506 Vierteljahrs-Wetter-Rundschau der Deutschen Seewarte, Sommer 1886.
Norden Schottlands steuerten, nach dem Kanal bestimmt. Ihre Reisen verliefen
in etwas langsamerer Weise, als es bei den kurz vorher erwähnten der Fall
gewesen war, nur die 22 Tage in Anspruch nehmende Fahrt der „Andromeda“
zeichnete sich durch kürzere Dauer aus. Alle Reisen wurden durch fast nur
aus westlicher Richtung wehende Winde begünstigt, doch waren die Winde
häufig recht schwach, auch nicht selten für kurze Zeit von leichten Ostwinden
unterbrochen. Mafsgebend für diese Verhältnisse war auch hier die Lagerung
des Hochdruckgebietes, wie dasselbe die Karten XXVI und XVII zeigen. Das
einzige Tiefdruckgebiet, dessen Wirkungen die Schiffe spürten, war jenes flache
auf Karte XXVII angegebene, dessen Weg sich von Neufundland her über einen
Theil des Oceans verfolgen läfst. Im Uebrigen nahmen alle Reisen einen ruhigen
einförmigen Verlauf, ohne dafs sich darüber etwas Erwähnenswerthes berichten
läfst. Auch die von der Insel Trinidad abgegangene Brigg „Columbus“ über
schritt den Ocean zusammen mit der vorerwähnten Gruppe. Nachdem dieselbe
am 13. Juli ihre Reise angetreten hatte, wurde zunächst nordwärts gesegelt bis
zu der am 25. Juli unweit von 29,5° N-Br in 59° W-Lg gelegenen Passatgrenze.
Entsprechend der Form und Lage des auf Karte XXVII verzeiehneteu Hoch
druckgebietes, dessen westliche Spitze dies Schiff auf Nordkurs durchsegelte,
veränderte sich der schwache Wind zuerst nach Südost und mehrere Tage später
nach Südwest. Da der Wind sich für längere Zeit im westlichen Halbkreise
hielt, nahm die Reise einen ungestört günstigen Verlauf. Erst als „Columbus“
12° W-Lg erreicht hatte, entstand ein längerer Aufenthalt. Als Folge der
Gestalt des östlichsten Theiles des Hochdruckgebietes der Karte XXIX stellten
sich bei dem in der Breite von 45° Nord reichlich südlich stehenden Schiffe
länger als eine Woche anhaltende Nordostwinde ein, zu einer Zeit, während
welcher vor dem Kanal stetige Westwinde wehten. Es gelang „Columbus“
daher erst am 25. August nach Lizard zu gelangen.
„Henry“ und „Niagara“, die zwei in der Liste enthaltenen Schiffe, welche
von New-Orleans abfuhren, traten ihre Reisen im zweiten Drittel des Juli an.
Der Anfang ihrer Reisen verlief in ganz befriedigender Weise, denn sie ge
langten nach etwa zweiwöchiger Fahrt zum Meridian von 70° West. Dort, in
der Nähe von 35° N-Br, stellten sich die günstigen Folgen der Lagerung des
auf Karten XVII nnd XXVIII eingetragenen Hochdruckgebietes ein. Die au
der Nordseite dieses Gebietes herrschenden südwestlichen Winde wehten fortan
ziemlich ungestört und ermöglichten einen raschen Fortgang nach Osten. Durch
Sturm wurden die Fahrten kaum beunruhigt. Der allein erwähnenswerthe,
welcher am 26. August bei 45° N-Br und 37° W-Lg von „Niagara“ beobachtet
wurde, wehte nur für wenige Stunden. Er trat in Begleitung jenes Tiefdruck
gebietes auf, dessen eben nördlich von 45° N-Br verlaufender, von den Neu
fundland-Banken herkommender Weg sich auf Karte XXX verzeichnet findet.
Dieser aus Süd beginnende Sturm veränderte sich damals, bei auf 751,5 mm
gesunkenem Luftdruck, plötzlich nach Nord, verlor dann aber nach wenigen
Stunden seine Stärke. „Henry“, welcher in 30 Tagen bis nach 14° W-Lg ge
langt war, wurde auf den Gründen vor dem Kanal mehrere Tage durch Nord
ostwinde aufgehalten, die am 21. und 22. August stürmisch wehten. Die Gestalt
des östlichen Theiles des Hochdruckgebietes, zusammenwirkend mit dem in jenen
Tagen in Westeuropa auftretenden flachen Tiefdruckgebiet, gaben die Veran
lassung zu diesen Winden. Die Fahrt, von „Niagara“ verlief infolge mehrfach
angetroffenor schwacher Ost- und Westwinde in nicht so günstiger Weise, wie
die vorerwähnte; dagegen wurde sie auf dem letzten Abschnitt häufiger von
westlichen Winden begünstigt.
Die beiden letzten Schiffe, deren Namen die Tabelle aufführt, sind
„Godeßroy“ und „Marie Louise“. Sie verliefsen den Hafen von New-York in
der ersten Woche des August und legten den Weg über den Oceau in derZeit
von je 23 und 25 Tagen zurück. Westliche Winde, die im nördlichen Tkeile
des oft erwähnten Hochdruckgebietes herrschten, ermöglichten ein fast ununter
brochenes, befriedigend rasches Vorrücken nach Osten. Die kräftigen Nordost
winde, welche als Wirkung flacher, über Westeuropa erschienener Tiefdruck
gebiete bei „Godeßroy“ am 21. und 22. August wehten, und die auch schon bei
„Henrys“ Reise erwähnt worden sind, waren dem Fortgange jenes Schiffes nicht
so ungünstig, weil sie hier aus hoch nördlicher Richtung kamen. „Godeßroy“