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Full text: Annalen der Hydrographie und maritimen Meteorologie, 18 (1890)

Vierteljahrs-Wetter-Rundschau der Deutschen Seewarte, Sommer 1886. 
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erreichte die Kanalmündung am 26. August, und „Marie Louise“, welche nahe 
am Ziel drei Tage durch ganz leisen östlichen Zug zurückgehalten worden war, 
that dasselbe am 30. August. 
3. Reisen von Nord nach Süd. 
Von den 31 in Tabelle 3 verzeichneten Schiffen vollendeten 27 Reisen 
zwischen 50° N-Br oder Kanal und Linie, drei nach südlichen Breiten bestimmte 
Schiffe gingen von New-York aus in See und eins hatte Bordeaux als Abgangs 
hafen. Von allen legte die kürzeste Fahrt zum Aequator „Ellen Rickmers“ in 
24 Tagen zurück; die längste Zeit für diese Strecke gebrauchte die von der 
Garonne ausgegangene „Ida“, welche am 39sten Tage ihrer Reise in südliche 
Breite überging. Die ersten fünf gleichzeitig zu behandelnden Schiffe sind: 
„Comet“, „Caroline Be/m“, „Moltke“, „Papa“ und „Hannover“. Ihre Reisen 
nahmen, theils wohl als Folge der grofson Segelfähigkeit der meisten von ihnen, 
einen recht befriedigenden Verlauf. Die ersten drei der erwähnten Schiffe traten 
ihre ab 50° N-Br beginnenden Fahrten noch in der letzten Woche des Mai au. 
Davon überschritt „Caroline Belm“, welche vou der Nordspitze Schottlands her 
kam, den Parallel von 50° Nord zehn Längengrade westlicher, als die beiden 
Mitsegler es thaten. Da dieselbe sich infolge dieses Umstandes auch später 
westlicher hielt, gewann sie besonders gegen „Comet“ einen bedeutenden Vor 
sprung. Es war dies ein Vorkommen, das in Anbetracht der Jahreszeit, wäh 
rend welcher nahe der portugiesischen Küste häufig günstigere Winde, als 
weiter westwärts derselben anzutreffen sind, als ein ungewöhnliches bezeichnet 
werden mufs. In diesem Falle veranlafste jenes flache Tiefdruckgebiet der 
Karte XXI, welches sich Ende Mai und Anfang Juni auf verschlungener Bahn 
in geringer Entfernung von der Küste der pyrenäischen Halbinsel bewegte, 
leichte Gegenwinde für die unweit des Landes stehenden und stürmische günstige 
Winde für die weiter seewärts befindlichen Schiffe. Die Folge davon war, dafs 
„Comet“, welcher sich am 30. Mai Mittags in 40,8° N-Br und 13° W-Lg be 
funden hatte, während der nächsten 48 Stunden nur eine Distanz von 103 Sm 
durchsegeln konnte, während „Caroline Beim“ gleichzeitig von 40° N-Br in 
17° W-Lg ab nicht weniger als 411 Sm nach Süden hin vorrüokte. Auch die 
Reisen von „Papa“ und „Hannover“, die den Kanal während der ersten Tage 
des Juni verliefsen, wurden durch dieses Tiefdruckgebiet günstig beeinflufst; 
„Moltke“ spürte auffallender Weise wenig davon. Dieses Schiff verlor gegen 
den westlicher stehenden „Papa“ in ganz ähnlicher Weise und vielleicht auch 
aus ganz ähnlichem Grunde, wie es „Comet“ einige Tage früher gegen „Caroline 
Beim“ gethan hatte. „Moltke“, der am 4. Juni Mittags in 43,7° N-Br und 
14,5° W-Lg stand, während gleichzeitig „Papa’s“ Schiflsort 45,2° N-Br in 
15,2° W-Lg war, segelte in den nächsten drei Tagen nach 37,4° N-Br in 
17,3° W-Lg, legte in dieser Zeit also etwa 373 Sm zurück. Dagegen machte 
„Papa“ während der entsprechenden 72 Stunden 580 Sm gut und rückte nach 
36,7° N-Br in 20,8° W-Lg vor. Die polare Passatgrenze wurde von „Comet“ 
in 31,5° N-Br und 17,5° W-Lg am 7. Juni, von „Caroline Behn“ in 29° N-Br 
und 19,5° W-Lg am 4. Juni, von „Moltke“ in 32,7° N-Br und 18,8° W-Lg am 
9. Juni, von „Papa“ in 33,3° N-Br und 22° W-Lg am 8. Juni und von „Han 
nover“ in 34,7° N-Br und 17,8° W-Lg am 10. Juni angetroffen. Der Passat 
selbst wehte frisch und beständig und führte die alle für die Westseite der 
Kap Verde-Inseln steuernden Schiffe in befriedigend rascher Fahrt zur südlichen 
Grenze seines Gebietes. Es überschritten dieselbe: „Comet“ in 8,4° N-Br und 
25,5° W-Lg am 16. Juni, „Caroline Behn“ in 6,2° N-Br und 25° W-Lg am 
13. Juni, „Moltke“ in 7,8° N-Br und 24,2° W-Lg am 22. Juni, „Papa“ in 
7,2° N-Br und 25° W-Lg am 18. Juni und „Hannover“ in 7,2° N-Br und 
26° W-Lg am 22. Juni. Nach mehreren Tagen der Stille und leichten Mallung 
fanden die letzteren drei Mitsegler daun schon Spuren eines südwestlichen 
Monsuns, während „Comet“ und „Caroline Behn“ davon kaum Anzeichen be 
merkten. Trotzdem waren auch sie im Stande, eben so rasch wie die anderen 
Schiffe die letzten zehn Breitengrade zurückzulegen. Beim Ueberschreiten des 
Aequators wurden „Caroline Behn“, „Moltke“ wie „Hannover“ schon von frischem 
Südostpassate begünstigt, während „Comet“ und „Papa“ dort zur Zeit nur 
schwache Winde fanden.
	        
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