meter aus dem Wasser hervor, sind daher weit genug zu sehen und auch des
halb leicht zu vermeiden, weil sie an allen Seiten passirt werden können. Die
übrigen Untiefen machen sich durch die hellgrüne Farbe des Wassers und die
Biandung erkennbar. Man darf sich denselben daher am Tage bis auf einen
kleinen Abstand nähern; aber in der Nacht ist grofse Vorsicht geboten, weil
sie nicht angelothet werden können. Einige Kabellängen von den Riffen ent
fernt, fand ich in einzelnen Fällen noch Tiefen von 3272 m (18 Faden) und auf
Tiefen von 16 bis 18 m (9 bis 10 Faden) noch dunkelgrünes Wasser, nicht
hellgrün, wie auf geringeren Tiefen. Die westliche Strömung war innerhalb
der Riffe nur gering, erreichte dagegen aufserhalb derselben eine Geschwindig
keit von 72 bis */* Knoten. Nach Verlauf von zwei Tagen standen wir östlich
von den Riffen Lavandeira und Urea da Cotia, auf welch letzterem eine schwere
Brandung lief. Von hier ab steuerten wir wieder nach der Küste, die ganz
rein ist und unter der wir, uns auf flachem Wasser haltend, recht gut auf
arbeiten konnten, so dafs der Schiffsort am folgenden Mittag schon im Osten
von Sioia-Riff war*.
Zwischen Lavandeira und Kap Calcanhar darf man sich dem Lande ruhig
bis auf Vs Sm Abstand nähern, wo man eine Wassertiefe von 9 m (5 Faden)
hat. Die sandige, hügelige Küste ist etwa 12 Sm weit sichtbar. Eine sehr
gute Landmarke ist Ilha da Cima, auf 5° 5' S-Br und 35° 45' W-Lg, ein
schwarzer, abgestumpfter Kegel von 6 bis 7 m Höhe und 4 bis 5 m Durch
messer, nebst den rechts (westlich) davon auf dem weifsen Küstensande in
einer Linie stehenden drei Palmen. 6 Sm weiter südostwärts befindet sich bei
<St. Christo nahe am Strande eine gröfsere Gruppe von Bäumen, während etwas
westlich davon solche nur vereinzelt Vorkommen. Der am weitesten und am
besten sichtbare Punkt der Küste ist indefs Cajuciros oder Morro Branco, ein
Berg auf 5° 8'S-Br und 35° 34'W-Lg, dessen vorwiegend dunkele Oberfläche
von gelben Feldern unterbrochen wird und der daher schon in einer Entfernung
von 17 bis 18 Sm gut zu erkennen ist. Das etwas weiter nach SO, auf 5° 10'
S-Br und 35° 30' W-Lg belegene Kap Calcanhar ist eine abfallende, niedrige