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Full text: Annalen der Hydrographie und maritimen Meteorologie, 18 (1890)

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Das Eis and die Stvömungsvevhältnisse des Beringmeeres etc. 
treibt fort und kommt zurück, je nachdem der Wind sich ändert, bis er sich 
allmählich nördlich und westlich entfernt. Nach dem 15. Mai hört das Frieren 
von jungem Eise auf. 
Infolge des vorherrschenden südlichen Windes ist die Bucht östlich von 
Kap Lisburne schon vom 1. Mai an mehr oder weniger frei von Eis. Man kann 
daher auch den Ankerplatz bei Kap Sabine früher als Point Ilope erreichen. 
Letzteres ist der Sammelplatz der New Bedford Waler, wo sie von ihrem Tender 
mit neuen Ausrüstungen versehen werden. Das erste Schiff langt hier gewöhn 
lich gegen den 4. Juli an, und der Tender folgt vom 5. bis 10. Juli, ohne viel 
durch Eis behindert worden zu sein. Die Extreme der Jahreszeit sind an 
gedeutet durch die Ankunft eines Schiffes bei Kap Lisbume so früh als der 
17. Juni und bei Point Hope so spät als der 25. Juli. 
Wale sind bei Point Hope schon so zeitig als am 23. April gesehen 
worden, ein Beweis, dafs sich um diese Zeit genügend offene Stellen im Eise 
befinden. 
Längs der Küste von Sibirien setzt die Strömung das Eis mit einer 
Geschwindigkeit von 1 Kn nordwärts, und es entsteht im Norden der Insel 
Ilerald eine tiefe Bucht im Eise, welche sich etwa 30 Sm nach Norden aus 
dehnt, bekannt unter dem Namen „Das Loch“. Diese Strömung und diejenige 
längs der Küste von Alaska bewirken im Verein mit den südlichen und südöst 
lichen Winden, dafs das Packeis in der Mitte langsamer als an den Seiten nach 
Norden treibt und dort eine Spitze bildet, die zwischen 160° und 170° W-Lg 
weit nach Süden reicht und welcher der Name „Post Office Point“ beigelegt ist. 
Sie ist der natürliche Begegnungsplatz der im Osten und Westen kreuzenden 
Schiffe, die sich gegenseitig hier ihre Neuigkeiten mittheilen, ln einer offenen 
Saison mit vorherrschenden südwestlichen Winden kann das „Post Office“ bis 
zu 157° W-Lg nach Osten versetzt werden. 
In 1881, ein aufserordentlich offenes Jahr, kamen Schiffe am 20. Juli in 
Sicht der Insel Herald, und 10 Tage später landete der „Corwin“ daselbst 
Leute, während dieses am 12. August auf Wrangelland stattfand. Im Jahre 1885 
begegnete dieses Schiff dem festen Packeise schon in 69° 32' N-Br und 
174° 25' W-Lg, so vreit das Auge reichte. 
Folgend der Küste nördlich von Icy Cape, müssen die Schiffe sehr vor 
sichtig sein, um nicht vom Pack eingeschlossen zu werden. Wenn dieses nicht 
weit genug vom Lande entfernt ist, kann es sehr leicht in kurzer Zeit hierher 
zurückkehren, in welchem Falle dann freilich die Schiffe zwischen den Küsten 
vorsprüngen ankern oder am Grundeise festmacken. Im Jahre 1879, etwa am 
20. August, wurde die Walerflotte auf diese Weise bei Blossom Shoal festgehalten. 
Im Jahre 1881 lag das Packeis am 21. Juli bei Blossom Shoal, und am 25. war 
es von der Küste 25 Sm südlich von Icy Cape in Sicht, während sich im SW 
ein starker Eisblink zeigte. Letzterer Zustand entspricht annähernd den mittleren 
Verhältnissen. 
Bei Point Barrow verläfst das Landeis die Küste vom 15. bis 25. Juli, 
nachdem der Pack bereits vorher abgebrochen ist, bleibt aber bis Mitte August, 
vielleicht auch den ganzen Sommer in Sicht, ln Ausnakmefällen bobarrt der 
Pack das ganze Jahr an der Küste; 1879 und 1886 war Point Barrow unaus 
gesetzt von demselben umschlossen. Im Jahre 1888 erreichte der Dampfer 
„Oca“ Point Barrow bereits am 4. Juli, dem frühesten bekannten Datum, 
während dieses 1880 dem ersten Schiffe nicht vor dem 25. August möglich war, 
als sich das Eis nicht weiter als 4 Sm von der Küste entfernt hatte. Diese 
beiden Ankünfte sind die extremen Fälle; durchschnittlich wird Point Barrow 
von den Schiffen in der Zeit vom 10. bis 12. August erreicht. Oestlich von 
Point Barrow kann nur mit äufserst geringer Sicherheit auf den Zustand und 
das Verhalten des Eises geschlossen werden, und jedes Schiff, welches ostwärts 
aus Sicht von dieser Landspitze geht, sollte darauf vorbereitet sein, mindestens 
einen Winter im_ Polarmeere zubringen zu können. Der Pack und das Landeis 
entfernen sich hier nie weit von der Küste. Die Strömung aus den Flüssen 
klart die Baien von Eis, und starke Winde von West durch Süd bis NE treiben 
den Pack von den verschiedenen Landspitzen, w T ohingegen solche von West 
durch Nord nach NE diesen dahin zurückführen, und Schiffe, welche auf diese 
Weise eingeschlossen werden, laufen Gefahr, gefangen zu bleiben, wenn die
	        
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