428
Das Eis und die ¡StrömlingsVerhältnisse des Beringmeeres etc.
sammelt, während das Eis des Beringmeeres, soweit es im Sommer nicht schmilzt,
durch die Strömung nordwärts nach dem Polarmeere abgeführt wird. Nur ein
einziges Mal sind wir eben südlich der Tsagar-Strafse an der Küste von Japan
durch ziemlich beträchtliche Eismassen hindurch gesegelt, welche wahrscheinlich
von den Strafsen und Buchten der Kurilen oder der japanischen Inseln her
rührten.
Da die Westseite der Beringsee gewöhnlich eher als die Ostseite vom
Eise befreit wird, so ist Indian point ein Objekt, auf das die Augeu der Schiffer
zuerst gerichtet sind.
Am 1. Mai sind die Pribylojf-Inseln gewöhnlich frei von Eis. Das Packeis
bewegt sich nordwärts, die Seiten rascher als die Mitte, und Schiffe, welche
demselben folgen, erreichen Kap Navann gegen den 10. Mai. Das Eis nimmt,
wie schon gesagt, seinen Weg durch den Kanal zwischen Indian point und der
St. Lorenz-Insel. Die Hauptmasse desselben setzt sich im Nor’den dieser Insel
fest und hält sich dort so lange, bis es allmählich aufbricht und gegen Mitte
Juli nördlich abtreibt.
Dampfer erreichen Kap Bering, indem sie das Eis des Golfs von Anadir
durchbrechen, etwa am 25. Mai, Segelschiffe gegen den 10. Juni. Von hier aus
ist Indian point gewöhnlich leicht zu erreichen; bei uns ereignete sich dieses
zwischen dem 22. Juni und 10. Juli.
Die im Osten aufkommenden Schiffe passiron westlich von Nounivak- und
südlich von St. Lorenz Island. Im Osten und Norden der letztgenannten Insel
zu passiven, ist des Eises wegen, welches aus dem Golf von Anadir stammt
(wie schon bemerkt), nicht möglich.
Es mufs unentschieden bleiben, welche Route vorzuziehen ist; im All
gemeinen dürfte die westliche am meisten zu empfehlen sein. Nur wenn hier
das Eis zu schwer und zu dicht ist, suche man so bald als möglich die Ostseite
zu gewinnen.
Wegen der grofsen Verschiedenheit der einzelnen Jahre unter einander
ist es schwer zu sagen, wann bestimmte Punkte erreichbar sind. Indian point
wird von den Dampfern zwischen dem 25. Mai und 5. Juni, die St. Lorenz-Ba.\
im nördlichen Theile der Beringstraße vom 10. bis 25. Juni erreicht.
Die Eingeborenen der St. Lorenz - Insel und aus deren Nachbarschaft
bringen ihro Kanoes gegen den 15. Mai zu Wasser, ein Zeichen, dafs sich nach
dieser Zeit hier in der Regel kein junges Eis mehr bildet. In der Beringsee
hört die Entstehung von jungem Eise gegen den 10. Mai auf. Am 12. April
1888 dampfte der Dampfer „Orca“ in 60° N-Br und 178° W-Lg sechs Stunden
durch junges Eis.
Das Landeis und dasjenige in den Baien folgen dem Packeise gewöhnlich
in 15 bis 20 Tagen nach. Im Norton Sund hält sich das Eis länger als an
der gegenüberliegenden Seite. Südliche und östliche Winde klaren diesen Sund
vom Eise, westliche Winde häufen dieses daselbst an.
Die erste gemeldete Ankunft eines Schiffes in St. Michael am Norton-
Sund ist der 25. Mai, nach dem 1. Mai hört hier in der Regel die Bildung von
jungem Eise auf. Port Clarence, ein Hafen nahe der Enge der Beringstraße
und geschützt gegen jede Dünung, ist der Sammelplatz der Schiffe der „Paciiic-
Steam-Whaling-Company“, um den Tender zu erwarten, der sie mit neuen Aus
rüstungen versieht und ihnen den Frühjahrsfang' abnimmt. Dieser Hafen bleibt
noch lange, nachdem das Packeis die Küste verlassen hat, geschlossen. Im
Jahre 1885 ankerte die Bark „ Wanderer“ schon am 25. Juni in Port Clarence,
die früheste Ankunft, die bekannt ist. In der Regel erreichen die Tender diesen
Platz vom 1. bis 5. Juli, ohne dann schwerem Eise begegnet zu soin.
Frühjahrsbewegung des Eises in der Beringstrafse. Der Strom
setzt durch die Beringstraße nach Norden, wenn unbeeinflufst durch den Wind,
mit einer Geschwindigkeit von durchschnittlich 2 Kn. Ein anhaltender Nord
wind kann den Strom in einen südlichen verwandeln, der aber nach dem Auf
hören eines solchen Windes wieder die ursprüngliche nördliche Richtung an
nimmt. Ein starker südlicher Wind kann die nördliche Strömung bis zu 3 Kn
steigern. Im Jahre 1860 setzte uns der Strom mit einer Geschwindigkeit von
3 bis 4 Kn gegen einen frischen Nordwind durch die Enge der Strafse zwischen
den Diomeden und Kap Prince of Wales. Am 26. Juni 1861 beobachteten wir