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Full text: Annalen der Hydrographie und maritimen Meteorologie, 18 (1890)

Verhältnifs der Temperatur des Wassers und der Luft an der Oberfläche des Oceans. 
449 
A. 
Warme Strömung: 
Jan. 
Febr. 
März 
April 
Mai 
Juni 
Juli 
Aug. 
Sept. 
Okt. 
Nov. 
Dez. 
Jahr 
1. 
NW-Küste v. Schottland *) 
— 3,3 
— 2,5 
— 2,2 
— 0,7 
+ 0,3 
+ 0,9 
+ 0,5 
±0,0 
-1,4 
— 3,1 
-4,1 
— 3,4 
— 1,6 
2. 
400—50° N, 35°—45° W 
-2,6 
-3,1 
— 2,1 
-1,3 
— 0,2 
+ 0,2 
+ 0,2 
— 0,2 
— 0,9 
— 1,2 
-2,2 
- 3,0 
— 1,4 
3. 
4°_8° N, 15°—25° W 
— 0,6 
— 0,6 
— 0,6 
— 0,4 
— 0,8 
— 0,7 
— 0,7 
-0,7 
-0,7 
— 1,0 
— 1,0 
-0,6 
— 0,7 
4. 
35°—40° S, 20°—35° O 
-1,3 
— 1,0 
— 1,5 
— 1,2 
— 1,8 
-1,0 
-1,9 
-3,1 
-1,8 
— 1,3 
— 0,4 
-0,8 
— 1,4 
B. 
Kalte Strömung: 
5. 
45°—50° N, 45°—50° W 
— 1,9 
-1,6 
— 0,2 
+ 0,9 
+ 1,4 
+ 1,2 
+ 1,2 
+ 0,7. 
+ 0,7 
— 0,2 
— 0,7 
- 1,5 
— 0,2 
6. 
20°—25° N, 20°—35° W 
— 0,3 
— 0,1 
— 0,3 
+ 0,1 
+ 0,1 
+ 0,3 
+ 0,6 
+ 0,6 
+ 0,2 
-0,2 
-0,6 
— 0,6 
±0,0 
7. 
0°—4° S, 15°—25° W 
+ 0,2 
+ 0,1 
+ 0,1 
-0,3 
±0,0 
±0,0 
+ 0,3 
+ 0,4 
+ 0,2 
+ 0,2 
+ 0,2 
+ 0,6 
+ 0,2 
8. 
40°—45° S, 25°—60° O 
+ 0,4 
+ 0,5 
+ 1,0 
+ 1,2 
— 0,5 
+ 0,4 
-0,1 
±0,0 
+ 0,4 
+ 0,1 
+ 0,4 
+ 0,9 
+ 0,4 
Für gemäfsigte Breiten können wir also als Regel hinstellen, dafs über 
warmen Strömungen die mittlere Temperatur der Luft im Sommer jener des 
Wassers sehr nahe ist, im Winter dagegen ‘2 bis 3 Grad unter die letztere 
hinabsinkt; über kalten Strömungen aber ist die Temperatur der Luft während 
eines gröfseren Theiles des Jahres über der des Wassers und sinkt sie auch im 
Winter nicht so tief unter diese hinab. Im Jahresmittel geben die vier Bei 
spiele für warme Strömung einen durchschnittlichen Temperaturüberschufs des 
Wassers über die Luft im Betrage von 1,3° C., während die vier Beispiele für 
kalte Strömungen nur einen solchen von 0,1° C. auf Seiten der Luft liefern. Wir 
dürfen also annehmen, dafs für die Meeresoberfläche im Ganzen genommen in 
der That das Wasser um ein Geringes wärmer ist, als die darauf lastende Luft 
in ihrer untersten Schicht, wie dieses im Segelhandbuch für den Atlantischen 
Ocean, Seite 107, und im Atlas dazu ausgesprochen ist. 
Auf einzelnen kleineren Gebieten des Oceans können natürlich die Unter 
schiede zwischen Luft- und Wassertemperatur viel extremere Werthe erreichen, 
als die obigen Durchschnitte grofser Meeresräume ergeben. Immerhin ist die 
Gröfse dieser Unterschiede beschränkter, als man bisher angenommen zu haben 
scheint, wenn man die Isothermen der Luft ohne Rücksicht auf die Isothermen 
der Meeresoberfläche zog. Die oben erwähnten Karten des Meteorological Office 
für die Gegend des Kap der guten Hoffnung enthalten beiderlei Isothermen; 
man sieht darauf diejenigen der Luft dieselbe lange Bucht über dem Agulhas- 
ströme nach SW hin machen, wie jene des Wassers sogar in der wärmeren 
Jahreszeit. In den besten Isothermenkarten für die ganze Erde, welche zur Zeit 
vorliegen, in jenen von Hann in Berghaus’ Physikalischem Atlas, ist diese Aus 
buchtung nicht berücksichtigt. Nehmen wir das Extrem, die Spitze jener Zunge 
in ca 21° 0, 38*/2° S, so finden wir: 
Januar .... Wasser: 2OY2 0 , Luftwirkl.: 18° (J — 27a°), desgl. nach Hann: 
17° {J— 3*/*°), 
Juli „ 18 „ „ 14 l /ä (J = 3‘/2°), desgl. nach Hann: 
HV2 0 (J= 6 1 /* 0 )- 
Als ungefähr normales Verhalten gemäfsigter und tropischer Meerestheile 
können wir die folgenden Mittelwerthe grofser Gebiete des Atlantischen Oceans 
ansehen: 
Jan. Febr. März April Mai Juni Juli Aug. Sept. Okt. Nor. Dez. Jahr 
20°—50° N, 10°—40° W —1,0 —0,6 —0,4 +0,1 +0,2 +0,4 +0,4 +0,2 —0,1 —0,4 —0,7 —0,8 —0,24 
10° S—20° N, 10°—40° W —0,2 —0,2 —0,2 —0,2 —0,2 —0,3 —0,2 —0,2 —0,2 —0,3 —0,3 —0,2 —0,22 
Die folgenden, aus handschriftlichen Materialien der Seewarte für deu 
Indischen Ocean abgeleiteten Zahlen beruhen zwar auf bedeutend geringerem 
Beobachtungsmaterial, stimmen aber im Wesentlichen mit den obigen überein, 
wenn man die Umkehrung der Jahreszeiten auf der Südhemisphäre berück 
sichtigt: 
!) Journ. Scott-, Met. Soe., VI, p. 26. Mittel aus vieljährigcn, zu Stornoway (Hebriden) und 
Sandwick (Orkaden) mittelst Boots allgestellten Beobachtungen und den bei der Küsten Vermessung 
vom Schiff aus gemachten. 
Ann, d. Ilydr. etc., 1890 Heft XI. 
4
	        
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