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Vierteljahrs-Wetter-Rundschau der Deutschen Seewarte, Sommer 1886-
frischen beständigen Westwinden begünstigt, die eine Folge der Lage des Hoch
druckgebietes der Karte XXVII waren. Diese Winde begleiteten das Schiff,
bis es sich am 5. August in 31° N-Br und 51° W-Lg befand. Dort, in der
Mitte dieses Hochdruckgebietes, veränderte sich der schwach gewordene Wind
von West durch Nord nach Nordost und wurde, indem er auffrischte, zum
Passat. „Kaie“ segelte bei ihm bis zum 15. August nach 13° N-Br in 37,8° W-Lg,
wo der Südwestmonsun an seine Stelle trat. Als östlichster Punkt wurde am
25. August 5° N-Br in 24,7° W-Lg erreicht; von hier aus gelangte das Schiff
in drei Tagen zu der in 30° W-Lg überschrittenen Linie. Von diesem für die
entsprechende Jahreszeit zu weit westlich gelegenen Schnittpunkte aus konnte
aber später die brasilianische Küste nicht geklart werden, so dafs auch diese
Reise durch erforderlich werdendes Kreuzen bedeutend verlängert wurde.
Die letzten fünf Schiffe der Liste können in eine Gruppe zusammengefafst
werden, weil, wenn auch nicht ihre Abgangszeiten, doch die Zeit ihres Ueber-
schreitens des Aequators nahe zusammenfälit. Es waren dies: „Astrea“, „Else“,
J. R. Ramien“, „Richard Rickmers“ und „Ellen Rickmers“, welche in der ersten
Hälfte des August ihre Fahrten antraten. Alle Reisen nahmen einen günstigen
Verlauf, und das zuletzt erwähnte Schiff, die „Ellen Rickmers“, welche die Linie
nach 24tägiger Fahrt erreichte, that dies in kürzester Zeit von allen in der
Liste aufgeführten Schiffen. Diese fünf Mitsegler fanden beim Antritt ihrer
Reisen zunächst Westwinde, doch traten dieselben in der Weise verschieden
auf, dafs sie bei den das offene Meer zuerst erreichenden Schiffen längere, bei
den folgenden kürzere Zeit wehten. Die Erklärung für diese Verschiedenheit
giebt die Lage des östlichsten Theils des Hochdruckgebietes der Karten XXVII
bis XXIX. Indem der letztere sich allmählich mehr nach Norden verschob,
zog er das Gebiet der an seinem Südostrande wehenden nordöstlichen Winde
mit sich nordwärts, und die vom Kanal nach Süden segelnden Schiffe trafen
schon nach Zurücklegung verhältnifsmäfsig kurzer Entfernung auf den günstigen,
später in allen Fällen ohne vorherrschende Störung zum Passat werdenden
Wind. Bei „Astrea“ geschah dies am 13. August, dem 10. Tage der Reise, in
39° N-Br und 15° W-Lg, bei „Else“ am 16. August in 42° N-Br und 13,6° W-Lg,
6 Tage nach dem Reiseantritt, bei „J. H. Ramien“ am 15. August in 40,5 N-Br
und 14,2° W-Lg, 5 Tage später als Lizard passirt worden war, bei „Richard
Rickmers“ 3 Tage nach dem Abgänge von 50° N-Br am 16. August, unweit
von 44° N-Br und 12,2° W-Lg und bei „Ellen Rickmers“ ebenfalls am dritten
Tage der Beise, am 17. August, in etwa 45° N-Br und 13,5° W-Lg. Von
diesen fünf Schiffen entschieden sich „Else“ und „Richard Rickmers“ für die
östliche Route, während die übrigen drei den westlichen Weg wählten. Der
frische beständige Passat gewährte allen die Möglichkeit einer befriedigend
raschen Fahrt. Seine südliche Grenze überschritten: „Astrea“ in 12,3° N-Br
und 26,4° W-Lg am 24. August, „Else“, die, nachdem sie südlich von den
Kap Verde-Inseln gekommen war, einen gut westlichen Kurs eingeschlagen hatte,
in 9,8° N-Br und 24° W-Lg am 29. August, „J, H. Ramien“, bei dem der
Passat unweit von 14° N-Br einen vollen Tag durch Stille unterbrochen worden
war, in 9,4° N-Br und 25,2° W-Lg ebenfalls am 29. August, „Richard Rickmers“
in 10,8° N-Br und 23,7° W-Lg am 30. August und „Ellen Rickmers“ in 10° N-Br
und 26,7° W-Lg am 31. August. Südlich von diesen Punkten wurden fast alle
Mitsegler einige Tage durch Mallung zurückgehalten, bevor der ziemlich frische,
zum Theil auch aus raumer Richtung wehende Monsun wieder durchkam. Bei
demselben, über St B.-Halsen segelnd, erreichten als östlichsten Punkt: „Astrea“
2,9° N-Br in 18,8° W-Lg am 2. September, „Else“ 3,8° N-Br in 19,6° W-Lg,
wie „J. H. Ramien“ 3,8° N-Br in 19,7° W-Lg am 3. September, „Richard
Rickmers“ 4,2° N-Br in 19,8° W-Lg und „Ellen Rickmers“ 4,5° N-Br in 23,4°
W-Lg am 4. September. Von diesen Orten aus gelangten alle Schiffe nach
kurzer Fahrt zur Linie. Die Wahl der Route, ob östlich oder westlich von
den Kap Verden, war in diesem Falle auf die Reisedauer bis zur Linie ohne
Einflufs; indessen erreichte „Richard Rickmers“ durch seine östlichere Stellung
in der Folge noch einen Vortheil gegen seinen Mitsegler von derselben Rhederei,
indem er nach 0° Länge zwei Tage früher als „Ellen Rickmers“ gelangte.