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Full text: Annalen der Hydrographie und maritimen Meteorologie, 18 (1890)

Vierteljahrs-Wetter-Rundschau der Deutschen Seewarte, Sommer 1886. 
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später noch für längere Zeit. Bei „Anna“, die ihn zuerst erhalten hatte, endete 
derselbe auch zuerst wieder. Als dies am 26. Juni auch bei „Andromeda“ statt 
gefunden hatte, befand sich dieses Schiff in 42,8° N-Br und 54° W-Lg; „Marie 
Louise“ stand gleichzeitig in 43,4° N-Br und 49,8° W-Lg und „Anna“ in 
40° N-Br und 47,2° W-Lg. Nach dieser Zeit mufste wieder gegen anhaltende 
Westwinde, die an einigen Tagen stürmisch auftraten, gekämpft werden. Diese 
Winde gehörten zu dem Tiefdruckgebiete der Karte XXIV, welches sich im 
letzten Drittel des Juni von Kanada aus zum Ocean fortpflanzte. Am 1. Juli 
herrschte bei allen drei Mitseglern ein mäfsiger Weststurm, welcher geschaffen 
wurde durch ein anderes Tiefdruckgebiet derselben Karte, das sich auf ähn 
licher Bahn in nördlicherer Breite bewegte. Diese ungünstigen Verhältnisse 
dauerten bei den Schiffen bis zum 3. Juli, an welchem Tage Mittags der Schiffs 
ort von „Marie Louise“ 42,2° N-Br in 57,5° W-Lg, der von „Andromeda“ in 
42,7° N-Br in 62,1° W-Lg und der von „Anna“ 42,3° N-Br in 52,4° W-Lg 
war. Bis dahin hatten alle drei Schiffe im Bereiche der frischen Westwinde 
des Tiefdruckgebietes der Karte XXIV gestanden, dessen Mittelpunkt sich für 
den 3. Juli in der Nähe der Südspitze Grönlands verzeichnet findet. Gegen 
das Ende des Tages kam jedoch östlicher Wind durch, welcher wahrscheinlich 
die Wirkung jenes anderen, von Nordkarolina her sich nach Nordosten fort 
pflanzenden Tiefdruckgebietes derselben Karte war. Oestliche Winde blieben 
auch nach dieser Zeit bei allen drei Schiffen für den kleinen noch vorliegenden 
Theil der Reise vorherrschend. Bei denselben erreichte „Marie Louise“ am 
15. Juli, „Andromeda“ am 10. Juli und „Anna“ am 16. Juli den Hafen von 
New-York. 
Die im Verzeichnifs folgenden, in einer weiteren Gruppe zu behandelnden 
Schiffe sind: „Port Royal“, „Magdalene“, „Castine“ und „Marie“. Von denselben 
traten die ersteren drei ihre Reisen in der zweiten Hälfte des Juni und das 
letztere in den ersten Tagen des Juli an. „Port Royal“ war nach New-Orleans 
bestimmt, „Magdalene“ und „Marie“ nach New-York, und „Castine“ hatte als 
Bestimmungsplatz Philadelphia. Alle vier Mitsegler hatten den Weg durch den 
Kanal genommen. Sie trafen im offenen Ocean anfänglich ganz verschiedene 
Winde an. „Port Royal“, „Castine“ und „Marie“ wurden dort von östlichen 
Winden begünstigt, während „Magdalene“ fast von Anfang an gegen westliche 
Winde kämpfen mufste. Bei dem ersteren Schiffe machten sich noch die Wir 
kungen des kleinen, vor Grofsbritannien gelagerten Hochdruckgebietes der 
Karte XX11I geltend, während die folgenden drei Schiffe meistens Winde fanden, 
die unter dem Einflüsse des auf Karte XXIV dargestellten, sich bis nach Nor 
wegen ausdehnenden Hochdruckgebietes standen. Der leichte Ostwind, bei dem 
„Castine“ und „Marie“ den Kanal hatten verlassen können, war nämlich nur 
von kurzer Dauer und begleitete die Schiffe nicht einmal über die Gründen 
hinaus. Für den gleich aufserhalb des Kanals nach Süden abbiegenden „Port 
Royal“ blieben die Verhältnisse dagegen für längere Zeit günstig, denn wenn 
auch von ihm bald mäfsige Westwinde angetr offen wurden, so waren dieselben 
doch dem Fortrücken nach Süden nicht durchaus ungünstig. Und als dies Schiff 
am 29. Juni unweit 34° N-Br in 19° W-Lg stand und somit an die Südostseite 
des grofsen, auf Karte XXIV verzeichneten Hochdruckgebietes gelangt war, 
ging, der Wetterlage entsprechend, der mäfsige Wind ohne jede Störung von 
nordwestlicher in nordöstliche Richtung über und wurde zum bald auffrischenden 
Passat. Da die Lage des Hochdruckgebietes, wie die Karten XXV und XXVI 
zeigen, sich später nicht nennenswerth veränderte, wehte bei „Port Royal“ für 
lange Zeit der Passat ungestört. Dagegen fanden die anderen drei Schiffe, 
welche zunächst der direkten, durch den nördlichen Theil des Hochdruckgebietes 
führenden Route folgten, lang anhaltende Westwinde, die meist nur in mäfsiger 
Stärke wehten. Nur in einem Falle nahmen sie bis zum Sturme zu. „Magdalene“ 
überstand denselben am 21. Juli in der Nähe von 41° N-Br und 49° W-Lg, 
doch war er nur von kurzer Dauer. Der Sturm wurde verursacht durch jenes 
Tiefdruckgebiet der Karte XXVI, dessen Mittelpunkt am 21. Juli nahe bei der 
Strafse Belle Isle zu liegen schien. Bei „Magdalene“ wurde dadurch ein Sinken 
des Luftdrucks bis auf 750,4 mm hervorgerufen. Bei der etwa 15 Grade öst 
licher stehenden „Marie“ wurde der Westwind am 22. Juli auch stürmisch, doch 
war dieses wohl keine Wirkung des eben erwähnten Tiefdruckgebietes. „Castine“,
	        
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