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Full text: Annalen der Hydrographie und maritimen Meteorologie, 18 (1890)

Vierteljahre-Wettei'-Rundschau der Deutschen Seewarte, Sommer 1886. 
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drei Schiffen wahrscheinlich die geringste Schnelligkeit besitzende „ Ventilia“ 
hatte auf westlicher Route entschieden am günstigsten gefahren. 
Eine gröfsere Gruppe von Schiffen, bestehend aus „Adolph“, „Gerd Heye“, 
„Ida“, „Marie“, „Paradox“ und „Spicabegann ihre südwärts gerichtete Fahrt 
in der zweiten Hälfte des Juli. Der erste Abschnitt derselben stand unter dem 
Einflüsse eines beständig aus westlicher Richtung wehenden, seine Stärke bei 
einigen der Schiffe mehrfach bis zum Sturme steigernden Westwindes und nahm 
daher nur einen langsamen Verlauf. Diese Winde waren theils eine Wirkung 
jenes Tiefdruckgebietes der Karte XXVI, dessen Mittelpunkt am 18. Juli nahe 
vor der Kanal-Mündung lag, besonders aber wurden sie hervorgerufen durch 
das andere Tiefdruckgebiet derselben Karte, dessen verschlungene Bahn vom 
20. bis zum 26. Juli westlich von und über Grofsbritannien verläuft. Bei 
„Gerd Heye“, der am 16. Juli bei Lizard durch schwache Gegenwinde zurück 
gehalten worden war, steigerten sich die südwestlichen Winde am 20. und 
21. Juli zu solcher Stärke, dafs beigedreht werden mufste. Der eiserne Mit 
segler „Adolph“, welcher bei Lizard ganz in der Nähe vom „Gerd Heye“ stand, 
konnte diese Winde besser ausnutzen. Die Folge davon war, dafs, als dieses 
Schiff am 25. Juli xMittags nach 44,7° N-Br in 11° W-Lg gelangt war, „Adolph“ 
gleichzeitig schon nach 37° N-Br in 13,5° W-Lg vorgerückt war. Die polare 
Passatgrenze fanden alle Schiffe infolge der günstigen Lage des auf Karte XXVII 
angegebenen Hochdruckgebietes in verhältnifsmäfsig nördlicher Breite. „Adolph“ 
that es in 35,7° N-Br und 14,4° W-Lg am 26. Juli, „Gerd Heye“ in 36° N-Br 
und 18,1° W-Lg am 30. Juli, „Ida“ in 38,3° N-Br und 13,5° W-Lg am 2. August, 
„Marie“ in 36,7° N-Br und 16,7° W-Lg am 1. August, „Paradox“ in 34,3° N-Br 
und 18,5° W-Lg am 31. Juli und „Spica“ in 36,3° N-Br und 16° W-Lg am 
1. August. „Adolph“ und „Ida“ entschieden sich später für die Ost von den 
Kap Verden nach Süden führende Route, während die übrigen Mitsegler die 
westliche wählten. Der Passat begleitete die Schiffe, bis „Adolph“ sich am 
4. August in 15,1° N-Br und 21,1° W-Lg, „Gerd Heye“ am 10. August in 
13° N-Br und 25,9° W-Lg, „Ida“ am 13. August in 15,8° N-Br und 22° W-Lg, 
„Marie“ am 11. August in 13,2° N-Br und 25,5° W'-Lg, „Paradox“ am 10. August 
in 12,5° N-Br und 26,3° W-Lg und „Spica“ am 11. August in 13,1° N-Br und 
25° W-Lg befand. Dieses so ungleiche Aufhören des Passats scheint durch 
das Auftreten eines kleinen Tiefdruckgebietes, welches im zweiten Drittel des 
August über den Kap Verden lagerte, vorursaclit worden zu sein. Bei „Ida“ 
rief dasselbe stürmische Südostwinde hervor, mit denen der Passat endete und 
aus denen sich später fast ohne vorhergehende Störung der südwestliche Monsun 
entwickelte. Bei „Spica“ hingegen drehte der schwach gewordene Wind von 
Nordost durch Nord und West nach Südwest, so dafs auch hier dem Einsetzen 
des Monsuns keine Stille voranging. Es gelang übrigens fast allen Mitseglern, 
nach dem Verlassen des Passatgebietes den Südwestmonsun nach kurzer Zeit 
anzutreffen. Nur bei „Adolph“ war dies nicht der Fall, und dadurch ging 
alles früher gegen „Gerd Heye“ Gewonnene wieder verloren. Bei jenem Schiffe 
herrschte für länger als fünf Tage Stille und Mallung, bevor der später auch 
noch wieder durch einen Tag der Mallung unterbrochene südwestliche Monsun 
einsetzte. Als östlichsten Punkt erreichten: „Adolph“ 6,9° N-Br in 18,3° W-Lg 
am 15., „Gerd Heye“ 4,4° N-Br in 15,2° W-Lg am 20., „Ida“ 4,7° N-Br in 
16,5° W-Lg am 21., „Marie“ 5,2° N-Br in 17,7° W-Lg am 18., „Paradox“ 6,6° 
N-Br und 19,4° W-Lg am 14. und „Spica“ 4,3° N-Br und 13,4° W-Lg am 
19. August. Dieses letztere Schiff wie auch der „Gerd Heye“ würden vielleicht 
besser gethan haben, wenu sic früher gewendet hätten. Mit Sicherheit läfst 
sich dies freilich nicht sagen. Denn mafsgebend in solchem Falle für den 
Führer wird stets die Segelfähigkeit seines Schiffes, besonders dessen Segel 
fähigkeit beim Winde sein. Ein sorgfältiges Erwägen aller Verhältnisse, wie 
auch das Vermeiden des in diesem Meerestheile wie im Passat überhaupt nicht 
selten stattfindenden zu Voll weghalten ist den Führern hier südwärts bestimmter 
Schiffe sehr anzurathen. Die östliche Route hatte in diesem Falle für „Adolph“ 
etwas Nachtheil, für „Ida“ dagegen Vortheil gebracht. 
Zur vorstehenden Gruppe von Schiffen wäre auch wohl noch der eine 
Reise |_von;’ k New-York zur Linie ausführende „Kaie“ zu rechnen. Nachdem 
derselbe^am 29. Juli den Hafen verlassen hatte, wurde er auf See zunächst von 
Ann. <3, HycLr. ote. 1890, Heft XII. ß
	        
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