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Full text: Annalen der Hydrographie und maritimen Meteorologie, 18 (1890)

448 Verhältnifs der Temperatur des Wassers und der Luft an der Oberfläche des Oceans. 
kehrung resp. der mittäglichen Verringerung der vertikalen Temperaturabnahme 
auf dem Meere gewifs zugeben. Für die tägliche Periode hat, unseres Wissens, 
erst Dr. Sprung (Lehrbuch d. Meteor., S. 342) auf diesen Umstand aufmerksam 
gemacht. 
Die Gröfsen, um welche es sich dabei handelt, sind gegenwärtig aus 
dem grofsen Werke der Challenger • Expedition am besten zu ersehen. Das 
Mittel der im Nordatlautischen Ocean (mittlere geogr. Breite 30° Nord) an 
1‘26 Tagen ausgeführten Beobachtungen ergiebt folgende Abweichungen von der 
Durchschnittstemperatur des Tages für die einzelnen Tagesstunden: 
Temperatur 
2 a 
4 a 
6 a 
8a 
10 a 
12 a 
2p 
4p 
6p 
8 P 
10 p 
12 p 
des Wassers 
°F. 
— 0,2 
-0,3 
-0,3 
-0,1 
0,1 
0,2 
0,5 
0,5 
0,3 
0,0 
-0,2 
-0,3 
der Luft 
°F. 
-LI ■ 
-1,4 
- 1,4 
-0,2 
0,8 
1,4 
1,8 
1,6 
0,7 
— 0,3 
— 0,8 
— 1,0 
des Wassers 
°C. 
— 0,1 • 
-0,2 ■ 
— 0,2 
-0,1 
0,1 
0,1 
0,3 
0,3 
0,2 
0,0 
— 0,1 
— 0,2 
der Luft 
°c. 
— 0,6 • 
-0,8 • 
-0,8 ■ 
-0,1 
0,4 
0,8 
1,0 
0,9 
0,4 
— 0,2 
-0,4 
— 0,6 
Der Betrag der täglichen Temperaturschwankung war nach den Beob 
achtungen vom „Challenger“ folgender: 
in 0 Fahrenheit in 0 Celsius 
Mittl. Breite 
See 
Luft 
See 
Luft 
Nördt. Atlant. Ocean 
30° N 
0,8 
3,2 
0,4 
1,8 
Südl. » „ 
35° S 
0,8 
2,5 
0,4 
1,4 
Nördl. Stiller Ocean 
37° N 
1,0 
3,1 
0,6 
1,7 
Südl. „ * 
36° s 
0,9 
4,0 
0,5 
2,2 
In d. Nähe d. Aequators 
0° 
0,7 
2,4 
0,4 
1,3‘) 
Höhere südl. Breiten 
62° S 
0,2 
0,8 
0,1 
0,4 
Hiernach wäre die tägliche Temperaturschwankung in der Luft drei- bis 
viermal gröfser, als in der Oberflächenschicht des Oceans. In Wirklichkeit 
wird zwar dieser Unterschied etwas geringer sein, weil die Wirkung des Schiffes 
selbst auf die Temperatur an Deck sich nicht ganz vermeiden liefs; bei der 
Sorgfalt, mit welcher die Beobachtungen angestellt wurden, kann aber diese 
störende Wirkung nicht sehr bedeutend gewesen sein; wir können mit Sicherheit 
annehmen, dafs die tägliche Schwankung der Lufttemperatur mindestens zwei- 
bis dreimal gröfser ist, als die der Oberflächentemperatur, und ähnlich ist es 
auch mit der jährlichen Schwankung beider beschaffen. Die Verbindung dieser 
Thatsache mit dem verschiedenen Verhältnifs zwischen Wasser und Luft über 
kalten und warmen Strömungen führt zu mannigfaltigen Variationen in den 
mittleren Temperaturunterschieden der beiden Medien, welche Variationen jedoch 
immerhin, soweit es sieh um Mittelwerthe größerer Beobachtungsreihen handelt, 
in ziemlich engen Grenzen sich abspielen. 
Die folgende Tafel giebt die Differenz: Lufttemperatur—Meerestemperatur 
in Mittelwerthen für die einzelnen Monate von vier Meerestheilen, welche warme 
Strömungen repräsentiren, und vier Repräsentanten kalter Strömungen. Reihe 1 
ist theilweise aus Beobachtungen vom Boot aus in nächster Nähe der Küste 
gewonnen, die übrigen aus Schiffsbeobachtungen, und zwar stammen Reihe 2, 
5 und 6 aus der grofsen „Quadrat“-Veröffentlichung der Seewarte, Reihe 3 
und 7 aus der analogen des Londoner „Meteorological Office“, endlich Reihe 4 
und 8 aus handschriftlichen Zusammenstellungen nach dem Material der See 
warte (s. unten). Reihe 4 repräsentirt den warmen Agulhas-Strom, Reibe 8 die 
südlich daran grenzende Antarktische Strömung; Reihe 2 den Golfstrom und 
Reihe 5 den nordwestlich daran grenzenden kalten Strom auf der Neufundland- 
Bank. Wie man sieht, ist über diesem in den nebelreichsten Monaten Mai bis 
Juli das Wasser erheblich kälter, als die Luft. 
') Etwas gröfser ist der früher vom Met. Office für „Square No. 3* gefundene Werth, See 
0,6° C., Luft 1,5° C.
	        
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