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Ann. d. Hydr. etc., XVIII. Jahrg. (1890), Heft II.
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Ueber die Klassifikation der Chronometer.
Die Bedeutung, welche der Klassifikationsmethode der Chronometer nicht
nur für den Dienst unmittelbar, sondern auch für die Fabrikation zukommt, hat
das Kaiserliche Chronometer-Observatorium zu Kiel veranlafst, auf ein von der
bestehenden Methode für die Klassifikation und Ordnung der Chronometer nach
ihrer Güte unter einander abweichendes Verfahren bedacht zu sein und dies
Verfahren bei den dort befindlichen Chronometern, soweit das Beobachtungs
material es gestattete, versuchsweise in Anwendung zu bringen. Der Vorstand
des genannten Observatoriums, Korv.-Kapt. Nees von Bsenbeck, berichtet
darüber, wie folgt:
Bekanntlich werden die von den Chronometern angegebenen Zeiten in der
Kaiserlichen Marine für die der Temperatur zuzuschreibenden Fehler verbessert.
Es geschieht dies auf Grund der Formel G = G 0 + a (t — 15°) + b (t — 15°)®,
worin G den Gang bei der Temperatur t, G 0 den Gang bei 15° C., a und b
Koöfficienten bezeichnen, welche bei einer jeden Winter vorgenommenen Unter
suchung für jedes neue oder nach der letzten Untersuchung gereinigte Chrono
meter bestimmt werden. Ein Nachweis des auf diesem Wege erlangten Gewinnes
in Genauigkeit der Zeitkenntnifs ist in der Abhandlung: „Ueber den Nutzen
der Temperatur-Koefficienten der Chronometer“ („Ann. d. Hydr. etc.“, 1889,
Seite 149) geführt worden. Es wird nun für die Navigation des Schiffes das
jenige Chronometer das beste sein, welches nach Anwendung der Temperatur-
Korrektion gemäfs obiger Formel den festesten Gang haben wird, mithin das
jenige, bei welchem der von der Temperatur herrührende Fehler, also die
zurückgebliebene Unvollständigkeit der Kompensation, zufällig am genauesten
der genannten Formel entspricht. Wie grofs an sich diese Unvollständigkeit
ist, kommt innerhalb der überhaupt bei den brauchbaren Chronometern vor
kommenden Grenzen kaum in Betracht. Es kann daher der Fall Vorkommen,
dafs das Verhältnifs der Leistungen zweier Chronometer ohne und mit Temperatur
verbesserung sich umkebrt, so dafs das nach Mafsgabe des unverbesserten
Ganges geringere Chronometer den festeren verbesserten Gang ergiebt. Wenn
diese Umkehrung in starker Weise auftritt, so mufs es fraglich werden, ob als
Werthfolge der Chronometer für die Zwecke der Ausrüstung und der Navigation
die für den Beschaffungszweck zweifellos richtige Ordnung nach der Festigkeit
des unverbesserten Ganges unter allen Umständen angemessen ist. Zur Ent
scheidung dieser Frage ist folgende Untersuchung angestellt worden:
Diejenige Gröfse, deren Veränderung entscheidend ist, ist das G 0 in der
genannten Formel. Ein Chronometer, dessen zurückgebliebener Kompensations
fehler dem Gesetz der Formel ganz entspricht und das von den andern Fehler
quellen (Zeit, Feuchtigkeit, innere Veränderungen des Metalls der Spiralfeder)