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Full text: Annalen der Hydrographie und maritimen Meteorologie, 18 (1890)

Verhältnifs der Temperatur des Wassers und der Luft an der Oberfläche des Oceans. 445 
Ueber das Verhältnifs der Temperatur des Wassers und der Luft 
an der Oberfläche des Oceans. 
Von W. Koppen. 
(Mittheilung von der Deutschen Seewarte.) 
Das Verhältnifs zwischen den Temperaturen der Meeresoberfläche und 
der über ihr liegenden Luft ist noch nicht zum Gegenstände einer zusammen 
fassenden Untersuchung gemacht worden. Das Material zu einer solchen hat 
auch erst seit Kurzem eine einigermafsen beträchtliche Ausdehnung gewonnen, 
so dafs Meerestheile von recht verschiedenem Charakter in demselben vertreten 
sind und die Gefahr einer einseitigen Auffassung jetzt sehr viel geringer ist, 
als vor einigen Jahren, wenn man mindestens das publicirte Material gehörig 
ausnutzt. Nachdem für tropische Gewässer vor 15 Jahren durch die Publikationen 
des Londoner Meteorologischen Amtes über den äquatorialen Theil des Atlanti 
schen Oceans die ersten umfassenden Aufschlüsse über diesen Gegenstand 
gegeben worden waren, haben wir für gemäfsigte Breiten durch die Untersuchung 
desselben Amtes über die Gegend am Kap der guten Hoffnung und besonders durch 
die noch fortgehende statistisch-meteorologische Veröffentlichung der Deutschen 
Seewarte über den Nordatlantischen Ocean Aufklärung erhalten. In älteren 
Werken, wo sowohl Luft- als Wassertemperatur berücksichtigt wurden, finden 
wir meist für den Kontinent die erstere, für den Ocean aber nur die letztere 
angegeben; so z. B. in den schönen Karten von Petermann über den Golf 
strom (Pet. Mittheil. 1870). 
Im Gesammtmittel aller Tages- und Jahreszeiten erweist sich der Unter 
schied zwischen der durchschnittlichen Temperatur der Luft und ihrer Unterlage 
im Allgemeinen als sehr gering. Es ist dies erklärlich, wenn man an die innige 
Berührung zwischen Luft und Meeresoberfläche, besonders bei unruhigem Wetter, 
denkt, sowie an die so aufserordentlich viel gröfsere Wärmekapacität des Wassers 
gegenüber der Luft. Genügt doch die Wärme, welche 1 cbm Wasser abgiebt, 
wenn es sich um 1° C. abkühlt, um mehr als 3000 cbm Luft um 1° C. zu er 
wärmen! Dort, wo Luft mit grofser Geschwindigkeit von einem sehr kalten 
Festlande auf ein sehr warmes Meer Übertritt — wie an den Küsten von Neu 
england und Neuschottland bei winterlichen Nordweststürmen — sehen wir in 
der That diese Luft ihre Temperatur auffallend schnell ändern. Die täglichen 
synoptischen Karten, welche die Seowarte im Verein mit dem Dänischen Institute 
herausgiebt, liefern dafür eine Menge Beispiele. Greifen wir aus dem Winter 
1884/85 fünfzehn Tage mit starken NW-Winden über diesem Meerestheile her 
aus, so ergaben dieselben im Durchschnitt, in der Richtung des Windes recht 
winklig zur Küste von Maine gemessen, folgende Thatsachen: 
200 Sm 
landeinwärts 
Küste 
| auf See, in einer Entfernung 
von der Küste = 
200 Sm 
— 1’ 
400 Sm 
+ 6° 
Temperatur C C. —18° | —11° 
Wind dazwischen WNW 3 NW 7 NW 8 NW 8 
Temperaturunterschied 7° 10° 7° 7° 
600 Sm 
+ 13° 
Bei einer Windgeschwindigkeit von etwa 16 m p. Sek. legte diese Luft 
200 Sm in etwas über 6 Stunden zurück, also änderte sie ihre Temperatur bei 
der Fortbewegung um 1 bis 2 Grad in der Stunde. 
In einzelnen Fällen treten in solchen Gegenden natürlich gelegentlich 
grofse Gegensätze zwischen der Temperatur des Wassers und der Luft auf. 
Unsere Beobachter auf See treffen dieselben namentlich dort an, wo während 
der Fortbewegung des Schiffes die Temperatur des einen oder des anderen 
Elements sich sehr schnell ändert, also wo Wasser- oder Luftströmungen von
	        
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