Das Eis und die Strömungsverhältnisse des Beringmeeres etc.
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Zwischen dem 8. und 23. Juni ist es uns gelungen, das Packeis des west
lichen Theiles der Beringsee zu durchbrechen und an das Landeis in der Nachbar
schaft vom Kap Bering zu gelangen.
Die ungefähre mittlere Grenze des Eises wird durch die Angaben der
nachstehenden Tabelle bezeichnet:
Monat
170° O-Lg
175° O-Lg
180° Länge
175° W-Lg
170° W-
N-Br
N-Br
N-Br
N-Br
N-Br
April
59,0°
60,4°
—
—
—
Mai
59,4°
61,2°
61,3°
—
—
Juni
—
—
62,3°
64,6°
65,2°
Frühjahrsbewegung des Eises im Beringmeere. Die Bewegung
des Eises ist gröfstentheils abhängig vom Winde; Schiffe, welche dasselbe
passiven wollen, müssen diesen in Betracht ziehen. Während das Packeis in
der Mitte noch lange in einem festen Zusammenhänge verbleibt, sind die beiden
Seiten bedeutend früher der Schiffahrt zugänglich. Dieser Umstand wird durch
die lokalen Winde, die nördliche Meeresströmung und die Strömung, welche aus
den vielen Flüssen kommt, veranlafst. Oestliche und nordöstliche Winde treiben
das Eis bei Kap Navarin dicht zusammen und brechen es ab von der Ostküste,
westliche Winde haben den entgegengesetzten Einflufs.
An der Westseite setzt der Strom iu der Nähe der Küste fast immer
nach NO. Etwa 30 Sm südostwärts vom Kap Navarin findet eine TheiluDg
der Strömung statt, der eine Zweig läuft parallel der Küste in südwestlicher
Richtung bis zum Kap Omchinsky, der andere setzt nordwärts in den Golf von
Anadir hinein und von dort nordostwärts, wobei er zwischen Indian point und
der Insel St. Lorenz eine bedeutende Geschwindigkeit erlangt. An der Ostseite
setzt der Strom mit einer starken Fahrt nach Norden in die Beringstra/se hinein.
Im Mai 1889 trieb die Bark „Abraham Barlcer“, als sie 30 Sm südöstlich vom
Kap Navarin im Eise besetzt lag, während eines nordöstlichen Sturmes durch
die westliche Strömung bis in die Nähe vom Kap Omchinsky und im Frühling
1886 die Bark „Sea Breeze“ während eines NE-Sturmes beim Kap Navarin, als
man alle Segel weggenommen und das Schiff an einem Eisfelde festgemacht
hatte, in drei Tagen 45 Sm luvwärts.
Im Frühling 1887 wurde die im Eise eingeschlossene Bark „ Bunter“ von
der Mitte des Golfs von Anadir durch die Strömung an die Nordseite der Insel
St. Lorenz versetzt.
Auch von mir ist dieser nordöstliche Strom wiederholt beobachtet worden,
so beispielsweise: am 25. Juni 1864 beim Kap Yaccoun „ein starker östlicher
Strom“, 1866 den 9. Juni auf 63,6° N-Br und 179,0° W-Lg „nördlicher Strom“,
am 10. Juli bei Indian point „östlicher Strom“, am 12. Juli in 64,2° N-Br und
171,3° W-Lg „nordöstlicher Strom“, 1868 am 16. Mai beim Kap Navarin,
welches recht West peilte, „nördlicher Strom“ und am 18. Mai auf 63,2° N-Br
und 179,8° W-Lg „NNE 21 Sm in 24 Stunden“.
Westlich und südlich von Kap Navarin hatten wir oftmals eine westliche,
Versetzung, unter anderen:
1864 April 22
49,0°
N-Br
und
158,0°
O-Lg
N57° W
15 Sm
26
51,6°
55
55
161,0°
55
S 77° W
9
55
27
53,0°
55
55
163,0°
55
S 63° w
9
»5
55
29
57,6°
55
5?
lb6,2°
55
N 24° W
24
55
55
30
59,3°
55
55
166,0°
55
N27° W
14
55
Mai
2
59,2°
55
55
167,5°
55
W
2
55
55
3
58,7°
5?
55
167,6°
55
S 70° W
21
55
w
4
58,0°
55
55
170,0°
55
w
9
55
55
7
58,8°
55
55
173,0°
55
N53° W
15
55
in 24 Stunden.
Die Verhältnisse sind hier ganz entgegengesetzt den entsprechenden des
Nordatlantischen Oceans, woselbst das Eis bekanntlich in manchen Sommern,
vom Norden kommend, sich in grofsen Massen bei der Neufundlandhank an