accessibility__skip_menu__jump_to_main

Full text: Annalen der Hydrographie und maritimen Meteorologie, 18 (1890)

442 
Aus dem Reiseberichte der deutschen Bark „Hercules“. 
erlebt zu haben, Kap Flattery sichteten. Nachdem am Nachmittag des letzt 
genannten Tages bei ganz flauer Briese die Juan de FWa-Strafse eingosegelt 
war, kamen wir am 30. Juni nach einer 21 tägigen Reise in Royal Road 
zu Anker. 
Auf dieser Reise beobachteten wir wiederholt mehr oder weniger starke 
nördliche Versetzungen. Als eine ganz besondere Erscheinung ist das Auftreten 
grofser Mengen der gemeinen Seeblase (spanische Beidemwinder) und der in 
grofser Zahl vorgekommenen Langhalsen, die sich zu traubenartigen Bündeln 
vereinigt hatten, zu erwähnen. Sobald wir den Breitenparallel von 39° Nord in 
147,5° W-Lg überschritten hatten, war die Meeresoberfläche während mehrerer 
Tage mit einer kleinen Art der gemeinen Seeblase bedeckt, worauf dann an 
zwei bis drei Tagen die Langhalsen in grofsen Flächen folgten. In dieser 
ganzen Zeit wehte beständig eine schöne frische Briese, welche dem Schiffe 
eine Geschwindigkeit von 6 bis 8 Kn verlieh, -woraus folgt, dafs diese Treib 
produkte sich über ein sehr grofses Gebiet verbreitet hatten. Von den Lang 
halsen habe ich verschiedene aufgefischt; die Büschel, zu denen sie sich ver 
einigt, hatten die Gröfse von der eines Eies bis zu der einer Weintraube. 
Derartige Gebilde hatte ich vorher nicht gekannt, und es ist mir unerklärlich, 
in welcher Weise die Thiero ihre Vereinigung bewerkstelligt haben mögen. 1 11 ) 
Die grofsen Büschel enthielten unzählige Langhalsen, von denen die gröfsten 
eine Länge von 6 Zoll hatten. Dieselben waren fast genau so wie die, welche 
an den Böden der Schiffe festhaften, nur schienen die Schalen an ihren Oeffnungeu 
nicht so hart und fest zu sein, als dieses gewöhnlich bei den letzteren der 
Fall ist. 2 ) 
Die allgemeinen Verhältnisse von Royal Road sind genügend bekannt. 
Wir hatten einen vollen Monat zu warten, bevor eine Fracht mit Holz nach 
Sydney abgeschlossen werden konnte. Erwähnen möchte ich noch die eigen- 
thümliche Thatsache, dafs auf unserem Ankerplätze und in der Bucht bis nahe 
au Race Rock, wie gewöhnlich in dieser Jahreszeit, fast immer klares schönes 
l ) Auf unseren Watten findet man die Miesmuschel oft in gröfseren oder kleineren Klumpen 
zusammen gewachsen. 
*) Aus derselben Gegend des Stillen Oceans — dem aufserhalb des NE-Passats an der 
amerikanischen Seite gelegenen Gebiet -— wurde auch von anderen Schiffen das Antreffen ungeheuerer 
Mengen der Seeblase berichtet. Das Schiff „L. Hagen*, Kapt. O. Busch, segelte im April 1887 
auf der Reise von Melbourue nach Fuget Sound nicht weniger als 336 Sm auf Nordostkurs durch 
eine Meeresfläche, die mit Seeblasen übersät war. Auf seiner Rückreise, wo es vielleicht denselben 
Schwarm einige Grade weiter ostwärts passirte, hatte dieser in Nord—Süd-Richtung eine Ausdehnung 
von 220 Sm. Wir lassen einige der betreffenden Berichte hier folgen. 
Journal No. 2859. Schiff „L. Hagen“, Kapt. O. Busch. 
1887 April 24 in 41,0° N-Br und 136,7° W-Lg. Die ganze Meeresoberfläche treibt voll von 
sogenannten Beidemwindern, wie ich dieselben früher nie so zahlreich gesehen. 
April 25 in 43,2° N-Br und 133,9° W-Lg. Die ganze Meeresoberfläche sieht weifs aus von 
all den segeluden Quallen. 
April 26 in 45,6° N-Br und 132,2° W-Lg. Sämmtliche Quallen sind verschwunden, nicht eine 
mehr sichtbar. 
Juni 13 in 43,9° N-Br und 131,0° W-Lg. Die sogenannten Beidemwinder erscheinen wieder 
in grofser Anzahl. 
Juni 14 in 43,2° N-Br und 131,1° W-Lg. Die ganze Meeresoberfläche ist voll von unzähligen 
Beidemwindern. Eine grofse Schaar Walfische mittlerer Gröfse, 30 bis 40 Stück, in der Nähe. 
Juni 16 in 40,2° N-Br und 130,6° W-Lg. Sämmtliche Beidemwinder sind mit einem Male 
verschwunden. 
Journal No. 2860. Schiff' „Carl BothKapt. E. Stoll. 
1887 Juni 15 in 42,9° N-Br und 129,6° W-Lg. Die ganze Meeresoberfläche war förmlich übersät 
mit Quallen, sogenannten Beidemwindern. 
Juni 16 in 41,4° N-Br und 132,1° W-Lg. Menge der Quallen grofser noch wie gestern. Nach 
11 fl a. m. keine Quallen mehr in Sicht, statt dessen Seekraut. 
Journal No. 3106. Schiff „Hercules“, Kapt. J. Bless. 
1887 Ende Juni in ungefähr 40° N-Br und 146° W-Lg. Das Wasser während mehrerer Tage mit 
Seeblasen, sogenannten Beidemwindern, bedeckt. 
September 1 in 39,6° N-Br und 130,8° W-Lg. Sehr viele Beidemwinder, das Wasser ist 
förmlich damit besät. 
Journal No. 3195. Schiff „lron Duke“, Kapt. H. Bunge. 
1889 April 14 in 37,6° N-Br und 150,3° W-Lg. Die Meeresoberfläche ist wie übersät mit kleinen 
Quallen. Walfische. 
April 15 in 37,6° N-Br und 147,7° W-Lg. Die Meeresoberfläche ist immer noch mit kleinen 
Quallen wie übersät.
	        
Waiting...

Note to user

Dear user,

In response to current developments in the web technology used by the Goobi viewer, the software no longer supports your browser.

Please use one of the following browsers to display this page correctly.

Thank you.