Winde und Luftdruck im Golf von Aden und beim Kap Guardafui.
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grofser Unterschied in den Barometerständen hervor, welcher den SW-Monsnn
kennzeichnet. Das in der Fufsnote erwähnte Werde sowohl als auch die obige
Tabelle lassen ersehen, dafs der mittlere Barometerstand in dem Quadrat von
8°—11° N-Br und 54°—58° O-Lg höher ist, als in den dasselbe umgebenden
Feldern. Wenn im März bereits bemerkt wurde, dafs der Luftdruck nach Osten
zuuahm, so ist im Mai ostwärts von Afrika der Charakter des SW-Monsuns
durch eiue bedeutende Zunahme des Luftdrucks Dach Süden hin noch mehr
ausgeprägt, während im Osten der Karte ein Gebiet hohen Luftdrucks von
geringer Bedeutung den Norden vom Süden scheidet.
September kann man vollständig zum SW-Monsun rechnen, selbst was
die Vertheilung des Luftdrucks betrifft. Das Barometer steht hoch, während
die Isobaren weiter auseinander gehen und infolge dessen die Gradienten an
Gröfse abnehmen. Im Oktober sind in allen Quadraten die Barometerstände
nur wenig verschieden, aber der Charakter des SW r -Monsuns bleibt noch be
stehen, denn es ist noch eine Zunahme des Luftdrucks, vom Golf von Aden aus
ost- und südwärts gehend, zu konstatiren. Dafs im November der NE-Monsun
eingesetzt hat, ist an der Luftdruckvertheilung zu erkennen, obgleich der Unter
schied zwischen den Barometerständen der verschiedenen Quadrate nicht gerade
sehr grofs ist.
Winde. Während des SW-Monsuns fällt der grofse Unterschied zwischen
den Winden im Golf von Aden und im Indischen Ocean auf. Im ersteren ist
eine grofse Anzahl veränderlicher Winde sowie ein grofser Procentsatz Wind
stillen und ganz schwacher Winde aus allen Richtungen angegeben, während
südlich und westlich und beim Eingänge in das Rothe Meer starke NW-Winde
vorherrschend sind. Aufserhalb des Golfs östlich von Socotora uud an der
NO-Küste von Afrika dagegen findet man sehr starke Winde fast immer aus
ein und derselben Richtung, unterbrochen von Windstillen und leichten ver
änderlichen Winden.
Nimmt man an, dafs die grofse von SW kommende Luftmasse der Küsten
linie folgt, so biegt ein Theil derselben bei Ras Hafun nach Norden, ein anderer
Theil bei Ras Asir nach NW um.
Im Juli behält der Wind seine ganze Stärke bei, im Juni und August
dagegen wird derselbe beim Umbiegen um Ras Hafun schon schwächer. Die
Luftmasse überschreitet den Aequator, je nachdem der Monsun schon länger
durchgestanden, in einem immer breiter werdenden Gürtel, welcher die Neigung
hat, im Osten mehr und mehr umzubiegen. Es entsteht dadurch eine fächer
artige Ausbreitung der Luft, deren nördliche Grenze durch die gröfstentheils
hohe Küste gebildet wird, wodurch die untere Luftströmung in das stark er
wärmte und ausgetrocknete Afrika einzudringen verhindert wird. Die südliche
Grenze dagegen wird durch eine sich ostwärts ausbreitende Luftmasse gebildet.
An der nördlichen Grenze ist unzweifelhaft die Schnelligkeit der Ausbreitung
der Luft die gröfste, und ist es bedauerlich, dafs zwischen 7° und 12° N-Br
im östlichen Theil der Karte die Beobachtungen fast gänzlich fehlen. In dem
nördlichen Theil der Karte, ostwärts vom Golf von Aden, weht der Wind sehr
kräftig aus einer südlicheren Richtung, höchst wahrscheinlich infolge der starken
LuftverdüDnung über Central-Asien. Aus den Windverhältnissen im Golf von
Aden mufs man folgern, dafs die untere Luft aus dem Ocean durch die hohe
afrikanische Küste verhindert wird, in den Golf einzudringen, und dafs das
Gebiet niedrigen Luftdrucks, wozu der Golf von Aden gehört, gröfsere Aus
breitung mit kleineren Gradienten hat, und diese weiter nach Norden zu noch
gröfser wird.
Im September ist der Zustand im Allgemeinen derselbe, nur die Wind
stärke hat schon sehr bemerkbar abgenommen; auch scheint der Gürtel des
Luftstromes, welcher in der SW-Ecke der Karte dem Monsun neue Nahrung
zuführt, schmaler geworden zu sein. Im Oktober treten noch gröfsere Ver
änderungen ein. Nördlich von 11° N-Br ist der Wind schon südwestlicher,
östlicher und nordöstlicher geworden, im Golf von Aden herrscht Ostwind vor,
und in der Strafse von Bah el Mandeb weht er beständig in der Richtung des
Rothen Meeres. Südlich von Ras Hafun ist längs der Küste der Wind noch
südwestlich, hat aber an Stärke schon bedeutend abgenommen und biegt nicht
weit von der Küste schon nach Westen und bis nach SW um. Zwischen 7°