accessibility__skip_menu__jump_to_main

Full text: Annalen der Hydrographie und maritimen Meteorologie, 18 (1890)

472 
Geber das nautische Längenproblem. 
Planetendistanzen vom Monde für den Greenwicher Meridian vorausberechnet 
und erschienen in Kopenhagen von 1821 bis 1838.') Inzwischen waren auch die 
ältesten nautisch-astronomischen Ephemeriden, der „Nautical Almanac“ und die 
„Connaissance des Temps“, diesem Beispiele bald gefolgt. Der „Nautical 
Almanac“, für welchen alle Berechnungen der älteren Planeten damals unter 
Schumacher’s Leitung ausgeführt wurden (s. „Naut. Alm.“ for 1836, S. VI), 
nahm auch die Planetendistanzen vom Monde übereinstimmend mit der Kopen- 
hagener Ephemeride auf und gab dafür an letztere vorher die nach Burckhardt’s 
„Tables de la Lune“ (Paris 1812) berechneten Mondörter, welche dazu die 
Grundlage bildeten. Unter den Händen der geschicktesten Rechner, wozu auch 
P. A. Hansen zeitweilig gehörte, war es für die Tafeln der Planeten selbst 
von Nutzen, dafs sie auf diese Weise in den nautischen Gebrauch kamen und 
die noch darin enthaltenen Fehler aufgedeckt und verbessert wurden. Unabhängig 
hiervon berechnete auch Inghirami in Florenz schon Planetendistanzen (für 
Venus und Jupiter) vom Monde, die in v. Zach’ s „Correspondance Astronomique“ 
zu Genua noch etwas früher veröffentlicht wurden. Durch diese doppelte Rech 
nung zu Florenz und Kopenhagen kamen Anfangs erhebliche Unterschiede bis 
zu 4' in den Venusdistanzen für 1822 zum Vorschein, die ihx-en Grund in 
Druckfehlern der Lindenau’sehen Venustafeln hatten, wo das Aphelium von 
1820 bis 1850 fortlaufend um 8° zu grofs abgedruckt war, während man sich 
in Florenz der von Réboul herausgegebenen Venustafeln bediente, die diesen 
Fehler nicht enthielten. Dagegen fanden sich andere Fehler bei den Florentiner 
Rechnungen, die der Berichtigung bedurften. Ein Vermittelungsvorschlag des 
Freiherrn v. Zach 2 ) (in einem Briefe an Admiral v. Lövenörn), dafs er die 
Florentiner Venusdistanzen zu unterdrücken suchen wolle, damit die erst zu 
berichtigenden Kopenbagener Rechnungen (von Nissen) nicht blofsgestellt 
würden, hatte wenigstens das Gute, von dem Vorkommen eines grofsen Fehlers 
Nachricht zu geben und veranlafste, seine Ursache aufzusuchen, die unter Um 
ständen für die Schiffahrt hätte gefährlich werden können. 
Nachdem nun die Erfahrung entschieden hat, dafs die jetzige chrono 
metrische Längenbestimmung nicht nur der Länge aus Monddistanzen vorzuziehen 
ist, sondern auch am besten schon durch ein zweites Chronometer kontrollirt 
werden kann, so wird dennoch in Zukunft eine Fortsetzung der seit mehr als 
hundert Jahren geführten Vorausberechnung der Monddistanzen hoffentlich nicht 
abgebrochen werden, was allerdings noch zweifelhaft sein könnte, wenn der 
einzige Zweck dieser Vorausberechnung, die nautische Längenbestimmung, durch 
ein zuverlässigeres und leichteres Verfahren, mittelst der Chronometer, in allen 
Fällen als ersetzt zu betrachten wäre. Sollte indessen künftig einmal die Vor 
ausberechnung der Monddistanzen aufhören, so würde dem sorgfältigen und 
geschickten Navigateur im Nothfalle, mit unbrauchbar gewordenen Chronometern, 
nur übrig bleiben, aus seiner Monddistanzenmessung die Rektascension des Mondes 
herzuleiten, indem er von der Rektascension des andern Gestirns als einer sicher 
bekannten Gröfse ausgehen kann. Die Vergleichung der so berechneten Rekt 
ascension des Mondes mit der in den nautischen Jahrbüchern (in den englischen, 
französischen, amerikanischen und spanischen) sogar von Stunde zu Stunde an 
gegebenen, würde dann ebenfalls die gesuchte Zeit des ersten Meridians und 
somit die Länge geben. Auch jetzt schon liefse sich dies Verfahren bei ver 
kommender Gelegenheit anwenden, wenn sich nämlich gut gelegene helle Sterne 
am Himmel darbieten, deren Distanz vom Monde sich nicht vorausberechnet im 
Jahrbuche fände, wo man z. B. in der Regel nicht weit unter 20° Distanz 
hinabzugehen pflegt. Doch hat man neuerdings in der „Connaissance des Temps“ 
angefangen, selbst Distanzen bis zu 3° aufzuuehmen, womit die französischen 
Navigateure sehr zufrieden sein sollen, welche die leichter zu messenden kleinen 
Distanzen vorziehen. 
Bekanntlich gehören aber die Chronometer bei ihrer grofsen Vollkommen 
heit doch immer zu den künstlichsten und zartesten Instrumenten, welche be- 
*) In den letzten Jahrgängen, seit 1835, wo es sich um die Einführung von Bcssel’s 
Methode handelte, wurden auch die Distanzen der Sonne vom Monde mit anfgenommen, und der 
Titel lautete daher: „Distances of the Sun and the four Plauets, Venus, Mars, Jupiter and Saturn 
from the Moon, calculated äccording to Mr. Bessel’s Method etc.“ 
*) Briefwechsel zwischen Gauss und Schumacher. Bd. I. Altona 1860. Seite ‘209.
	        
Waiting...

Note to user

Dear user,

In response to current developments in the web technology used by the Goobi viewer, the software no longer supports your browser.

Please use one of the following browsers to display this page correctly.

Thank you.