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Full text: Annalen der Hydrographie und maritimen Meteorologie, 18 (1890)

Beobachtung von Wasserhosen. 
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Beobachtung von Wasserhosen. 
Von den Mitgliedern der westafrikanischen wissenschaftlichen Expedition 
der Vereinigten Staaten wurden am 22. Oktober v. J. viele Wasserhosen beob 
achtet, über welche die „Science“ nachstehende, von Cleveland Abbe ge 
machte Beobachtungen und Bemerkungen mittheilt. 
Das V. St. S. „Pensacolaauf welchem sich die genannte Expedition 
befand, verliefs New-York am 16. Oktober. Die ersten Tage der Reise war 
der Wind westlich mit mäfsigem Seegang. Allem Anschein nach befand sieh 
das Schiff in der östlichen Hälfte einer Cyklone, 300 bis 500 Sm von deren 
Centrum entfernt. Nach den Windrichtungen zu schliefsen, war das Centrum 
am 20. südwestlich vom Schiffe und bewegte sich langsam in nordöstlicher 
Richtung. Am 25. war es bereits so weit von demselben entfernt, dafs es sich 
jeder weiteren Beobachtung entzog. Inzwischen hatte sich warmer südöstlicher 
Wind, begleitet von häufigen Regenschauern und einzelnen Böen, eingestellt. 
Am 22. gegen 9 Uhr Morgens wurden an der Meeresoberfläche in einer 
zwischen SSW und WSW liegenden Richtung aufwirbelude Wasserdünste und 
aufspritzendes Wasser gesehen. Diese Wirbel und die später sich bildenden 
Wasserhosen befanden sich an der nordöstlichen Seite einer Wolkenmasse, 
deren Inneres eine Regeriböe war. Am Rande der vom Schiffe aus in SW ge 
sehenen nordöstlichen Seite dieser Wolkenmasse trieben aufgerollte lose Dunst 
wolken, welche von der Sonne beschienen wurden. Jenseits und unterhalb 
derselben waren die Wolken, weil von den über und vor ihnen befindlichen 
beschattet, dunkel gefärbt und glichen Nimbi, aus denen sich Regen ergofs. 
Anscheinend hatten die Wasserhosen ihren Ursprung in der Wolkendrift, welche 
sich, wie erwähnt, auf der nordöstlichen Seite der Regenböe befand. Die 
Wolken trieben in ungefähr nordwestlicher Richtung, mithin fast senkrecht zu 
der Richtung, in welcher sie vom Schiffe aus gesehen wurden. Von 9‘/2 bis 
10‘/4 Uhr bildeten sich in dem erwähnten Theile des Horizontes fortwährend 
Wasserhosen, während andere sich wieder auflösten. Einmal wurden gleich 
zeitig 5 bis 7 gesehen, und die ganze Anzahl der beobachteten Wasserhosen 
war nach Abbe 20, nach anderen Beobachtern sogar 30. Die ersten entstanden 
in ca 4 Sm Entfernung vom Schiffe, die letzten in einer Entfernung von 3 Sm. 
Folgende Erscheinungen, welche wahrscheinlich bei allen Wasserhosen 
auftreten, wurden beobachtet: 
1. Die wirbelartige Bewegung in denselben fand, so weit sich dies 
erkennen liefs, gegen den Zeiger der Uhr statt. 
2. Die Wasserhosen schritten von SO nach NW fort. Nimmt man an, 
dafs sie eine theilweise Bewegung um die erwähnte Regenböe machten, so ge 
schah dies ebenfalls gegen den Zeiger der Uhr. 
Die Regenböe war im Wesentlichen ein Theil einer Cumulus-Wolke, 
welche sich aus den niedrigen losen Dunstwolken gebildet hatte. Auf der nicht 
von der Sonne beschienenen Seite der Wolke, welche vom Schiffe aus um 
10‘/s Uhr gesehen wurde, befanden sieh keine Wasserhosen, noch war eine 
Neigung zur Bildung derselben bemerkbar. Hieraus schliefst Abbe, dafs eine 
Wasserhose ihr Entstehen einem besonderen aufsteigenden Luftstrom verdankt, 
welcher durch eine giöfsere Leichtigkeit eines Theiles der Wolke verursacht 
wird, und dafs unter sonst gleichen Verhältnissen diese Leichtigkeit auf der 
von der Sonne beschienenen Seite der Wolke entstehen mufs. 
Es ist klar, dafs zur Bildung des von der Wolke herabhängenden Theiles 
der Wasserhose ein stärkerer Luftwirbel nothwendig ist, als zur Bildung des 
aus Wasserdunst, Schaum und Tropfen bestehenden Wirbels an der Meeres 
oberfläche. Iu den meisten Fällen entstanden letztere früher, als die charakte 
ristische Wolkenbildung der Wasserhose, aber es wurde nichts bemerkt, woraus 
sich hätte schliefsen lassen, dafs eine aufwärts stattfiudende Bewegung an der 
Meeresoberfläche begann und dafs Seewasser in die Wolken gelangte. Die 
empor gerissenen Wassertropfen wurden, nachdem sie höchstens 30 m (100 Fufs) 
Höhe erreicht batten, aus dem Wirbel herausgeschleudert und fielen hinab auf 
den von Weitem einer Schüssel ähnelnden Wasserwirbel. In einigen Fällen 
schien die einem Schlauche ähnliche Verlängerung der Wolke den Wasserwirbel 
zu erreichen, doch konnte sie stets von diesem unterschieden werden. Die
	        
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