446 Verhältnifs der Temperatur des Wassers und der Luft an der Oberfläche des Oceaus.
sehr verschiedener Temperatur in horizontaler Richtung neben einander liegen.
Bei solcher Sachlage hat die Luft natürlich keine Zeit, ihre Temperatur mit der
des Wassers auszugleichen. Einige besonders interessante Fälle, in welchen der
Temperaturgegensatz auch zu eigenartigen Kondensationen Anlafs gab, möge
es gestattet sein, aus dem handschriftlichen Material der Seewarte aufzuführen;
dieselben sind dem Schreiber dieses freundlichst vom Vorstand der Abtheilung I
der Seewarte mitgetheilt.
Der Dampfer „NürnbergKapt. Jaeger, passirte Ende Januar 1885
sowohl auf der Reise nach Baltimore, als auf der Rückreise, in der Nähe der
amerikanischen Küste Strecken, wo das Wasser 14° bis 19° C. wärmer war, als
die Luft, und stark dampfte. So am 22./23. Januar:
Stunde
4 a
8a
12 a
4p
8p
12 p
4 a
8 a
Geogr. Breite
38,7
38,7
38,4
38,1
37,8
37,5
37,2
37,0
Geogr. Länge
70,0
70,7
71,4
72,2
73,1
74,0
75,4
76,0
Wind WNW 8
NNW 9 :
NNW 8
NNW 7
NNW 5
N3
N2
Still
Bewölkung
8
10
10
8
9
8
6
7
Temp. d. Luft
0,6
— 1,7
— 2,2
— 2,8
— 1,7
— 1,7
— 2,2 -
-1,7
Temp. d. Wassers
11,0
11,0
11,0
11,0
11,0
9,0
6,0
2,0
Passirten um
6'/2 h 3.
m. Kap Henry, um
8 a York Spit in
der Chesapeake Bai.
Ferner am
29./30.
Januar,
auf dei
• Rückreise:
Stunde
4 a
8 a
12 a
4p
8p
12 p
4 a
8a
Geogr. Breite
37,0
37,0
37,1
37,2
37,3
37,3
37,4
37,5
Geogr. Länge
75,4
74,5
73,5
72,6
71,6
70,6
69,7
68,6
Wind
N3
N3
N3
NW 3
NW 4
NW 6
NW 6
NW 4
Bewölkung
6
6
7
9
9
8
8
8
Temp. d. Luft
— 3,9
-2,2
0,0
1,1
4,4
6,7
6,7
8,3
Temp. d. Wassers
2,0
0,0
14,0
20,0
19,0
19,0
19,0
21.0
Passirten Kap Henry um 2 h a. m.
Bemerkungen am 22.: „4a heftige Regenschauer. 8 a heftige Schneeböen;
passirten dampfende Strecken Golfwassers. Um lU/ia passirten eine Wasser
hose, muthmafslich aus Wasserdämpfen bestehend, was jedoch nicht genau zu
konstatiren war, da alle Erscheinungen einer Wasserhose vorhanden.“
Bemerkungen am 29.: „8 a (12 a?) bis 8 p passirten durch sehr stark
dampfendes Wasser, stellenweise mit Dampfsäulen, welche bis in die Wolken
reichten und Wasserhosen gleich erschienen.“
Noch merkwürdiger, weil weiter im offenen Meere beobachtet und mit
Schneebildung verbunden, waren die ähnlichen Erscheinungen im Januar 1884,
von welchen der „Diamant“ berichtet. Man findet einen Auszug aus diesem
Bericht in der Vierteljahrs-Wetter-Rundschau der Seewarte (Bd. I, S. 45, resp.
diese Annalen 1887, S. 492). Das Schiff segelte am 16. südlich von Neu
schottland bei nördlicher Briese am Nordrande des Golfstromes entlang nach
WzS, um 1 l'/s a stieg die Wassertemperatur plötzlich von 5,6° auf 14°, zu 4 p
auf 18°, während die Lufttemperatur nur von — 2° auf 0° sich erhob. In der
Nähe der Meeresoberfläche, wo die vom Wasser erwärmte und von Dämpfen
erfüllte untere mit der eisigen oberen Luft in Berührung kam, bildete sich
dichter Staubschnee, während auf der Höhe des Verdecks des Schiffes kein
Schneefall stattfand.
Weiter südlich, auf der Höhe von Kap Hatteras, wurde im März 1885
eine ähnliche Erscheinung von dem nach New-York segelnden Bremer Voll
schiff „/da“, Kapt. W. Schneider, beobachtet, und zwar in diesem Falle in
Verbindung mit einer plötzlichen Erniedrigung der Lufttemperatur. Folgendes
sind die Aufzeichnungen am 29. Januar, in der Breite von 34° 42' bis 36° 14'
und in der Länge von 74° 36' bis 75° 8':