Magnetische Beobachtungen auf Helgoland.
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Magnetische Beobachtungen auf Helgoland.
(Mittheilung von der Deutschen Seewarte.)
Im Aufträge des Direktors der Seewarte wurde am 5. und 6. September d. J.
durch den Assistenten des Direktors der Seewarte, Herrn Dr. E. Duderstadt,
eine Bestimmung des Werthes der erdmagnetischen Elemente auf Helgoland
vorgenommen. Benutzt wurde zu diesem Zwecke der nach den Angaben
Dr. Neumayer’s konstruirte magnetische Reisetheodolit, Hechelmann No. 686,
der sich schon auf verschiedenen Reisen sehr gut bewährt hat. Zur Zeitüber
tragung sowie zur genauen Bestimmung der Schwingungsdauer der Magnete
wurde aus den Beständen der Seewarte ein Chronometer mitgeführt. Es war
auf diese Weise möglich, nicht nur die Azimute aus Sonnenpeilungen mit
Sicherheit ableiten, sondern auch absolute Intensitätsbestimmungen, bestehend
aus Ablenkungen und Schwingungsbeobachtungen, ausführen zu können.
Die Station, auf welcher beobachtet wurde, liegt nahe dem Südwestrande
der Insel auf dem Oberland, etwa 270 m vom neuen Leuchtthurm und 150m
von dem Kanonenschuppen (Batterie) entfernt. Die geographischen Koordinaten
des Platzes sind: <p = 54° 1P 3,5" Nord und X = 7° 53' 0" Ost von Greenw.
Auf der neuen Karte von Helgoland, herausgegeben vom Hydrographischen Amte
des Reichs-Marine-Amtes, Berlin 1890, im Mafsstabe 1 :15 000, kann der Platz
leicht festgestellt werden. Er liegt ungefähr an dem Decimalpunkte der Höhen
ziffer 53,3 m, welche im Südwesten von der Batterie eingezeichnet ist.
Die astronomischen Azimute einiger wichtigen Punkte von diesem Platze
aus wurden wie folgt bestimmt:
Neuer Leuchtthurm auf Helgoland . . . S 43° 7,3' 0
Weserleuchtthurm Rother Sand 1 ) .... S 19° 56,1'0
Kirchthurm auf Wangeroog S 2° 33,5' W
Mitte der „Batterie“ auf Helgoland . . . N50° 28' 0
Kirchthurm auf Helgoland N86° 50,7'0.
Folgendes sind die Beobachtungsergebnisse:
1. Deklination:
1890, Sept. 5, 6“ 19“ p Ortszeit 3 = 13° 36,31'W reduc. auf Tagesm. 13° 36,12' W
„ „ 6, 8 b 30 m a „ 6 = 13° 32,91' W „ „ „ 13° 36,79' W
„ „ 6, 9 b 0 m a „ 4 = 13° 33,63' W „ „ „ 13° 36,88' W
Mittel gültig für 1890.7 13° 36,60' W
Die Bestimmung des astronomischen Nordpunktes ist am 5. und 6. Sep
tember gesondert vorgenommen, das Instrument befand sich aber an beiden
Tagen nahezu auf derselben Stelle.
Auf oben erwähnter Karte ist für 1885 d = 14° 30'W, für 1895 d =
13° 14' W gegeben mit einer jährlichen Abnahme von 7,6'. Für 1890.7 würde
sich danach ableiten d — 13° 46' W, also ein gegen die Beobachtung um 10'
zu grofser Werth. Zu grofs dürfte auch, wie sich aus anderen Beobachtungen
ergiebt, die angenommene Säkularänderung von 7,6' für diese Jahre sein.
Nach an der Seewarte angestellten Untersuchungen betrug die jährliche
Abnahme der westlichen Deklination in Cuxhaven für das Jahr 1878: 8,1', für
die Epoche bis 1880 : 7,4', bis 1881: 7,1' und später bis 1888.1 nur noch 6,6'.
Das Verhältnifs der jährlichen Aenderung an anderen Stationen ist ein ähnliches.
2. Inklination:
1890, Sept. 6, etwa 10 h a Ortszeit J = 68° 21,5' N.
Dieser Werth ist aus einer direkten vollständigen Beobachtung mit der
Nadel II des Instrumentes berechnet. Nadel I giebt einen etwas kleineren
Werth, doch hat sich diese bei der Untersuchung als nicht ganz fehlerfrei
erwiesen.
1) Dieser Leuchtthurm wird von der Station aus hart neben der nächsten vorspringenden
Klippe frei.
Arm. d. Hydr. etc., 1890, Heft XII.
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