Aus dem Reiseberichte des deutschen Schoners „Sagterland*.
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säulen, welche erstere ausspieen, hielt ich anfangs für Brandung, bis ich die
Thiere mit ihren Rücken sich hoch über die Meeresoberfläche erheben sah.
Die angestellten Beobachtungen ergaben, dafs unsere Länge annähernd
4° westlicher war, als sie nach dem Chronometer sein sollte. Wir hatten dem
nach den Aequator nicht, wie angenommen, auf 27° 45' W-Lg, von wo aus wir
nöthigen Falls noch einige Grade westlicher Länge vergeben konnten, um Kap
St. Roque zu klaren, sondern auf 31° 40'W-Lg geschnitten. Glücklicherweise
trafen wir den SE-Passat sehr raum, sonst wären wir sicherlich zu niedrig
gekommen.
II. Die Barre vor dem Rio Grande do Sul.
Am 8. Oktober 1887 sichteten wir um 87* Uhr Abends das Feuer von
Rio Grande do Sul und hielten dann für die Nacht das Schiff bei frischer,
nordöstlicher Briese in Sicht desselben gehen, worauf wir mit Tagesanbruch
bis nahe an die Barre hinansegelten. Nachdem das Barreboot um l l h b &. m.
herausgekommen war und den Wasserstand auf der Barre untersucht hatte,
wurde uns dieser zu 97s Fufs engl. (2,9 m) signalisirt. Da unser Schiff einen Tief
gang von 9' 2" hatte, so konnte der schon bereitliegende Schleppdampfer uns
sofort ins Tau nehmen und einschleppen. Es fiel demselben indefs schwer, mit
dem Schiffe gegen den 3 bis 4 Sm betragenden auslaufenden Strom und den
frischen nordöstlichen Wind einen nennenswerthen Fortschritt zu machen. Die
flachste Stelle auf der Barre, die wir fanden, hatte immer noch einen Wasser
stand von 12 Fufs (3,6 m). Im Laufe des Tages wurde den ansegelnden
Schiffen denn auch eine gröfsere Tiefe als uns signalisirt, und es kamen solche
mit einem Tiefgang von 11 Vs Fufs (3,5 m) ein.
Der Lootse leitet das Schiff beim Einsegeln durch Winken mit einer
rothen Flagge von seinem Boote aus.
Die aussegelnden Schiffe haben den Lootsen an Bord, was insofern un
bequem ist, als derselbe, nachdem die Barre passirt ist, im Schiffsboot nach
dem vor der Barre liegenden Barreboot zurückgebracht werden mufs. Wenn
Wind und Strömung entgegen, ist dieses schwierig und zeitraubend. Das Schiff
wird während der Zeit unter Segel gehalten. Das Leuchtfeuer ist gegenwärtig
bedeutend weiter als früher, nämlich 15 Sm weit sichtbar. Dasselbe zeigt fünf
helle, schnell aufeinander folgende Blinke von zusammen 18 Sek. Dauer und
dann für 20 Sek. ein festes weifses Feuer. Wie ich hier erfahren habe, soll
baldigst mit der Vertiefung der Barre begonnen werden. Zu diesem Zweck ist
die Anlage zweier Wellenbrecher auf der Barre geplant, um die aus dem
Flusse kommende Strömung in gerader Richtung über diese hinweg zu leiten.
Innerhalb derselben wird fortwährend durch Baggerung an der Vertiefung des
Fahrwassers gearbeitet werden.
III. Der Hafen von Macäu in der Provinz Rio Grande do Norte.
Von Rio Grande do Sul versegelten wir am 9. November 1887 in Ballast
nach Macdu, um von dort eine Ladung Salz hierher zurück zu bringen. Am
4. Dezember sichteten wir, nahe unserem Reiseziel, um 8 h a. m. Land — den
Berg Mangue-Secco — in SSW, ca 15 Sm entfernt. Nachdem der anfangs
flaue Wind aus ENE aufgefrischt war, kamen wir gegen Mittag auf einer
Wassertiefe von 772 m (4 Fad.), die Spitze do Mel in NWzW 3 /4W und Macdu in
SzOVsO, zu Anker. Später am Nachmittag webte eine sehr frische Briese, die
eine kurze See erzeugte, in der das Schiff schlecht lag. Um das Ankergeschirr
nicht allzuschwer zu belasten, mufsten wir viel Kette ausstecken. Gegen Abend
liefs die Windstärke allmählich nach, worauf am folgenden Morgen flaue Land
briese aus SE durchkam. Mit der dann am Vormittage einsetzenden Seebriese
kam der Lootse an Bord, wir segelten über die Barre und ankerten vor
der Stadt.
Nach Macdu bestimmte, von Süden kommende Schiffe müssen, wenn sie
bei eintretender Dunkelheit die Insel Lavandeira erreicht haben, für die Nacht
beidrehen, um nicht mit dem westlichen Strom an dem Halen vorbei zu treiben.
Aan. d. Hydr. etc., 1890, Heft II. 2