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Geber das nautische Längenproblem.
Planetendistanzen vom Monde für den Greenwicher Meridian vorausberechnet
und erschienen in Kopenhagen von 1821 bis 1838.') Inzwischen waren auch die
ältesten nautisch-astronomischen Ephemeriden, der „Nautical Almanac“ und die
„Connaissance des Temps“, diesem Beispiele bald gefolgt. Der „Nautical
Almanac“, für welchen alle Berechnungen der älteren Planeten damals unter
Schumacher’s Leitung ausgeführt wurden (s. „Naut. Alm.“ for 1836, S. VI),
nahm auch die Planetendistanzen vom Monde übereinstimmend mit der Kopen-
hagener Ephemeride auf und gab dafür an letztere vorher die nach Burckhardt’s
„Tables de la Lune“ (Paris 1812) berechneten Mondörter, welche dazu die
Grundlage bildeten. Unter den Händen der geschicktesten Rechner, wozu auch
P. A. Hansen zeitweilig gehörte, war es für die Tafeln der Planeten selbst
von Nutzen, dafs sie auf diese Weise in den nautischen Gebrauch kamen und
die noch darin enthaltenen Fehler aufgedeckt und verbessert wurden. Unabhängig
hiervon berechnete auch Inghirami in Florenz schon Planetendistanzen (für
Venus und Jupiter) vom Monde, die in v. Zach’ s „Correspondance Astronomique“
zu Genua noch etwas früher veröffentlicht wurden. Durch diese doppelte Rech
nung zu Florenz und Kopenhagen kamen Anfangs erhebliche Unterschiede bis
zu 4' in den Venusdistanzen für 1822 zum Vorschein, die ihx-en Grund in
Druckfehlern der Lindenau’sehen Venustafeln hatten, wo das Aphelium von
1820 bis 1850 fortlaufend um 8° zu grofs abgedruckt war, während man sich
in Florenz der von Réboul herausgegebenen Venustafeln bediente, die diesen
Fehler nicht enthielten. Dagegen fanden sich andere Fehler bei den Florentiner
Rechnungen, die der Berichtigung bedurften. Ein Vermittelungsvorschlag des
Freiherrn v. Zach 2 ) (in einem Briefe an Admiral v. Lövenörn), dafs er die
Florentiner Venusdistanzen zu unterdrücken suchen wolle, damit die erst zu
berichtigenden Kopenbagener Rechnungen (von Nissen) nicht blofsgestellt
würden, hatte wenigstens das Gute, von dem Vorkommen eines grofsen Fehlers
Nachricht zu geben und veranlafste, seine Ursache aufzusuchen, die unter Um
ständen für die Schiffahrt hätte gefährlich werden können.
Nachdem nun die Erfahrung entschieden hat, dafs die jetzige chrono
metrische Längenbestimmung nicht nur der Länge aus Monddistanzen vorzuziehen
ist, sondern auch am besten schon durch ein zweites Chronometer kontrollirt
werden kann, so wird dennoch in Zukunft eine Fortsetzung der seit mehr als
hundert Jahren geführten Vorausberechnung der Monddistanzen hoffentlich nicht
abgebrochen werden, was allerdings noch zweifelhaft sein könnte, wenn der
einzige Zweck dieser Vorausberechnung, die nautische Längenbestimmung, durch
ein zuverlässigeres und leichteres Verfahren, mittelst der Chronometer, in allen
Fällen als ersetzt zu betrachten wäre. Sollte indessen künftig einmal die Vor
ausberechnung der Monddistanzen aufhören, so würde dem sorgfältigen und
geschickten Navigateur im Nothfalle, mit unbrauchbar gewordenen Chronometern,
nur übrig bleiben, aus seiner Monddistanzenmessung die Rektascension des Mondes
herzuleiten, indem er von der Rektascension des andern Gestirns als einer sicher
bekannten Gröfse ausgehen kann. Die Vergleichung der so berechneten Rekt
ascension des Mondes mit der in den nautischen Jahrbüchern (in den englischen,
französischen, amerikanischen und spanischen) sogar von Stunde zu Stunde an
gegebenen, würde dann ebenfalls die gesuchte Zeit des ersten Meridians und
somit die Länge geben. Auch jetzt schon liefse sich dies Verfahren bei ver
kommender Gelegenheit anwenden, wenn sich nämlich gut gelegene helle Sterne
am Himmel darbieten, deren Distanz vom Monde sich nicht vorausberechnet im
Jahrbuche fände, wo man z. B. in der Regel nicht weit unter 20° Distanz
hinabzugehen pflegt. Doch hat man neuerdings in der „Connaissance des Temps“
angefangen, selbst Distanzen bis zu 3° aufzuuehmen, womit die französischen
Navigateure sehr zufrieden sein sollen, welche die leichter zu messenden kleinen
Distanzen vorziehen.
Bekanntlich gehören aber die Chronometer bei ihrer grofsen Vollkommen
heit doch immer zu den künstlichsten und zartesten Instrumenten, welche be-
*) In den letzten Jahrgängen, seit 1835, wo es sich um die Einführung von Bcssel’s
Methode handelte, wurden auch die Distanzen der Sonne vom Monde mit anfgenommen, und der
Titel lautete daher: „Distances of the Sun and the four Plauets, Venus, Mars, Jupiter and Saturn
from the Moon, calculated äccording to Mr. Bessel’s Method etc.“
*) Briefwechsel zwischen Gauss und Schumacher. Bd. I. Altona 1860. Seite ‘209.