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Volltext: Annalen der Hydrographie und maritimen Meteorologie, 18 (1890)

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Beobachtung von Wasserhosen. 
Wasserhose entstand immer an dem unteren Theile einer Wolke, indem sich 
zuerst eine herabhängende Spitze zeigte, die sich allmählich verlängerte, öfters 
■wieder verkürzte und dann wieder verlängerte, bis sie schliefslich zu einem 
Wolkenschlauche wurde, der einige Minuten sichtbar blieb und sich hin und 
her bog, oder letzterer kam nicht zur vollständigen Bildung. Ehe sich die 
Wolkenspitze verlängerte, wurde gewöhnlich eine von dieser axial auslaufende 
feine Linie bemerkt. Trat dann die Verlängerung der Wolkenspitze plötzlich 
ein, so schien es, als ob sich diese Linie in einen Wolkenschlauch erweitert 
hätte. Die Linie hatte Aehnlichkeit mit dem aus der Scheide hervorragenden 
Stachel einer Biene. In vielen Fällen verlängerte sich die Linie sehr schnell 
nach unten und wurde mehrmals unsichtbar, bis endlich der Wirbel die schlauch- 
artige Verlängerung der Wolke erzeugte. Häufig war die Linie in der Mitte 
der Wasserhose, deren Axe sie bildete, noch erkennbar, da sie sich durch ihre 
Farbe von dem übrigen Theile der Wasserhose unterschied. Letztere war 
weifsHch, während die Linie entweder dunkler oder glänzend war, je nach der 
Färbung des Hintergrundes, von welchem sie sich abhob. Diese Erscheinung 
entspricht der Theorie, nach welcher der lange schmale Wolkenschlauch nicht 
durchweg aus einer Dunst- und Nebelmasse besteht, sondern im Innern hohl 
und daher durchscheinender ist, als die denselben umgebenden Tbeile. 
Aus vielen Theilen der Walken, unter welchen die Wasserhosen ent 
standen, ergossen sich zeitweise Regenschauer. Späterhin trieben niedrige 
Wolken, aus denen es ebenfalls regnete, zwischen den Wasserhosen und dem 
Schiffe, und gegen 10 Uhr 20 Minuten stellte sich mit SE-Wiud ein heftiger 
Regen ein, welcher jode Aussicht verhinderte. Derselbe dauerte 10 oder 
15 Minuten und liefs dann nach. Da Abbe hoffte, dafs die Wirbel sich dem 
Schiffe nähern würden, notirte er öfters die Angaben eines Aneroidbarometers, 
konnte aber einen Einflufs der Wirbel auf dieselben nicht bemerken. Der Stand 
des Barometers war um 9 h 765,03 mm, um 9 h 35 m 764,02 mm und um 10 h 20 ra , 
als die Regenböe das Schiff erreichte, 767,07 mm. Um l h p. m. zeigte das 
Aneroidbarometer einen Luftdruck von 766,36 mm. Diese Schwankungen finden 
bei Regenböen gewöhnlich statt und sind wohl nicht durch die Wirbel ver 
ursacht worden. Es war nicht zu erwarten, dafs das Barometer in so grofser 
Entfernung von den Wirbeln fallen würde. Hätte es sich in deren Nähe, etwa 
30 m (100 Fufs) von den Wasserhosen befunden, so würde wahrscheinlich eiu 
nicht unbeträchtliches Fallen desselben stattgefunden haben. 
Es herrscht zum Theil noch der Glaube, dafs durch Kanonenschüsse die 
Wasserhosen zerstört werden. Während der Beobachtungen wurde zufälliger 
Weise ein Sechspfünder behufs Reinigung abgeschossen, als die Wasserhosen 
3 bis 4 Srn entfernt waren, und einige Sekunden nach dem Schüsse zerrifs zwar 
eine Wasserhose, aber die übrigen blieben unverändert, und einige Minuten 
nachher bildeten sich neue. Es kann daher das Zerreifsen der einen wohl nur 
als ein zufälliges Zusammentreffen mit dem Schüsse angesehen werden. 
Der horizontale Durchmesser der gröfsten Wasserhose, welche am 22. 
beobachtet wurde, schien ungefähr gleich */io ihrer vertikalen Höhe zu sein. 
Diese Wasserhose war auch am längsten sichtbar, und ihrem Zerreifsen folgte 
ein Regenschauer, welcher anscheinend eine gröfsere Ausdehnung hatte, als die 
jenigen, welche nach dem Zerreifsen der anderen Wasserhosen stattfauden. 
Die schmälste der Wasserhosen hatte einen Durchmesser, der nur l jiw ihrer 
vertikalen Höhe betrug. Die Höhe des oberen Theiles der Wasserhosen über 
der Meeresoberfläche war bei allen ziemlich gleich, ebenso die der Wolken, aus 
welchen sie entstanden, und belief sieh auf ca 400 m (1200 Fufs). 
Am 23. gegen 8‘/2 Uhr liefsen die Wolkengestaltungen eine Wiederholung 
der Erscheinungen des vorhergehenden Tages vermuthen; es hatte sich an der 
unteren Seite einer niedrigen Wolke bereits die herabhängende Spitze, aus 
welcher sich eine Wasserhose entwickelt, gebildet, ohne dafs jedoch eine solche 
entstand. Wasserwirbel wurden nicht bemerkt.
	        
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