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Full text: Annalen der Hydrographie und maritimen Meteorologie, 18 (1890)

Das Eis und die Strömungsverhältnisse des Beringmeeres etc. 
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Bildung von jungem Eise sich vollzieht, bevor ein starker südlicher Wind das 
Eis wieder entfernt hat. 
Die Strömung an der Küste von Alaska setzt, nachdem sie Point Barrow 
passirt ist, nach NE, so dafs östlich von demselben unter der Küste die Be 
wegung des Eises nur vom Winde, der Strömung aus den Flüssen und den 
Witch-Currents (Mahlströme, Strudel) abhängig ist. Letztere sind ganz be 
sonders der Nachbarschaft von Point Barrow eigen und können den Schiffen 
sehr gefährlich werden. Als „Thetis“ bei Lion Reef vor Anker lag, konnte 
man beobachten, wie grofse Eisschollen innerhalb eines Radius von x /t Sm sich 
nach drei verschiedenen Richtungen hin bewegten, welches auf örtliche Strö 
mungen zurückzuführen war, da sie nicht vom Winde beeinflufst wurden. Ein 
anderes Mal, als „Thetis“ an Grundeis gemoort lag, mit dem Kopfe gegen den 
Wind, und alles Treibeis an beiden Seiten klar vom Schiffe hinteraus trieb, kam 
ein grofses Feld Treibeis, beeinflufst durch einen Witch-Current, in einem rechten 
Winkel auf das Schiff zu, wodurch dieses von schweren Eismassen umschlossen 
wurde. Es beanspruchte eine l‘/2stündige Arbeit, bevor das Schiff wieder aus 
diesen Fesseln befreit werden konnte. Hätte sich gleichzeitig junges Eis ge 
bildet, so wäre die Lage äufserst bedenklich gewesen. 
Die Mahlströme verdanken ihre Entstehung der Gegen- und Nährströmung 
im Kielwasser grofser Eismassen. Die Schiffe waren nördlich und östlich von 
Point Barrow nie weit genug vom Lande, um feststellen zu können, ob diese 
Strudel auch dort auftreten, oder ob sie nur dem flacheren Wasser eigen- 
thümlich sind. 
Oertliche Winde ändern die Lagerung des Eises ungewöhnlich schnell: 
Am Abend des 10. August 1889 ankerte „Thetis“ bei Cross Island, als das 
Treibeis eine entschieden westliche Bewegung hatte. Während der Nacht sprang 
ein starker Westwind auf, in Veranlassung dessen das Eis bereits am folgenden 
Mittage mit einer Geschwindigkeit von 2 bis 3 Kn ostwärts trieb. In einem 
anderen Falle, durch den Pack, der sich an Point Barrow anlehnte, in der Zeit 
vom 19. bis 24. August bei Coopers Island festgehalten, waren 36 Stunden mit 
leichten ENE- bis SE-Winden hinreichend, diesen vom Lande abzutreiben und 
einen offenen Kanal bis Point Barrow zu schaffen, der es ermöglichte, dafs 
Schiffe, welche 4 Tage später als „ Thetis“ Manning Point verlassen hatten, 
12 Stunden vor diesem Schiffe Point Barrow erreichen konnten. Oestlich von 
Point Barrow ruht das Packeis im Anfänge des Sommers auf den Landvor 
sprüngen: Tangent Point, Ilalket Point, Lion Reef und Martin Point. Wenn 
diese frei sind, kann ein Schiff durch die Buchten zwischen aufgebrochenen 
Eismassen Vordringen. „Thetis' 1 erreichte auf diese Weise Mackenzie-Bai am 
15. August 1889. 
Für Segelschiffe ist es unvorsichtig, östlich von Point Barrow zu gehen, aber 
in offenen Sommern wagen sie sich bis zur Spitze Tangent. Eine aufserordentlich 
offene Saison war das Jahr 1878, als die Segelschiffsflotte bis zur Camden-Bai 
gelangte. Die Waldampfer gehen so weit östlich, als es das Eis erlaubt, ihr 
Endziel ist Mackenzie-Bai. Im Jahre 1889, ebenfalls ein sehr offenes Jahr, 
wurde dieses Ziel (Single Point) erreicht, das erste Mal seit 1850, als Mc Clure 
und Collinson auf der Suche nach Franklin hier waren. Nach den Aus 
sagen der Eingeborenen erstreckt sich östlich von Mackenzie-Bai bis auf eine 
Entfernung von 50 bis 60 Sm infolge der aus den Flüssen kommenden Strömung 
in jedem Sommer offenes Wasser längs der Küste. Bei der Insel Herschel tritt 
Gezeitenstrom auf, und die Marken am Strande deuten ein Fallen und Steigen 
des Wassers von 3 bis 4 Fufs an. 
Vom 15. Juli bis 1. September ist die Mackenzie-Bai eisfrei, dann beginnt 
die Bildung des jungen Eises, welches in der ersten Zeit öfters wieder auf 
bricht. Gegen den 20. September kann es in einer Nacht bis zu einer Dicke 
von 2 Zoll frieren. Zwischen dem 1. und 5. Oktober friert die Bai fest zu für 
den Winter. 
Die Grenze des Packeises im Polarmeere. Im August und Sep 
tember erlangt die südliche Kante des Packeises ihre nördlichste Grenze. Diese 
verläuft in einer unregelmäfsigen Linie von Point Barrow im Osten nach Kap 
North im Westen. Die Lage des sogenannten Lochs nördlich der Insel Herald 
ist fast in allen Jahren nahezu dieselbe, während an der Ostseite grofse Ab
	        
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