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Full text: Annalen der Hydrographie und maritimen Meteorologie, 18 (1890)

Vierteljahrs-Wetter-Rundschau der Deutschen Seewarte, Sommer 1886. 
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4. Reisen von Süd nach Nord. 
Unter der grofsen Zahl der mit der Seewarte in Verbindung stehenden 
Schiffe, die während des Sommers 1886 von der Linie im Atlantik nordwärts 
segelten, bilden eine erste Gruppe diejenigen, welche in der zweiten Hälfte des 
Mai den Aequator verliefsen. Es waren dies: „Rohüla“, „Asante“, „Josefa“, 
„Regulus“, „Deutschland“, „Agustina“, „Alice Rickmers“, „Baldur“, „Paul 
Thormann“ und „Aequator“. Unter ihnen befinden sich „Asante“, die mit 
51 Tagen die längste und „Alice Rickmers“, wie „Baldur“, die mit 26 Tagen die 
kürzeste von allen in der Liste mitgetheilten Reisen vollendeten. „Deutschland“ 
war zum Mittelmeer, „Aequator“ nach Boston bestimmt; alle übrigen hatten 
den Kanal oder einen Hafen Grofsbritanniens als Ziel. In nördlicher Breite 
waren gleich Anfangs sehr verschiedene Verhältnisse angetroffen worden. Die 
ersten Schiffe, wie „Rohilla“ und „Asante“, hatten schon südlich vom Aequator 
Mallung und schwachen, meist östlichen Zug beobachtet, und auch nachdem sie 
die Linie überschritten hatten, wurden sie noch längere Zeit durch Stille zurück 
gehalten. Besonders war dies bei „Asante“ der Pall. Doch war die lange, 
hier stattiindeudo Verzögerung von dessen Reise wohl zum gröfsten Theil auf 
den unreinen Zustand des eisernen Schiffsbodens zurückzuführen. Andere Schiffe 
dieser Gruppe wurden wenige Tage später nur für kurze Zeit durch Mallung 
aufgehalten, und auffallenderweise trafen einige den Nordostpassat schon in 
südlicher Breite an. Dies war z. B. bei „Baldur“ der Pall, welcher den 
Aequator am 29. Mai überschritt. Dieses Schiff hatte eben südlich der Linie 
einen Tag Mallung augetroffen, aus der sich dort der Nordostpassat entwickelte. 
Von dem damals acht Grade weiter ostwärts stehenden „Paul Thormann“ war 
keine Spur von Mallung beobachtet worden, vielmehr ging bei diesem Schiffe 
der Südost- unmittelbar in den Nordostpassat über. Auch „Alice Rickmers“ 
traf ähnliche Verhältnisse an, denn der die beiden Passatgebiete trennende 
Stillengürtel konnte von ihr in einer "Wache überschritten werden. Alle Mit 
segler wurden später von einem kräftigen, beständigen Passat begünstigt, dessen 
Gebiet sich in den meisten Fällen bis über 30° N-Br hinaus ausdehnte. Die 
polare Grenze desselben überschritten: „Rohilla“, die nördlich von diesem 
Punkte indessen noch wieder anhaltenden Ostwind beobachtete, in 29,7° N-Br 
und 38,7° W-Lg am 31. Mai, „Asante“ in 31,4° N-Br und 36,2° W-Lg am 
13. Juni, „Josefa“ in 35° N-Br und 35,6° W-Lg am 10. Juni, „Regulus“ in 
34° N-Br und 37,1° W-Lg am 8. Juni, „Deutschland“ in 34,5° N-Br und 35° W-Lg 
am 9. Juni, „Agustina“ in 33,3° N-Br und 36,5° W-Lg, wie „Alice Rickmers“ 
in 33,8° N-Br und 35,2° W-Lg, ferner „Baldur“ in 33,5° N-Br und 39,1° W-Lg 
am 10. Juni und „Paul Thormann“ in 32,6° N-Br und 41,5° W-Lg am 13. Juni. 
Der nach Boston bestimmte „Aequator“, bei dem der Wind ebenfalls schon 
südlich der Linie nordöstliche Richtung angenommen und der nirgend wo 
Mallung beobachtet hatte, verlor den Passat dagegen schon am 12. Juni in 
der Nähe von 23° N-Br und 57,5° W-Lg. Die Ursache dieses für die betreffende 
Jahreszeit ungewöhnlich frühzeitigen Eudens des Passats war das auf Karte XXII 
angegebene, mit seinem Mittelpunkt am 12. Juni unweit von 70° W-Lg gelegene 
Tiefdruckgebiet. Alle übrigen Mitsogler befanden sich damals in der westlichen 
Hälfte des Hochdruckgebietes derselben Karte, an dessen nördlichem Bande 
Westwinde wehten. Als die Schiffe aber so weit nach Norden vorgerückt 
waren, dafs sie diese erwarten durften, war inzwischen die Wetterlage eine 
ganz andere geworden. Das grofse Hochdruckgebiet hatte sieh nach Süd westen 
verschoben uud ein anderes kleineres sich westlich von Grofsbritannien gebildet. 
Zwischen ihnen erschienen mehrere, ganz unregelmäfsige Bahnen verfolgende 
Tiefdruckgebiete, deren Winde den Schiffen sehr häufig ungünstig waren. Nur 
dem Umstande, dafs die Ostwinde dort meistens eine hoch südliche Richtung 
hatten, war es zu verdanken, dafs der letzte Reiseabschnitt nicht noch längere 
Zeit in Anspruch nahm, als es wirklich geschah. Erst nachdem sich wieder 
ein grofses zusammenhängendes Hochdruckgebiet, dessen östlichster Theil sich 
bis nach Norwegen ausdehnte, gebildet hatte, stellten sich wieder Westwinde 
ein, welche die gröfsere Zahl dieser Schiffe zum Ziele führten. (Siehe Karte XXIV.) 
Bei „Aequator“, dem jene östlichen Winde erwünscht gewesen wären, herrschten 
an deren Stelle westliche Winde, welche am 26. Juni in der Nähe von 39® N-Br
	        
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