Verhältnifs der Temperatur des Wassers und der Luft an der Oberfläche des Oceans. 451
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Fünfgradfeld die Grenze einer warmen oceanischen und kalten Küstenströmung,
mit aufserordentlich grofsen Temperaturgegensätzen, hindurchgeht, so geben die
obigen Mittel des ganzen Feldes die Verhältnisse nur sehr abgestumpft wieder.
Wir wollen bei der Spärlichkeit des Materials hierauf nicht näher eingehen,
wohl aber einen merkwürdigen Umstand nicht unerwähnt lassen, der das süd
östlich hieran anstofsende Gebiet betrifft. Von Luzon bis nach Sumatra und
Neu-Guinea hinunter zeigt sich nämlich die Wassertemperatur sowohl nach den
Karten des Londoner meteorologischen Amtes (Surface Temperatures, London
1884) und von Krümmel (Zeitschr. f. wiss. Geogr., Bd. VI, 1888), als nach
der neuerdings von Herrn G. Schott ausgeführten, noch unpublicirten Bearbeitung
der einschlägigen deutschen Schiffsbeobachtungen, die Temperatur der Meeres
oberfläche im August und November zwischen 28° und 29° C. (oder selbst
darüber) liegend; die meteorologischen Stationen in diesem Gebiet ergeben da
gegen für das Meeresniveau eine durchschnittliche Lufttemperatur dieser Monate
von nur 26° bis 27° C., also um 2° C. niedriger — eine für die Tropenzone
bis jetzt isolirt dastehende Differenz. Ob hieran die relativ geringe Tiefe dieser
Meerestheile, oder die starken Monsunregen an den gebirgigen Küsten, oder
beide Ursachen betheiligt sind, läfst sich zur Zeit noch nicht entscheiden.
Unser Kärtchen zeigt für den am besten bekannten Theil des Weltmeeres
die Jahresmittel des Temperaturunterschiedes zwischen Luft und Wasser in
Zehnteln eines Celsiusgrades und läfst manche von den im Obigen dargelegten
Zügen auf den ersten Blick hervortreten.
Jahresmittel des Temperaturunterschiedes „Luft minus Wasser“.